Ordensfrau fürchtet Überschattung der Biennale durch Proteste

Vatikan-Pavillon setzt starke Friedensbotschaft

Die Biennale in Venedig ist zuletzt vermehrt zum Schauplatz politischer Konflikte geworden. Die Kunst droht, dahinter zu verschwinden, mahnt die Ordensfrau und Mitarbeiterin des Vatikan-Pavillons, Schwester Maura Zátonyi.

Komposition "Support" für die Biennale 2017 in Venedig macht auf den Klimawandel aufmerksam / © Marco Rubino (shutterstock)
Komposition "Support" für die Biennale 2017 in Venedig macht auf den Klimawandel aufmerksam / © Marco Rubino ( shutterstock )

Schwester Maura Zátonyi, Mitarbeiterin des Vatikan-Pavillons bei der 61. Biennale in Venedig, sieht den Kern der Kunstschau in Gefahr. "In den Nachrichten erscheint die Biennale in diesen Tagen leider nur mit negativen Schlagzeilen; es ist dennoch nicht die gesamte Realität, eher nur ein kleiner, trauriger Ausschnitt", sagte die Benediktinerin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Sonntag. 

 Maura Zatonyi OSB, Theologin und Ordensschwester, am 14. Oktober 2019 in Rüdesheim. / © Jan Bruns (KNA)
Maura Zatonyi OSB, Theologin und Ordensschwester, am 14. Oktober 2019 in Rüdesheim. / © Jan Bruns ( KNA )

Auch sie habe am Rande der Eröffnung in Venedig Demonstrationen gegen Russland und Israel erlebt, so die Ordensfrau, die an der Benediktiner-Hochschule Sant'Anselmo in Rom lehrt. Doch habe zum Beispiel der Vatikan mit seinem Pavillon "eine starke Botschaft des Friedens gesetzt". Die Stadt Venedig strahle zudem die Liebe zur Schönheit aus. "Das ist stärker als Spannungen und Konflikte, selbst wenn die Nachrichten letztere aufgreifen." 

Vatikan-Pavillon zu Hildegard von Bingen

Dass der Vatikan für seinen Biennale-Beitrag Hildegard von Bingen (1098-1179) als Inspirationsquelle wählte, sei eine "wunderbare Anerkennung" für die Heilige, so die Gründerin der Hildegard-Akademie. Damit stehe die berühmte Komponistin, Dichterin und Mystikerin "sozusagen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der gesamten Kunstwelt und sogar darüber hinaus", sagte Schwester Maura.

Schwester Maura

"Mit der Biennale beginnt vielleicht eine neue, intensive Phase, in der Hildegards Botschaft für unsere Zeit neu erschlossen und aktualisiert wird."

"Mit der Biennale beginnt vielleicht eine neue, intensive Phase, in der Hildegards Botschaft für unsere Zeit neu erschlossen und aktualisiert wird." Die Benediktinerin lieferte den wissenschaftlichen Hintergrund für die rund 25 internationalen Kunstschaffenden, die an dem zweiteiligen Vatikan-Projekt in Venedig arbeiteten. 

Darunter sind der im März gestorbene deutsche Filmemacher Alexander Kluge, der den Pavillon-Titel "Das Ohr ist das Auge der Seele" sowie Kurzfilme und Bildcollagen zu Hildegards Handschriften lieferte, die Kuratoren Hans-Ulrich Obrist und Ben Vickers sowie das "Sound Collective". 

"Mystischer Garten" und Skriptorium 

Den ersten Teil bildet der "Mystische Garten" im Klostergarten der Unbeschuhten Karmeliten nahe Venedigs Bahnhof. Besucher wandeln mit einem Kopfhörer durch den idyllischen Garten voll Duft und Farbenpracht und tauchen in eine Klangwelt ein, für die sich bedeutende Künstler durch die Musik der Heiligen Hildegard inspirieren ließen. 

Klosterruine und Garten des ehemaligen Kloster Memleben / © Karin Wollschläger (KNA)
Klosterruine und Garten des ehemaligen Kloster Memleben / © Karin Wollschläger ( KNA )
Symbolbild: Klostergarten

Der zweite Teil des Pavillons befindet sich in der ehemaligen Kirche Santa Maria Ausiliatrice, wo ein Skriptorium mit Werken der Heiligen eingerichtet ist. Die dort präsentierten Bücher, kritische Editionen und internationale Werke basieren auf einer Literaturliste der Hildegard-Akademie. Ebenso sind Benediktiner-Schwestern an einer Musikinstallation mit Gesängen der heiligen Hildegard beteiligt. 

Hildegard von Bingen

Die heilige Hildegard von Bingen war eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters. Ihr genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert; doch geht die Forschung davon aus, dass sie 1098 im rheinhessischen Bermersheim zur Welt kam. Schon mit acht Jahren übergaben ihre Eltern die Tochter zur Erziehung an Jutta von Sponheim, die sich bei der Benediktinerabtei Disibodenberg an der Nahe (Rheinpfalz) niedergelassen hatte.

Bildnis von Hildegard von Bingen am Altar der Rochuskapelle in Bingen (KNA)
Bildnis von Hildegard von Bingen am Altar der Rochuskapelle in Bingen / ( KNA )
Quelle:
KNA