Kaffeepreis deckt laut Hilfswerk Misereor wahre Kosten nicht

Missstände beim Anbau

Jedes Kilo Rohkaffee müsste laut Misereor rund acht Euro teurer sein, um ökologische und soziale Schäden abzufedern. Denn beim Kaffeeanbau entstünden erhebliche externe Kosten, die über den Einkaufspreis nicht abgedeckt würden.

Kaffeebohnen in der Hand / © M. Rinandar Tasya (shutterstock)
Kaffeebohnen in der Hand / © M. Rinandar Tasya ( shutterstock )

Das erklärte das katholische Hilfswerk zur Vorstellung einer Studie dazu am Mittwoch auf der Bio-Messe "Biofach" in Nürnberg.

Die Umweltfolgekosten betrügen im Durchschnitt rund 7,20 US-Dollar pro Kilogramm Rohkaffee und entstünden vor allem durch Treibhausgasemissionen, Belastungen von Böden und Gewässern sowie Gesundheitsrisiken in der Produktion, lautet das Fazit der Untersuchung in Uganda und Honduras. 

Hinzu kämen soziale Folgekosten zwischen 0,45 und 1,60 US-Dollar pro Kilogramm. Das umfasse insbesondere niedrige Einkommen, unsichere Arbeitsbedingungen sowie Defizite bei Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Absicherung. Viele Kaffeebäuerinnen und -bauern erzielen dadurch trotz harter Arbeit kein existenzsicherndes Einkommen.

Appell an Unternehmen und Politik

Deutsche Unternehmen müssen sich stärker für die Beseitigung von Missständen im Kaffeeanbau einsetzen, fordert Misereor. Zur Deckung der "wahren Kosten" sei es dabei keine akzeptable und realistische Lösung, wenn diese über erhöhte Preise von den Konsumentinnen und Konsumenten getragen würden, erklärte Misereor-Referent Wilfried Wunden. 

Stattdessen wird in der Studie vorgeschlagen, dass Firmen Rückstellungen für die versteckten Kosten erstellen und faire Produktionsbedingungen von Anfang an in ihren Kalkulationen berücksichtigen.

Arbeiter erntet Kaffee / © freedomnaruk (shutterstock)

Auf politischer Ebene könnten mehr Transparenz- und Berichtspflichten dazu beitragen, nachhaltige Produktionsweisen zu
fördern und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, heißt es in der Studie. Langfristig könnte das bewirken, dass nicht-nachhaltige Produkte teurer und nachhaltige Alternativen relativ günstiger würden. 

Die Studie der Technischen Hochschule Nürnberg entstand im Rahmen des Projekts "True Cost Alliance", in dem Misereor gemeinsam mit der Denkfabrik TMG Think Tank for Sustainability und der Technischen Hochschule Nürnberg an Methoden zur Erfassung der Kosten in Ernährungssystemen arbeitet.

Bischöfliches Hilfswerk Misereor

Misereor ist das weltweit größte kirchliche Entwicklungshilfswerk. Es wurde 1958 von den katholischen Bischöfen in Deutschland auf Vorschlag des damaligen Kölner Kardinals Josef Frings als Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt gegründet.

Der Name bezieht sich auf das im Markus-Evangelium überlieferte Jesuswort "Misereor super turbam" (Ich erbarme mich des Volkes). Sitz des Hilfswerks ist Aachen.

Logo des Bischöflichen Hilfswerks Misereor (MISEREOR)
Logo des Bischöflichen Hilfswerks Misereor / ( MISEREOR )
Quelle:
epd