Das Gebetsanliegen des Papstes für den Mai

Der Lebensmittelverschwendung Herr werden - jeder ist gefordert

Im Mai betet der Papst "für eine Ernährung für alle". Alle sollten sich dafür einsetzen, "die Vergeudung von Lebensmitteln zu vermeiden», und jede Person sollte "Zugang zu einer qualitätsvollen Nahrung" haben.

Autor/in:
Patrick Stauß
Die Mitarbeiterinnen der Tafel arbeiten ehrenamtlich / © Fabian Strauch (dpa)
Die Mitarbeiterinnen der Tafel arbeiten ehrenamtlich / © Fabian Strauch ( dpa )

Im Januar 2019 sorgte ein Spieler des FC Bayern München für Aufmerksamkeit, als er in einem Restaurant in Dubai ein mit Blattgold überzogenes Steak verzehrte und Bilder davon über die Sozialen Medien verbreitete. Die 1.200 Euro, die das Ganze gekostet haben soll, muten aber fast schon sparsam an, wenn man sie mit einer Anekdote über Königin Kleopatra von Ägypten vergleicht: Demnach habe sie einmal gewettet, sie könne 60 Millionen Sesterzen bei einem einzigen Mahl verzehren.

Dazu habe sie eine der beiden größten Perlen der Welt aus ihrem Besitz in Essig aufgelöst und das Ganze dann getrunken. Der Tagesverdienst eines einfachen Handwerkers lag damals bei etwa einem Sesterz; es handelte sich also um eine unvorstellbare Summe.

Nun spielte in beiden - und vielen ähnlich gelagerten - Fällen der Genuss sicherlich kaum eine Rolle: Weder Blattgold noch Perlen in Essig sind schmackhafte Delikatessen. Es handelte sich um eine Demonstration von Reichtum und Erfolg, die in der Antike ebenso wie 2019 durchaus auf heftige Kritik stieß.

Symbolische Bedeutung

Beide Episoden erinnern aber daran, dass Nahrung auch eine symbolische Bedeutung hat. Das gemeinsame Essen kann Freundschaft oder das sogar Ende einer Auseinandersetzung ausdrücken. In der Schweiz wurde ein erster Waffenstillstand zwischen katholischen und protestantischen Kantonen im Jahr 1529 etwa durch den gemeinsamen Genuss einer Milchsuppe bei Kappel bekräftigt.

Bei einer Einladung möchten wir üblicherweise nicht als geizig wahrgenommen werden, und auch ein Restaurant kann es sich selten leisten, Gäste wegen einer zu kleinen Portion hungrig wegzuschicken. Selbst in Supermärkten wird häufig erwartet, dass fast bis Ladenschluss noch frisches Brot und andere Waren zur Verfügung stehen.

Dies sorgt dafür, dass in den Ländern der westlichen Welt Nahrung weggeworfen werden muss, die man aus hygienischen Gründen nicht nochmals anbieten darf. Dazu kommen verdorbene Lebensmittel im privaten Bereich, wenn man sich zu stark bevorratet hat. Zugleich ist den meisten bekannt, wie viele Menschen sich weltweit - und sogar in wohlhabenden Ländern - stark einschränken müssen, um über die Runden zu kommen.

Appell an unser eigenes Verhalten

Wenn Papst Leo in diesem Monat also zum Gebet dafür aufruft, "dass sich alle, von den großen Erzeugern bis zu den kleinen Verbrauchern, dafür einsetzen, die Vergeudung von Lebensmitteln zu vermeiden, und dass jede Person Zugang zu einer qualitätsvollen Nahrung hat", dann ist damit zweifellos auch ein Appell an das eigene Verhalten von jeder und jedem Einzelnen verbunden.

Gerade für Christinnen und Christen spielt das tägliche Brot auch im religiösen Bereich eine wichtige Rolle - sei es im Vaterunser oder im gemeinsamen Mahl, in dem sich uns Jesus selbst schenkt. Wir dürfen uns daran erinnern, dass sich der Herr selbst in unsere Hand gibt und als unser Gastgeber wirkt. Selbst bei der Speisung der Fünftausend achtet er ausdrücklich darauf, dass nichts verdirbt und das übrig gebliebene Brot gesammelt wird.

Es ist gewiss nicht immer einfach, der Verschwendung Herr zu werden. Wer etwa schon einmal eine Jugendfreizeit begleitet hat, wird sich erinnern, wie schwer man den Verbrauch beim Mittag- oder Abendessen einer größeren Gruppe zuverlässig einschätzen kann. Es soll also nicht darum gehen, Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, weil sie beispielsweise als Eltern manchmal zu viel für ihre Familie einkaufen.

Achtsamkeit im Kleinen

Wir dürfen aber versuchen, im Kleinen achtsam zu sein. Viele Sternsingergruppen haben es sich beispielsweise angewöhnt, die Fülle an Süßigkeiten, die sie geschenkt bekommen, nicht ganz unter sich aufzuteilen, sondern einen Teil an die Tafeln weiterzugeben und so anderen Kindern eine Freude zu machen. Auch in der Lebensmittelrettung engagieren sich viele Menschen. Und einige große Supermarktketten sind mittlerweile bereit, bei Ladenschluss unverkäufliche Waren an engagierte Ehrenamtliche aus diesem Bereich weiterzugeben.

Das Gebetsanliegen dieses Monats ermutigt zudem dazu, für eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes auf der Welt einzutreten. Man möchte niemandem den Genuss seines Steaks verübeln - und sei es auch mit Blattgold überzogen oder mit einer in Essig aufgelösten Perle gewürzt. Doch wenn wir im Vaterunser um das tägliche Brot beten, kann nicht nur unser persönliches Abendessen gemeint sein. Es darf auch das Lebensnotwendige für alle Menschen dieser Welt in den Blick treten.

Nahrung für alle Geschöpfe

Schon das Volk Israel feierte Gott in den Psalmen als den Herrn der Welt, "der allen Geschöpfen Nahrung gibt" (Ps 136). Dank der Mühe vieler Menschen in Landwirtschaft, Fischerei, Handwerk und Lebensmittelhandel und dank des wissenschaftlichen Fortschritts haben wir die Möglichkeit, jedem Menschen auf der Welt das zum Leben Nötige bereitzustellen. Dazu dürfen wir persönlich beitragen - im Gebet dieses Monats, im Einsatz für die Gerechtigkeit zwischen Menschen und Völkern und, wo möglich, auch in unserem Alltag.

Die Gebetsanliegen des Papstes 2026

Januar: Für das Gebet mit dem Wort Gottes

Wir beten, dass das Gebet mit dem Wort Gottes Nahrung für unser Leben und Quelle der Hoffnung in unseren Gemeinschaften sei und uns hilft, eine geschwisterlichere und missionarische Kirche aufzubauen. 

Februar: Für Kinder mit unheilbaren Krankheiten

Wir beten, dass die von unheilbaren Krankheiten betroffenen Kinder und ihre Familien die medizinische Betreuung und die notwendige Unterstützung erhalten, ohne je die Kraft und die Hoffnung zu verlieren. 

Eine Ordensschwester im Gebet (shutterstock)
Quelle:
KNA