Franziskaner fiebert einem Besuch von Papst Leo XIV. in Peru entgegen

"Die Menschen möchten ihm nahe sein"

Papst Leo XIV. besucht voraussichtlich noch in diesem Jahr Peru. Hier hat er lange als Bischof gewirkt. Der Franziskaner Guido Zegarra Ponce erwartet dann sehr emotionale Momente. Zuvor hofft er jedoch auf mehr politische Stabilität.

Peru, Chiclayo: Gläubige halten ein Banner mit dem Bild des neu gewählten Papstes Leo XIV. hoch / © Guadalupe Pardo (dpa)
Peru, Chiclayo: Gläubige halten ein Banner mit dem Bild des neu gewählten Papstes Leo XIV. hoch / © Guadalupe Pardo ( dpa )

DOMRADIO.DE: Politik und Papst sind derzeit zwei der beherrschenden Themen in Peru. In der vergangenen Woche fanden die Präsidentschaftswahlen statt. Doch noch immer ist die Wahl nicht beendet. Für eine Stichwahl sucht die führende Kandidatin Keiko Fujimori ihren Gegner. Wie ist denn die aktuelle Situation nach den Wahlen in Peru? 

Guido Zegarra Ponce / © Guido Zegarra Ponce
Guido Zegarra Ponce / © Guido Zegarra Ponce

Guido Zegarra Ponce OFM (Konvent San Francisco, Huaycán Peru): Es gab 35 Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl. Das ist weltweit beispiellos. Insgesamt gab es eine starke Streuung der Stimmen bzw. der Wahlergebnisse. An erster Stelle liegt die Kandidatin Keiko Fujimori (konservative Partei Fuerza Popular), die mit nur 17 Prozent der Stimmen den ersten Platz belegt. An zweiter Stelle steht Roberto Sánchez (linksgerichtetes Wahlbündnis Juntos por el Peru). Er hat 11 Prozent der Wählerstimmen erreicht. An dritter Stelle liegt Rafael López Aliaga (ehemaliger Bürgermeister von Lima und Gründer der Partei Renovación Popular) mit 10,9 Prozent und auf Platz 4 Jorge Nieto (früherer Kulturminister) mit 9 Prozent. 

Wer zur Stichwahl antritt, ist immer noch nicht klar. So wie es aussieht, scheint sich aber die Situation der letzten sechs Jahre zu wiederholen. Denn es geht bei den aktuellen Wahlen wieder darum, das kleinere Übel zu wählen. 

DOMRADIO.DE: Wie sehen Sie die gesellschaftliche Lage im Land? 

Zegarra Ponce: Die Menschen sehnen sich nach Integrität. Vor allem nach moralischer Integrität, also nach einem ethischen Handeln, das dem Gemeinwohl dient. Gleichzeitig wächst die Sorge über die tiefe gesellschaftliche Spaltung im Land, die insbesondere durch politische Polarisierung verstärkt wird. 

In diesem Zusammenhang haben die Bischöfe ein wichtiges Dokument veröffentlicht, in dem sie die Anliegen des Episkopats darlegen. Darin heißt es: Es besteht große Besorgnis über die zunehmende Zersplitterung der Gesellschaft, politische Polarisierung, Misstrauen gegenüber Institutionen, Machtmissbrauch zugunsten privater Interessen und anhaltende politische Instabilität. Hinzu kommen eine wachsende soziale Ungleichheit und die Schwächung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. 

All dies führt zu einem Klima der Konfrontation, das den notwendigen Konsens für eine funktionierende Demokratie verhindert und den nationalen Zusammenhalt gefährdet. Vor allem wird dadurch ein echter Dialog unter den Bürgern erschwert. Ein Dialog, der notwendig wäre, um die tiefliegenden Ursachen der Probleme anzugehen, statt nur an der Oberfläche zu bleiben. Dies ist eine der zentralen Positionen der Bischöfe im Vorfeld der Wahlen. 

Guido Zegarra Ponce

"Wer sich nicht fügt, wird getötet."

