DOMRADIO.DE: Sind Sie, Ihren Musikgeschmack betreffend, ein bisschen von Ihren Eltern beeinflusst?
Lieselotte Voß (Schauspielerin, Serienstar aus "Der Bergdoktor“): Sehr. Ich höre viel Musik durch meine Eltern, aber auch durch meine Großmutter. Ich habe auch meinen ersten Lieblingssong damals über meine Großmutter erhalten, das war "Ein Stern“ von DJ Ötzi.
DOMRADIO.DE: Sie spielen in der "Bergdoktor“-Serie eine sensible junge Frau mit dem Namen "Josie Bachmeier“, eine Frau vom Lande, die Schafe züchtet und eine chronische Krankheit erduldet. Diese wird erfolgreich vom "Bergdoktor Martin Gruber“ behandelt. "Josie" ist zudem in den Arzthelfer "David Kästner" verliebt. Der jedoch ist mit "Lilli Gruber", der Tochter des Bergdoktors, liiert und das macht das Ganze sehr kompliziert. Haben Sie manchmal Mitleid mit der "Josie", die Sie spielen?
Voß: Ich habe tatsächlich Mitleid mit ihr. Und gleichzeitig habe ich mich auch sehr für sie gefreut, weil sie ja schon davor ein sehr hartes Jahr hinter sich hatte. Und ich glaube, dieses Gefühl, schon das erste Mal so richtig verliebt zu sein, kennt jeder. Das ist so ein schönes Gefühl und ich denke, gerade wenn vielleicht auch nicht so viele unterschiedliche Menschen vor Ort sind, weil man vielleicht ländlicher wohnt und jetzt nicht in einer Großstadt wie ich, ist es doch schön zu wissen, wenn einem überhaupt jemand über den Weg läuft, in den man sich so stark verlieben kann.
DOMRADIO.DE: Sind Sie denn in diese Rolle, die der Josie, verliebt?
Voß: Natürlich. Ich liebe, dass sie sich nichts sagen lässt und immer schon eine Kämpferin war. Sie ist ja auch bei ihren Großeltern eigentlich groß geworden. Sie ist für mich eine absolute Powerfrau und ich bin sehr stolz, tatsächlich die Josie spielen zu dürfen.
DOMRADIO.DE: Wie viel "Josie" steckt in Ihnen, der Schauspielerin Lieselotte Voß?
Voß: Nicht so viel, dadurch dass wir, glaube ich, so unterschiedliche Lebensarten hatten, groß zu werden und vielleicht auch ganz aktuell gesagt: Ich bin viel unterwegs, sehe viel von der Welt und viel mehr mit unterschiedlichen Menschen. Und ich glaube, "Josie" hat immer so einen sehr gleichen Kreis gehabt. Aber was auf jeden Fall in uns beiden steckt, ist, dass wir "unser Ding durchziehen“ und uns sehr schwer von jemand anderem was sagen lassen.
Aber ich bin ein sehr sensibler und ein sehr emotionaler Mensch. Ich gehe immer nach dem Herzen, aber dementsprechend kann das natürlich auch mal verletzt werden.
DOMRADIO.DE: Die neue "Bergdoktor“-Staffel wird jetzt wieder produziert. Dafür müssen Sie von Hamburg, Ihrer Heimatstadt, immer wieder nach Elmau / Tirol reisen, denn dort ist in der Serie der "Bergdoktor“, gespielt von Hans Sigl, zuhause.
Voß: Stimmt, ich liebe meinen Job. Er ist das Schönste, was es für mich neben Familie und Freunden gibt. Ich darf das jetzt schon lange mitmachen und wünsche mir, dass ich damit niemals aufhören muss. Der Alltag ist relativ eintönig im positivsten Sinne. Ich liebe diese Routine, obschon es überhaupt keine ist, weil man ja nie weiß, wann wieder gedreht wird, wie viel man dreht und was dieses Jahr auf einen zukommt.
DOMRADIO.DE: Was verraten Ihre Wunschtitel über Sie selbst?
Voß: Ich habe versucht, eine gute Mischung zu finden zwischen Musik, die mir einfach gute Laune bereitet oder schöne Erinnerungen aufleben lässt, aber natürlich auch Musik, die mir was bedeutet.
DOMRADIO.DE: Sie sind einmal den Jakobsweg gegangen. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Voß: Das war eine unfassbar schöne Reise und eine wahnsinnig herausfordernde Reise zugleich. Etwas, das ich jedem empfehlen kann, wenn man mal so ein bisschen auf der Suche ist. Man stellt sich Fragen wie "Was ist der Sinn?" oder "Warum bin ich hier?". Du triffst auf ganz viele Gleichgesinnte, die sich auch diesen Fragen stellen und die auch einfach nur versuchen, was Schönes im Leben zu finden.
