Bischof Bätzing sieht die Kirche ohne Frauen am Ende

"Verändert und bereichert uns"

Der Limburger Bischof Georg Bätzing fordert mehr Verantwortung und Mitgestaltung für Frauen in der Kirche und möchte mit gutem Beispiel vorangehen. Auch in anderen Punkten wünscht er sich neue Wege für die Kirche der Zukunft.

Archivbild: Bischof Georg Bätzing unterhält sich mit einer jungen Mitarbeiterin des Deutschen Caritasverbandes / © Harald Oppitz (KNA)
Archivbild: Bischof Georg Bätzing unterhält sich mit einer jungen Mitarbeiterin des Deutschen Caritasverbandes / © Harald Oppitz ( KNA )

"Wenn wir die Frauen verlieren, ist die Kirche am Ende", sagte er am Sonntag im Interview des Online-Portals mittelhessen.de. Bätzing führte aus, weil Frauen die Kirche und das religiöse Leben schon immer "ganz entscheidend" prägten, setze er sich dafür ein, "dass Frauen alle Möglichkeiten bekommen, an Gestaltung, Beratung und Leitung teilzuhaben". 

Im Bistum Limburg seien wichtige Schritte in diese Richtung unternommen worden. "So gibt es mittlerweile eine Frau in einer Funktion, die der des Generalvikars entspricht", sagte Bätzing. Der Generalvikar ist in der katholischen Kirche der Stellvertreter des Bischofs und leitet die Verwaltung in dessen Auftrag. 

Limburger Dom (shutterstock)

Auch in anderen Leitungsbereichen trügen Frauen Verantwortung. "Das verändert uns und bereichert uns", betonte der Bischof. Sein Plädoyer: "Solange die sakramentale Weihe für Frauen nicht möglich ist, sollten wir diese Möglichkeiten konsequent weiterentwickeln." 

Schwierige Entscheidungen

Der Bischof warnte vor finanziellen Engpässen, denen die Kirche aktuell begegnen müsse: "Durch die Austritte müssen wir damit rechnen, in den kommenden zehn Jahren etwa ein Drittel weniger Einnahmen zu haben. Das bedeutet erhebliche Einschnitte und zwingt uns zu schwierigen Entscheidungen." 

Wenn Kirchen aufgegeben werden müssten, gehe ihm das persönlich sehr nahe: "Ich habe mich selbst gefragt, wie ich reagieren würde, wenn meine Heimatkirche geschlossen werden müsste – ich wäre todtraurig", sagte Bätzing. Doch viele Gebäude seien für viel mehr Menschen zugeschnitten, als heute am kirchlichen Leben teilnehmen. 

Abgesperrte, leere Kirchenbänke / © Felix Kästle (dpa)
Abgesperrte, leere Kirchenbänke / © Felix Kästle ( dpa )

Der Umgang mit heute zu groß erscheinenden kirchlichen Gebäuden sei vielerorts auch eine gesellschaftliche Frage. Das Bistum unterstütze die Kirchengemeinden bei der Analyse: "Welche Räume brauchen wir künftig, welche werden wir mit Leben füllen, welche können wir mit unseren Mitteln erhalten?" Pfarrhäuser, Gemeindehäuser und Kirchen würden dabei in den Blick genommen.

Bätzing wünscht sich, dass "noch mehr Lösungen über den eigenen Tellerrand hinaus" entwickelt werden, gemeinsam mit evangelischen Gemeinden oder Kommunen. Es gebe bereits gute Beispiele, in denen Gebäude gemeinsam genutzt würden. 

Nur noch ein Bistum 

Der Limburger Bischof war sechs Jahre lang Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Rückblickend sagte er, ohne dieses Amt spüre er "eine gewisse Entspannung". Denn der Vorsitz sei zeitlich eine enorme Belastung. 

"Wenn ich einen Vergleich ziehen soll, dann würde ich den Vorsitz der Bischofskonferenz mit der Verantwortung für ein weiteres Bistum vergleichen: jeden Tag zahlreiche Vorgänge, Termine, Absprachen", sagte Bätzing. Das habe ihm viel Freude gemacht, aber nun spüre er doch deutlich die Erleichterung.

Bistum Limburg

Das 1827 gegründete Bistum Limburg gehört zu den jüngeren unter den 27 deutschen Diözesen. In seinem Gebiet leben rund 2,4 Millionen Menschen, 486.168 davon sind katholisch. Das Bistum gliedert sich in 47 Pfarreien. 

Das Bistum misst 6.181 Quadratkilometer und erstreckt sich größtenteils auf Hessen, zu einem kleinen Teil auf Rheinland-Pfalz. Zur ihm gehören die Wirtschafts- und Bankenmetropole Frankfurt sowie die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden ebenso wie ländliche Regionen im Rheingau, Taunus, Westerwald und nördlich von Wetzlar.

Limburger Dom / © Werner Spremberg (shutterstock)
Quelle:
KNA