Das Land erlebt aktuell eine Zeit zunehmender Gewalt. Diese zeigt sich unter anderem in Form von Erpressung. Sowohl große als auch kleine Institutionen werden bedroht und massiv unter Druck gesetzt. Wer sich nicht fügt, wird getötet. Gleichzeitig verschärfen Korruption und das schwindende Vertrauen in Politik und politische Akteure die Lage weiter. Die Enttäuschung in der Bevölkerung wächst, Armut und soziale Benachteiligung nehmen zu. 

Ich bete für die Glaubwürdigkeit der Institutionen, die eigentlich dem Gemeinwohl dienen sollten. Ich hoffe, dass es ihnen gelingt, wirksame politische Maßnahmen zu entwickeln, um die Gesellschaft positiv zu verändern. Es ist unverständlich, dass dies alles in einem Land geschieht, das reich an natürlichen Ressourcen ist, von kultureller und ethnischer Vielfalt geprägt wird und dessen Bevölkerung sich durch Großzügigkeit und Solidarität auszeichnet. 

Mit der Stellungnahme versuchen die Bischöfe, Orientierung zu geben und ein klareres Bild der aktuellen Lage im Land zu vermitteln.

DOMRADIO.DE: Wie kam es zu dieser Situation? 

Zegarra Ponce: Die Regierungen, die wir bisher hatten, sitzen mittlerweile alle wegen Korruption im Gefängnis. In letzter Zeit wurde vom Kongress aus regiert. Der Kongress hat Gesetze erlassen, die nie umgesetzt werden, die den illegalen Bergbau begünstigen und die die schreckliche Korruption fördern. Ich hoffe, dass sich das ändert. 

DOMRADIO.DE: Welche sozialen Probleme sollten in den Wahlkampagnen der Parteipolitiker am stärksten berücksichtigt werden?

Straßenszene in Iquitos, Peru / © Jon Chica (shutterstock)
Straßenszene in Iquitos, Peru / © Jon Chica ( shutterstock )

Zegarra Ponce: Die Gewaltsituation im Land ist sehr ernst. Es braucht einen entschlossenen Kampf gegen gewalttätige Gruppen, die täglich Angst verbreiten. Die Wiederherstellung des Friedens sollte oberste Priorität haben, da die Gewalt die Entwicklung des Landes stark behindert.

Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Armut. Die Lage ist dramatisch, auch im Zusammenhang mit der Rechtmäßigkeit im Bergbau. In diesem Bereich gibt es viel zu tun. 

Wir leben in einem Land mit vielen guten und engagierten Menschen, doch zugleich breiten sich zerstörerische Kräfte aus, die dem Land schaden. Wir setzen unsere Hoffnung auf die nächste Regierung. Die endgültigen Wahlergebnisse stehen noch aus, und wir warten darauf, dass sich die Situation klärt. 

DOMRADIO.DE: Das heißt, in den kommenden Wochen wird sich klären, wer die beiden Kandidaten für die Stichwahl im Sommer sind? 

Zegarra Ponce: Genau. Wir warten darauf, dass der Auszählungsprozess vollständig abgeschlossen wird. Zwar sind bereits über 90 Prozent der Stimmen ausgezählt und es zeichnet sich ab, wer die führende Nummer eins ist, doch der zweite und dritte Platz liegen noch sehr dicht beieinander. Deshalb müssen wir diese letzte Phase noch abwarten. 

Guido Zegarra Ponce

"Die Menschen sind sehr emotional und möchten ihm nahe sein, ihn umarmen oder berühren und es bleibt abzuwarten, wie sich das organisieren lässt."

DOMRADIO.DE: Richten Sie Ihren Blick bereits auch auf eine mögliche Papstreise in diesem Jahr nach Peru? 

Zegarra Ponce: Unsere Bischöfe arbeiten stets eng mit den einfachen Bevölkerungsschichten zusammen. Auf nationaler Ebene sind sie über die Bischofskonferenz gut vernetzt und bereiten gemeinsam den Besuch des Papstes vor. Für viele fühlt es sich so an, als käme der Papst "nach Hause". Entsprechend herzlich wird er empfangen werden. 

