DOMRADIO.DE: Wie haben Sie den 8. Mai 2025 erlebt, als plötzlich im Vatikan Weißer Rauch vermeldet wurde und es hieß: "Habemus Papam"?
Mons. Edinson Edgardo Farfán Córdova OSA (Bischof von Chiclayo, Peru): Das Ganze hatte eine Vorgeschichte: Im Bistum trauerten wir noch um Papst Franziskus. Dieser hatte unseren Bischof Robert Prevost erst kurz zuvor nach Rom berufen und natürlich haben wir uns alle gefragt, ob er der neue Papst werden könnte. Hier in Chiclayo wurden Gebetsketten organisiert, bei denen für einen guten Nachfolger auf dem Stuhle Petris gebetet wurde. Viele kamen zum Bischofshaus, um Prevost über uns Nachrichten zu schicken, dass sie für ihn beteten und ihm alles Gute wünschten. Und er hat sich dafür herzlich bedankt.
Als schließlich sein Name fiel, war die Freude riesig! Wir konnten nicht glauben, was da passierte! Es war ein Moment der Freude und des Staunens, ich glaube, viele, die ihn kannten, haben geweint vor Dankbarkeit. Über unsere Whatsapp-Gruppe, in der alle unsere Pfarreien sind, habe ich darum gebeten, überall die Kirchenglocken läuten zu lassen. Ich war hier im Bischofshaus mit sieben weiteren Priestern und wir sind in die Kapelle gegangen, um für ihn zu beten.
Und als Mons. Roberto dann auf der Loggia des Petersdoms auch noch auf Spanisch sprach und seine "geliebte Diözese Chiclayo" grüßte, feierten die Menschen auf den Straßen, es war ein unbeschreiblicher Jubel. Und ich sagte zu meinen Mitbrüdern: "Das wird unser Bistum verändern."
DOMRADIO.DE: Wie hat die Wahl von Prevost zum Papst Ihr Bistum Chiclayo verändert?
Mons. Edinson Farfán: Vor dem Bischofshaus war schon die Presse eingetroffen: Erst nur die lokalen Medien, wenige Stunden später die nationalen und am nächsten Morgen waren Presseteams aus der ganzen Welt da. Seitdem geben wir regelmäßig Interviews und werden gefragt, wie wir die Papstwahl und Bischof Roberto erlebt haben.
Der Tourismus und insbesondere der Pilgertourismus haben sich enorm entwickelt: Es gibt Papst-Routen, wo man die Orte besuchen kann, an denen Papst Leo früher gelebt und als Missionar gearbeitet hat. Immer mehr Besucher kommen, Hotels, Restaurantbesitzer und Reiseagenturen freuen sich über steigende Einnahmen und zusätzliche Jobs. Allerdings war die Stadt auf diesen Ansturm nicht vorbereitet, sie arbeitet gerade an einem Ausbau der Infrastruktur, der Straßen und Wege, auch weil der Heilige Vater uns möglicherweise im Herbst in Peru besuchen wird. Dann muss alles fertig sein.
DOMRADIO.DE: Sie selbst sind auch Augustiner und Prevosts Nachfolger als Bischof von Chiclayo. Wie haben Sie ihn persönlich erlebt?
Mons. Edinson Farfán: Er war mein Provinzialprior und hat mich in meiner Ausbildung begleitet. Ich erinnere mich, dass er der erste war, der mich begrüßte, als ich als junger Mann in den Augustinerorden eingetreten war. Er war es auch, der mich in meinem ersten Jahr nach Iquitos schickte, eine Stadt, die fernab im Regenwald liegt und nur mit dem Flugzeug oder per Schiff zu erreichen ist. Damals umarmte er mich und sagte: "Geh ein Jahr fort und sammle Erfahrungen, so wie der Heilige Augustinus!"
Seitdem hatte ich immer wieder schöne Begegnungen mit ihm: Gespräche, seelsorgliche Begleitung, wenn ich zweifelte, er war immer für mich da und inspirierte mich. Er war Bruder, Freund und Vorgesetzter. Als er Bischof von Chiclayo wurde, war ich schon Priester in Trujillo. Die beiden Städte sind nicht weit voneinander entfernt, sodass wir uns häufig sahen. Bis heute sind wir gute Freunde.
Als ich 2020 Bischof von Chuquibambilla wurde, war er es, der mich immer unterstützte: Chuquibambilla ist eine Territorialprälatur, sehr arm und abgelegen in den Anden. Pfarreien liegen auf 3000 bis 500 Metern Höhe. In der Fläche riesig, aber wenige Priester. Er hat mir Ratschläge gegeben und dabei geholfen, diese Herausforderung zu meistern. Er hat mich auch regelmäßig besucht, obwohl es aus Chiclayo bis nach Chuquibambilla 36 Stunden Autofahrt sind.
Ich erinnere mich auch an seine Unterstützung bei einem Bergbaukonflikt im Jahr 2019: Damals gab es in unserer Region eine Auseinandersetzung zwischen einem Minenbetreiber, den Landarbeitern und der peruanischen Regierung. Es kam zu Streiks und der Konflikt drohte zu eskalieren. Ich bat damals die peruanische Bischofskonferenz um Hilfe, deren Vizepräsident er war.
Er und der damalige Vorsitzende Bischof Miguel Cabrejos begleiteten mich damals, um Gespräche mit den Behörden der Hochlandbauern, den Bergbaubehörden der Region und der Zentralregierung zu leiten. Sie sprachen unermüdlich mit allen Beteiligten, bzw. sie hörten vor allem zu. So schafften sie Raum für Dialog, denn Mons. Roberto glaubt an den Frieden und die Gerechtigkeit durch den Dialog. Ich bin Gott sehr dankbar, dass ich einen Teil des Weges mit ihm gehen durfte.
DOMRADIO.DE: Was ist das Wichtigste, das Sie von ihm gelernt haben?
Mons. Edinson Farfán: Das Zuhören und die Gemeinschaft: Um große Projekte umzusetzen, müssen wir einander zuhören und das Charisma der Augustiner ist die mitbrüderliche Gemeinschaft, die Einheit untereinander. Wir sollten Konflikte im Dialog überwinden, immer alle Stimmen hören und dann gemeinsam nach einer Lösung suchen. Darum habe ich auch den Bischofsspruch "In Dankbarkeit und Gemeinschaft dienen" gewählt. Es geht um eine Kultur des Zuhörens und der Teilhabe. Das ist das, was Papst Franziskus mit dem Begriff der Synodalität meinte. Papst Leo spricht von der Gemeinschaft, von unserem gemeinsamen Weg.
DOMRADIO.DE: Wird das Bistum den 8. Mai, also den Jahrestag seiner Papstwahl, in besonderer Weise feiern?
Mons. Edinson Farfán: Das ist ein besonderer Tag für unser Bistum: mittags werden wir zu Ehren des Heiligen Vaters ein großes Kulturfestival eröffnen. Und um 19 Uhr werden wir zum Jahrestag seiner Wahl einen großen Dankgottesdienst feiern, der auch über die Facebook-Seite unserer Diözese übertragen wird, sodass Gläubige und Freude aus der ganzen Welt mitfeiern können.
Das Interview führte Ina Rottscheidt.