Neben Dönervideo gehen noch mehr Ordensleute in Sozialen Medien viral

Klosterleben in 30 Sekunden

Was einst hinter hohen Mauern lag, ist jetzt vielfach online sichtbar. Ordensfrauen erreichen tausende Follower mit Einblicken in ihren Alltag. Ein Blick auf Ordensleute in den Sozialen Medien und ihre Veröffentlichungen.

Autor/in:
Lisa Maria Plesker und Mario Trifunovic
Ordensschwester mit Smartphone auf dem Petersplatz / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Ordensschwester mit Smartphone auf dem Petersplatz / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Sieben Millionen Klicks in drei Tagen: Die 92-jährige Ordensschwester Irmingard isst ihren allerersten Döner und wird zum Social-Media-Hit. Ihre junge Mitschwester Clarita (28) aus dem Kloster Arenberg in Rheinland-Pfalz hatte den Stopp der acht Schwestern im Mülheim-Kärlicher Döner-Imbiss gefilmt. 

Vor ihrem Eintritt ins Kloster 2022 hätte sich Schwester Clarita gewünscht, dass ihr jemand über soziale Medien Einblicke ins Ordensleben gegeben hätte. Das Engagement der jungen Ordensschwester hat Erfolg: Die Arenberger Dominikanerin hat 19,9 Tausend Follower bei Instagram. 

Von ihren in Koblenz lebenden Mitschwestern betreibt auch Ursula Hertewich einen Instagram-Account mit knapp 5.000 Followern. Ergänzend folgen dem Account @arenberger.dominikanerinnen 14,7 Tausend User. Schwester Kerstin-Marie Berretz hat mit gut 2.000 Followern noch Luft nach oben. Doch das Interesse an den Arenberger Dominikanerinnen bei Instagram ist insgesamt groß: Schwester Gloria, die gerade ihre erste Profess hinter sich hat, hat zwar erst einen Beitrag gepostet, aber schon 1.200 Follower. 

Ordensleute mit Zivilberuf 

Auch andere Ordensleute sind in sozialen Medien aktiv – allen voran die über Instagram berühmt gewordenen, betagten österreichischen Klosterbesetzer-Nonnen aus Goldenstein. Die inzwischen 261.000 Follower ihres ursprünglichen Accounts toppt in Sachen Aufmerksamkeit aus aller Welt so leicht niemand. 

Doch auch der Autor und Kapuziner-Bruder Paulus Terwitte hat mehr als 10.000 Follower in sozialen Medien, denen er geistliche Impulse anbietet. Und Pater Gabriel Markus Wolf gibt bei Instagram 10.000 Followern Einblicke in seine Arbeit als Seelsorger bei der Bundespolizei. 

Bruder Paulus Terwitte / © Bert Bostelmann (KNA)
Bruder Paulus Terwitte / © Bert Bostelmann ( KNA )

Dem in Berlin lebenden Journalisten und Dominikaner Pater Max Cappabianca folgen in sozialen Medien rund 6.000 Menschen. Er präsentiert dort Ausschnitte seiner journalistischen Arbeit und gibt Impulse. 

Persönliche Impulse gibt auch die Sießener Franziskanerin Marie-Pasquale Reuver aus dem oberschwäbischen Bad Saulgau. Sie erzählt von ihren "inneren Wölfen und Lämmern", von ihren Fragen und Zweifeln, spricht über Missbrauch in der Kirche, die Problematik wortwörtlicher Bibelauslegung, Frauenrechte und ihre Anstrengungen, ihren "Gott-Muskel" zu trainieren. 

Auch Schwester Sophia gibt Einblick in ihren Alltag als Ordensfrau. Sie steht vor ihrem ersten Jura-Staatsexamen. Wie sie das alles meistert und was das Klosterleben mit ihr macht, hatte sie kürzlich in einem Beitrag geschildert: "Oftmals fühlt es sich zu groß an, einen akademischen Weg zu gehen. Für wen die Anstrengung und der Stress? Aber dann kommt die leise Erinnerung des Nicht-Alleine-Lebens." 

Politische Statements und Wallfahrt 

Ihre Namensvetterin Schwester Sophia ist eine Sießener Franziskanerin in Berlin-Kreuzberg. Den über 5.000 Followern ist sie bekannt als Ordensfrau in Turnschuhen. Den Inhalt beschreibt sie zwar locker mit "Kaffee, Katzen und Kontemplation", doch ihre Beiträge geben preis, dass sie gerne auch politische Statements abgibt: zum Beispiel für Demokratie und gegen Rechts. 

Schwester Ida dürfte demnächst auch die 5.000er-Marke erreicht haben. Sie ist Ordensfrau der österreichischen Franziskanerinnen in Vöcklabruck und arbeitet bei Quartier 16, einem Haus für Frauen in schwierigen Berufs-, Beziehungs- und Lebenssituationen. 

Auch Bruder Antonius Joos von den Barmherzigen Brüdern von Maria-Hilf in Trier zeigt Interessierten das Ordensleben: Er präsentiert Eindrücke von der Wallfahrt der Brüder nach Assisi, berichtet über Einkleidungen und Todesfälle und bietet Interpretationen zu kirchlichen Festtagen. 

Ordensleben an besonderen Orten 

Der deutsche Abt der Jerusalemer Benediktiner-Abtei Dormitio, Nikodemus Schnabel, gibt rund 13.000 Heilig-Land-Fans bei Instagram und Facebook Einblicke in seinen konfliktreichen Alltag in Israel und auf Reisen. 

Abt Nikodemus Schnabel / © Harald Oppitz (KNA)
Abt Nikodemus Schnabel / © Harald Oppitz ( KNA )

Der in Leipzig lebende Dominikaner-Pater Simon Hacker ist Kaplan an der katholischen Leipziger Propsteikirche. An seinem Wirken beim Reformprozess Synodaler Weg der Kirche in Deutschland lässt er seine Follower bei Instagram und Facebook genauso teilhaben wie an seinem persönlichen Werdegang. Er berichtet über Urlauberseelsorge auf Rügen, Exerzitien als Rückzug aus dem Alltag und Seelsorge beim Wave-Gotik-Treffen zu Pfingsten. 

Social Media/Soziale Medien

Der Begriff Social Media beschreibt Webseiten und Apps, über die Nutzer Inhalte kreieren sowie teilen und sich vernetzen können. Zentrales Merkmal von Social Media ist die Interaktivität. Soziale Interaktion zwischen Nutzern sowie kollaboratives Schreiben prägen den Online-Dialog, die sogenannte Many-to-many-Kommunikation. Nutzer erstellen Inhalte (User Generated Content), über die ein permanenter, zeitlich unbegrenzter Austausch mit anderen stattfindet.

Symbolbild: Jugendlicher mit Handy / © Angelika Warmuth (dpa)
Symbolbild: Jugendlicher mit Handy / © Angelika Warmuth ( dpa )
Quelle:
KNA