Und da geht es ja auch darum, zu pilgern. Das heißt, man hat eigentlich gar kein Geld dabei und klopft dann am Ende abends an die Pilgerstätten. Es ist ein Geben und Nehmen. Man kocht dann abends zusammen und schläft mit vielen Menschen in einem Zimmer. Das war für mich auch eine große Challenge.
DOMRADIO.DE: Da sind ja auch ganz viele gläubige Menschen dabei, die diesen Jakobsweg gehen. Was haben sie Ihnen gegeben und was haben Sie von ihnen gelernt?
Voß: Ich habe auf dem Jakobsweg viel gelernt, nämlich dass man niemals von der äußeren Wahrnehmung eine Meinung haben sollte und dass gerade die Leute, die vielleicht von außen am unzugänglichsten wirken, eine wichtige Geschichte hinter sich verstecken, die aussagt, warum sie vielleicht so sind, wie sie sind, und dass da dabei viele Überraschungen rauskommen.
Auf einmal geht man mit diesen Menschen in dieses Gespräch und vielleicht kann man sich anschließend auch selbst hinterfragen, wieso man diese Personen zuvor in eine Schublade gesteckt hatte.
Und vor allem: Man stellt sich die Frage, was man von diesen Menschen lernen kann. Am Ende saß ich da immer mit Leuten zusammen, von denen ich niemals gedacht hätte, dass wir auf einer Wellenlänge sind.
DOMRADIO.DE: Sind Sie in Santiago de Compostela angekommen?
Voß: Ja, und ich habe auch den Stempel in meinem Heft. Und der Heilige Jakob hat mich persönlich begrüßt.
DOMRADIO.DE: Als Schauspielerin, die nicht nur im "Bergdoktor“ mitspielt, sondern schon zahlreiche andere Filme drehte, führen Sie oft ein Leben aus dem Koffer. Machen Sie das gerne?
Voß: Ja und nein. Ich liebe es, zu reisen, und mir wird auch schnell langweilig. Ich habe schnell Fernweh, wenn ich zu lange nicht weg war. Und wenn ich dann aber zu Hause bin, bin ich auch eher gerne zu Hause. Ich glaube, für mich ist diese Abwechslung perfekt. Nur unterwegs zu sein - dann würde ich zu Hause vermissen. Wenn ich dann im Zug beispielsweise sitze, träume ich davon, dass ich jeden Tag so nutze, als sei er mein letzter. Und davon, dass ich niemals das Gefühl habe, ich hätte mal was anderes machen sollen.
DOMRADIO.DE: Sie kommen aus Hamburg. Was berührt Sie insbesondere in der Kommunikation mit den Menschen dort?
Voß: Es ist vielleicht nicht so einfach, wie in Köln neue Menschen kennenzulernen. Wenn man dann hier jemanden kennengelernt hat, dann zählt tatsächlich noch der Handschlag und das Wort. Das ist dieses sehr hanseatische "Mein Wort zählt“. Dann kann man sich auch auf die Leute verlassen, so wie ich es zumindest erleben darf.
DOMRADIO.DE: Durch den "Bergdoktor“ sind Sie oft im österreichischen Elmau zu Gast. Gibt es irgendetwas, was Sie aus Tirol mit nach Hamburg nehmen?
Voß: Ich werde dort oft angelächelt und auch mal gefragt, wie es mir geht. Das finde ich beeindruckend.
DOMRADIO.DE: Im Süden gibt es ja überall Holzkreuze und viele Kirchen. Was verbindet Sie mit dieser Form einer religiösen Gemütlichkeit?
Voß: Was mich damit vor allem verbindet, ist, dass ja überall diese kleinen Kapellen sind, in die man reingehen kann. Das ist ein unfassbar schönes Gefühl, weil du einfach allein spazieren oder wandern gehst. Dann hast du immer so einen Ort, an dem du dich aufgefangen fühlst, weil die Kapellen wirklich überall da sind. Sich da einfach reinsetzen und diese architektonische Kunst wahrnehmen, bei oft brennenden Kerzen in diesem Raum der Stille zu sich finden und mitten in der Natur anzukommen: Das ist wahnsinnig schön.
DOMRADIO.DE: Es hat mich überrascht, dass die beliebteste Serie im Fernsehen, namentlich „Der Bergdoktor“, von vielen unterschiedlichen Menschen aller Altersstufen gesehen wird.
Voß: Ja, das stimmt. Auch junge Menschen schauen die Serie, das war für mich tatsächlich auch überraschend positiv.
DOMRADIO.DE: Warum haben Ihnen Ihre Eltern einen klassischen Namen wie Lieselotte gegeben? Das ist selten, oder?
Voß: Tatsächlich gibt es da gar keine richtige Begründung. Meine Eltern fanden den Namen einfach superschön und fanden alte, lange Namen schön, vielleicht, weil sie beide eher kurze Namen tragen.
Das Interview führte Bernd Knopp.