Die Schuldenkrise zahlreicher Länder im Globalen Süden droht sich zu verschärfen. Hohe Energie- und Lebensmittelpreise als Folge des Iran-Kriegs werden die Staatshaushalte in vielen der hoch verschuldeten Länder weiter belasten, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Schuldenreport 2026 von Misereor und erlassjahr.de hervorgeht.
Demnach sind inzwischen 69 Länder im Globalen Süden "hoch oder sehr hoch" verschuldet, darunter Pakistan, Kenia, Libanon und Sri Lanka. Sie alle müssten im Schnitt rund 13 Prozent ihrer Staatseinnahmen für Zins- und Tilgungszahlungen an ausländische Gläubiger entrichten. In den finanziell besser gestellten Industrieländern sei diese Quote mit knapp sechs Prozent dagegen weniger als halb so hoch, hieß es. Als Folge übersteige der Schuldendienst der Entwicklungsländer in vielen Fällen die nationalen Ausgaben für Bildung und Gesundheit.
Geberländer ziehen sich zunehmend zurück
Die steigenden finanziellen Engpässe stoßen dabei auf eine sinkende Unterstützung durch Geberländer. Eine Entspannung sei deshalb nicht zu erwarten, heißt es in dem Report: "Die öffentliche Vergabe von Zuschüssen und Krediten an Länder des Globalen Südens ist zuletzt deutlich eingebrochen, auch infolge gekürzter Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit."
Einen besonders radikalen Kurswechsel hätten im Vorjahr die USA unter der Regierung von Präsident Donald Trump mit der faktischen Auflösung der Entwicklungsbehörde USAID vollzogen. Hinzu komme der Rückzug aus multilateralen Abkommen und Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Es bestehe daher die Gefahr einer weiteren Verschleppung der Schuldenkrise, mit der Folge, dass die finanzielle Abhängigkeit betroffener Länder weiter zunehme.
Experten fordern Schuldenerleichterungen
Vor diesem Hintergrund forderten Fachleute bei Misereor und erlassjahr.de eine "radikale Neugestaltung" der internationalen Schulden- und Finanzarchitektur. Dazu gehörten eine stärkere Mitbestimmung der Schuldnerländer sowie Schuldenerleichterungen, um den betroffenen Staaten wieder mehr Spielraum zu geben. Die Industrieländer blockierten das bisher.
Aktuell müssen laut dem Report afrikanische Länder am internationalen Markt im Schnitt rund dreieinhalbmal so hohe Zinsen wie die USA zahlen. Auch sei in den Ländern mit einer sehr hohen Last an Auslandsschulden der Anteil von Menschen in extremer Armut mit rund 18 Prozent fast doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt, hieß es.
Der Schuldenreport wird jährlich vom katholischen Hilfswerk Misereor und dem Bündnis erlassjahr.de herausgegeben. Dieses wird von 500 Organisationen aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft getragen und ist eingebunden in ein weltweites Netzwerk nationaler und regionaler Entschuldungsinitiativen.