Kurator Obrist lobt Zusammenarbeit mit Vatikan für die Biennale

"Das Ohr ist das Auge der Seele"

Alle zwei Jahre findet in Venedig mit der Biennale eine der bedeutendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt. Viele Länder der Welt bespielen dort einen eigenen "Pavillon". Auch der Vatikan ist traditionell dabei.

Archivbild: Biennale in Venedig / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani (KNA)
Archivbild: Biennale in Venedig / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani ( KNA )

Hans Ulrich Obrist, international tätiger Kunstkurator, ist voll des Lobes über seine Zusammenarbeit mit dem Vatikan für die Biennale 2026. Insbesondere den Kulturbeauftragten des Vatikans, Kardinal José Tolentino de Mendonça, bewundere er sehr. 

"In der Politik ist es sehr selten, dass Kulturminister oder -ministerinnen wirklich eine Vision haben", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Rom. "Aber jetzt gibt es im Vatikan mit Kardinal Mendonça einen wirklich großartigen Poeten und Kunstexperten."

Kardinal Jose Tolentino Mendonca, Archivar und Bibliothekar der Heiligen Römischen Kirche / © Paul Haring/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Jose Tolentino Mendonca, Archivar und Bibliothekar der Heiligen Römischen Kirche / © Paul Haring/Romano Siciliani ( KNA )

Obrist kuratiert den Vatikan-Pavillon bei der 61. Kunstbiennale (9. Mai bis 22. November) in Venedig. Tolentino de Mendonça, seit 2022 Präfekt des Dikasteriums für Kultur und Bildung sowie Verfasser von literarischen Texten, kenne er schon von der Zusammenarbeit bei der Biennale 2024, so der Schweizer Autor und Kurator.

Projekt inspiriert von Hildegard von Bingen

Im Zentrum des diesjährigen Vatikan-Beitrags "Das Ohr ist das Auge der Seele" steht die Kirchenlehrerin und Komponistin Hildegard von Bingen (1098-1179). Über sie habe er schon lange ein Projekt realisieren wollen, aber nicht im Museum, sagte Obrist. "Ich dachte immer, dass es eine Erfahrung in einem Garten sein sollte."

Eine Figur von Hildegard von Bingen steht im Klostergarten der Benediktinerinnenabtei Sankt Hildegard in Rüdesheim / © Julia Steinbrecht (KNA)
Eine Figur von Hildegard von Bingen steht im Klostergarten der Benediktinerinnenabtei Sankt Hildegard in Rüdesheim / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Tatsächlich findet der Vatikan-Beitrag sowohl in einem Klostergarten als auch im Komplex Santa Maria Ausiliatrice im venezianischen Stadtteil Castello statt. Im "Giardino Mistico" inszeniert das Team "Soundwalk Collective" Klangwerke von 24 Komponisten, Musikern, Dichtern und Künstlern aus zwölf Ländern, alle inspiriert von Gesängen, Schriften und visionären Bildern der Mystikerin aus dem 12. Jahrhundert.

"Zweites Leben" für Pavillon von 2025

Der zweite Projekt-Teil basiert auf dem Vatikan-Beitrag zur Architektur-Biennale 2025: Damals war der Komplex um Santa Maria Ausiliatrice zu einem Treffpunkt für Kunstschaffende, Bürger und sozial Engagierte gestaltet worden. Als Neuheit wird das damalige Projekt "Opera Aperta" von Tatiana Bilbao Estudio und MAIO Architects nicht ersetzt, sondern erhält ein "zweites Leben".

Kunstbiennale Venedig / © Antonio Calanni/AP (dpa)
Kunstbiennale Venedig / © Antonio Calanni/AP ( dpa )

Dies komme seiner Vorstellung von Nachhaltigkeit sehr entgegen, die bei der Biennale kaum ein Thema sei, sagte Obrist. "Nach einem Jahr wird alles abgebrochen, und dann kommt der nächste Pavillon." Das sei auch nicht im Sinne Hildegards von Bingen. "Ich dachte immer, man könnte einen Pavillon erhalten und wachsen lassen. Insofern ist das großartig, dass zwei meiner Projekte auf einen Schlag realisiert werden", so der Kunstexperte. "Das ist alles so wunderbar. Es ist der perfekte Kontext für ein Projekt zu Hildegard von Bingen."

Quelle:
KNA