Kirchen zeigen sich offen für neue Bestattungsform "Reerdigung"

"Mit christlichen Vorstellungen vereinbar"

Als erstes Bundesland will Schleswig-Holstein die sogenannte "Reerdigung" als neue Bestattungsform einführen. Sowohl das katholische Erzbistum Hamburg als auch die evangelische Nordkirche bewerten das Verfahren positiv.

lyer mit dem Schriftzug "Die Reerdigung", dahinter der "Kokon", eine Kunststoffwanne, in der das Unternehmen "Meine Erde" Reerdigungen durchführt, eine ökologische Alternative zur herkömmlichen Bestattung, am 20. November 2025 in Mölln. / © Michael Althaus (KNA)
lyer mit dem Schriftzug "Die Reerdigung", dahinter der "Kokon", eine Kunststoffwanne, in der das Unternehmen "Meine Erde" Reerdigungen durchführt, eine ökologische Alternative zur herkömmlichen Bestattung, am 20. November 2025 in Mölln. / © Michael Althaus ( KNA )

Die geplante Einführung der sogenannten "Reerdigung" als neue Bestattungsform in Schleswig-Holstein stößt bei den großen Kirchen in Norddeutschland auf Zustimmung. Sowohl das katholische Erzbistum Hamburg als auch die evangelische Nordkirche bewerten das Verfahren positiv und sehen es als mit christlichen Vorstellungen vereinbar an.

Geschlossener "Kokon", eine Kunststoffwanne, in der ein Leichnam bei der Reerdigung zu Erde zersetzt wird, am 20. November 2025 in Mölln. Reerdigung ist eine ökologische Alternative zur herkömmlichen Bestattung. / © Michael Althaus (KNA)
Geschlossener "Kokon", eine Kunststoffwanne, in der ein Leichnam bei der Reerdigung zu Erde zersetzt wird, am 20. November 2025 in Mölln. Reerdigung ist eine ökologische Alternative zur herkömmlichen Bestattung. / © Michael Althaus ( KNA )

"Wir stehen der neuen Bestattungsform grundsätzlich sehr positiv gegenüber", sagte die Vertreterin des Erzbistums bei Landtag und Landesregierung, Beate Bäumer, auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sie sei eine wirkliche Alternative zu bisherigen Bestattungsformen, so die Leiterin des Katholischen Büros Schleswig-Holstein.

Nordkirche betont Bedeutung der Friedhöfe

Nordkirchen-Bischöfin Nora Steen bezeichnete die "Reerdigung" auf KNA-Anfrage als würdige und verantwortbare Form des Abschieds. Wichtig sei, dass die entstehende Erde auf Friedhöfen beigesetzt werde. Diese seien zentrale Orte des Gedenkens und der Trauer.

Nach mehrjähriger Erprobung will Schleswig-Holstein als erstes Bundesland die "Reerdigung" dauerhaft erlauben. Einen entsprechenden Gesetzentwurf, der das Verfahren zur beschleunigten Verwesung als dritte Bestattungsart neben Erd- und Feuerbestattung einführt, will der Landtag am Freitag erstmals beraten. Nach Angaben der Landtagsverwaltung ist zunächst keine Aussprache vorgesehen. Stattdessen soll der von allen Fraktionen eingebrachte Entwurf direkt zur weiteren Beratung an den Sozialausschuss überwiesen werden. 

Pilotprojekt läuft seit 2022

Die "Reerdigung" wird seit 2022 im Rahmen eines bundesweit einzigartigen Pilotprojekts in Schleswig-Holstein erprobt. Dabei wird der Leichnam in einem geschlossenen Behälter in pflanzliches Material eingebettet und innerhalb von rund 40 Tagen zu Humus umgewandelt. Die Überreste werden anschließend auf einem Friedhof beigesetzt. Anbieter des Verfahrens ist das Berliner Unternehmen Circulum Vitae, das mit geringeren CO2-Emissionen im Vergleich zur Feuerbestattung wirbt.

Bestattungen in Deutschland

Es gibt zu den Bestattungsarten in Deutschland keine repräsentative Statistiken und Umfragen. Nach vorsichtigen Schätzungen des Bundesverbands Deutscher Bestatter liegt der Anteil von Feuerbestattungen bei etwa 58 Prozent im Jahr. Besonders nachgefragt sind Feuerbestattungen in Nord- und Ostdeutschland, aber auch in den eher katholisch geprägten Regionen nimmt der Trend zur Urne zu. Einzelne Bestatter in Norddeutschland berichten in ihrem Einzugsgebiet von einem Anteil der Feuerbestattung von über 80 Prozent. (DR/dpa)

Symbolbild: Schneebedeckter Grabstein auf einem Friedhof / © Adam J Hague (shutterstock)
Symbolbild: Schneebedeckter Grabstein auf einem Friedhof / © Adam J Hague ( shutterstock )
Quelle:
KNA