Gläubige im Bistum Chiclayo bei einer Marienprozession (Kirche in Not)
Gläubige im Bistum Chiclayo bei einer Marienprozession / ( )

Ich kann mir vorstellen, dass es große Menschenansammlungen geben wird, besonders in Chiclayo, wo er als Bischof gewirkt hat. Dort bereiten sich die Menschen, vor allem die Bauern, bereits intensiv auf seinen Besuch vor. Allerdings ist unklar, ob er dabei von den üblichen Abläufen abweichen wird. Die Menschen sind sehr emotional und möchten ihm nahe sein, ihn umarmen oder berühren, und es bleibt abzuwarten, wie sich das organisieren lässt.

DOMRADIO.DE: Wissen Sie schon, wohin er reisen könnte?

Zegarra Ponce: Der Papst wird voraussichtlich nur wenig Zeit haben und daher ein kompaktes Besuchsprogramm absolvieren. Geplant sind wohl drei Stationen: Lima, Chiclayo, wo er als Bischof tätig war, und anschließend Arequipa.

Guido Zegarra Ponce

"Deshalb kommt er nun an einen Ort zurück, an dem er sich wie zu Hause fühlen wird"

DOMRADIO.DE: Was macht die Papstreise nach Peru besonders im Vergleich zu anderen Reisen?

Zegarra Ponce: Der Papst kam als Robert Prevost schon in jungen Jahren nach Peru, um dort zu arbeiten. Die nordamerikanischen Augustiner waren im Norden des Landes tätig, in einer großen, ländlich geprägten und armen Region. In dieser Umgebung begann er seinen Dienst. Dort lernte er Spanisch, machte sich mit den Lebensgewohnheiten der Menschen vertraut und passte sich ihrem Alltag an. Er ritt zu den Gemeinden oft zu Pferd, und fand so seinen Platz in den lokalen Gemeinschaften. Diese Erfahrungen prägten ihn und von dort aus führte sein Weg schließlich zum Bischof von Chiclayo. 

Papst Leo XIV. mit einem Mann, dessen Bild auf dem Laptop die peruanischen Nationalfarben zeigt / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. mit einem Mann, dessen Bild auf dem Laptop die peruanischen Nationalfarben zeigt / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Das hatte einen transkulturellen Charakter. Durch seine Zeit dort wurde er von seiner nordamerikanischen Prägung gelöst und stärker in die peruanische Kultur eingebunden. Er hat gegessen wie wir und gelebt wie wir. Das war die Erfahrung damals. Deshalb wirkt es heute so, als sei er selbst Peruaner geworden. Sein Besuch wird daher als großer Grund zur Freude für die Bevölkerung gesehen. 

Er wird viel Zuneigung von den Menschen erfahren, weil sie das Gefühl haben, dass er ihre Kultur, ihre Einfachheit und auch ihre Lebensweise teilt. Der Empfang wird sehr herzlich sein. Die Menschen in Peru sind sehr warmherzig: Trotz Armut können sie lachen, tanzen und Lebensfreude teilen. Diese Lebensfreude hat auch der Papst selbst in seiner Zeit dort erlebt. Deshalb kommt er nun an einen Ort zurück, an dem er sich wie zu Hause fühlen wird. Insgesamt steht ein großes nationales Fest bevor.

Das Interview führte Carolina Graef Alarcón.

Die katholische Kirche in Peru

Peru ist für die katholische Kirche eine wichtige Bastion in Lateinamerika, von den 31 Millionen Einwohnern gelten 90 Prozent als katholisch. Die Kirche hat viele Entwicklungsprojekte und setzt sich für den Schutz der indigenen Minderheiten ein, die gerade im Amazonasgebiet durch den Raubbau an der Natur und die zunehmenden Flussverschmutzungen infolge des illegalen Goldabbaus in ihren Lebensgrundlagen bedroht werden.

Gläubiger in Peru mit Rosenkranz / © Geraldo Caso (dpa)
Gläubiger in Peru mit Rosenkranz / © Geraldo Caso ( dpa )
Quelle:
DR

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