DOMRADIO.DE: Man kennt Sie auf der Bühne, besonders im Karneval, immer als Künstler mit Gitarre. Wie sind Sie dazu gekommen?
Bernd Stelter (Kabarettist, Comedian, Musiker): Ich habe erst mal klassische Orgel gelernt, klassische Kirchenorgel. Ich habe auch in der Kirche öfter Orgel gespielt und mein Vater wäre sehr dafür gewesen, dass ich Organist geworden wäre.
Aber es ist leider so: Du kriegst die Orgel nicht ans Lagerfeuer. Deswegen musste dann irgendwann die Gitarre her und gerade, wenn wir an der Nord- oder Ostsee waren, saßen alle immer am Lagerfeuer. Das einzige Dumme daran war, dass die anderen immer ein Mädchen im Arm hatten und nicht eine Gitarre, so wie ich.
DOMRADIO.DE: Sie spielen sehr gut die Gitarre. Üben Sie viel?
Stelter: Nein, ich habe zu Hause ein schönes Klavier stehen und damit schreibe ich meine Melodien.
DOMRADIO.DE: Besonders bundesweit bekannt wurden Sie durch die RTL-Show "Sieben Tage, sieben Köpfe" mit Rudi Carrell. Man sah Sie jahrzehntelang im Fernsehen. Haben Sie die Häufigkeit in diesem Medium zurückgefahren?
Stelter: Ja, ich habe sie gar nicht mehr. Ich bin ab und zu in einer Talkshow oder bei einem Quiz als Gast. Aber ich habe zehn Jahre "Sieben Tage, sieben Köpfe" gemacht. Ich habe zehn Jahre "Das NRW-Duell" moderiert, und dann ist es auch mal gut.
Ich bin auch sehr dankbar dafür und empfinde auch Demut. Hätte Rudi Carrell mich damals nicht angesprochen, dann hätte ich den Bekanntheitsgrad, den ich heute habe, niemals bekommen.
Aber wenn mich Leute heute fragen, ob es nicht schade ist, dass ich "Sieben Tage, sieben Köpfe" nicht mehr mache, dann antworte ich: "Nein, das ist nicht schade." Trotzdem war es toll, dass ich das hatte.
DOMRADIO.DE: Aber Sie haben immer noch den Karneval und den geben Sie so schnell nicht auf, oder?
Stelter: Doch, ich habe damit 1988 angefangen, am 6. November 1988. Am 6. November 2028 feiere ich mein 40-jähriges Bühnenjubiläum und dann auch meinen Abschied von der Kölner Bühne.
DOMRADIO.DE: Sie sind evangelisch getauft. Denken Sie gerne an die Zeit zurück, als Sie noch Kirchenorgel spielten, und ohnehin an Ihre Kindheit?
Stelter: Ich denke gerne daran zurück. Ich habe in der Weihnachtszeit immer in den Weihnachtsgottesdiensten das Krippenspiel gemacht und ich war immer der kleine Hirte, weil der den größten Textanteil hatte.
Ich konnte vor allen Dingen sehr gut auswendig lernen. Das hat der Pastor relativ bald mitgekriegt und deswegen war ich jedes Jahr der Hirte. Und in der gleichen Kirche habe ich dann später geheiratet.
DOMRADIO.DE: Was Sie mit Künstlern wie Henning Krautmacher und Klaus Meine von den "Scorpions" beispielsweise gemeinsam haben: Sie engagieren sich immer wieder sozial. Aus Leidenschaft?
Stelter: Es ist ganz einfach. Ich denke oft, womit ich denn dieses ganze Glück verdient habe. Und da finde ich, da muss man auch mal was zurückgeben. Ich hatte mich schon sehr früh in Köln für "Kölsch Hätz" engagiert, eine wunderbare Sache.
Es gibt in Köln eine Kinderkrebsklinik, in die immer wieder Kinder zur Behandlung müssen. Deren Eltern können jetzt in einem nahegelegenen Elternhaus übernachten, damit sie bei ihrem Kind sein können.
Ich habe auch Streetworker in der Stadt Bornheim unterstützt, für die die Stadt kein Geld zur Finanzierung sozialer Projekte hatte. Zudem engagiere ich mich für die Bürgerstiftung "Unsere Kinder – unsere Zukunft".
DOMRADIO.DE: Sie haben die 60 bereits überschritten. Was macht Sie in diesem Alter glücklich?
Stelter: Man braucht im Endeffekt fünf "Ls": Das erste ist "laufen", das zweite "lernen", das dritte "lachen", das vierte "lieben", will heißen: Kümmere dich um deine Verwandten, kümmere dich um deine Familie, kümmere dich um deine Freunde. Und das fünfte: "Loslassen".
DOMRADIO.DE: Ich kenne Sie ja schon seit Jahrzehnten als einen unglaublich positiven Menschen, der Sie immer waren und sind und hoffentlich auch immer bleiben. Ist das Ihre Form von Christlichkeit?
Stelter: Ja, das ist es ganz sicher. Ich glaube, was man hinkriegen muss, ist, eine gewisse Dankbarkeit zu haben. Und ich bin dankbar für das, was ich erlebe.
Ich bin auch dankbar, wenn mal was nicht richtig klappt. Das macht nichts, das gehört alles dazu, und ich hoffe, dass es dann irgendwann gut funktioniert. Ich bin ein sehr zufriedener Mensch und ich versuche, davon auch etwas weiterzugeben.
Ab und zu bete ich dann auch, zum Beispiel, wenn ich mich abends neben meiner Frau in dieses schöne Bett lege. Dann gucke ich nach oben und sage: "Herzlichen Dank!"
DOMRADIO.DE: Was machen Sie noch alles in diesem Jahr?
Stelter: Meine Tour, sie heißt "Reg dich nicht auf. Gibt nur Falten!", weil das müssten wir Deutschen wirklich mal lernen, dass man sich nicht über jeden Mist aufregt.
Das Leben kann nämlich so viel schöner sein, wenn man einfach mal ein bisschen gelassener wird. Im nächsten Jahr gestalte ich dann wieder ein Liederprogramm. Und dann geht es mit dem Karneval irgendwann im Oktober weiter.
Das Interview führte Bernd Knopp.