Bei Klimakonferenz in Kolumbien geht es für Kirche um Frage der Moral

Diskussion über Energiewende

Auf einer Klimakonferenz in Kolumbien erklärt die katholische Kirche den Ausstieg aus fossilen Energieträgern auch zu einer ethischen Frage. Fracking in Mexiko und neue Erdöl-Förderung in Brasilien sind trotzdem geplant.

Autor/in:
Tobias Käufer
Bau einer Gaspipeline / © Maksim Safaniuk (shutterstock)
Bau einer Gaspipeline / © Maksim Safaniuk ( shutterstock )

Der Appell ist eindeutig: "Sind wir zu einem Wandel fähig?", fragt Erzbischof José Domingo Ulloa aus Panama-Stadt bei der Klimakonferenz in Kolumbien. Weil Ulloa auch Vizepräsident des lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM ist, hat sein Wort besonderes Gewicht. Noch bis Mittwoch wird in Santa Marta über Alternativen zu fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas sowie über Abhängigkeiten von diesen Energieträgern diskutiert.

Jose Domingo Ulloa Mendieta, Erzbischof von Panama-Stadt / © Gennari/Siciliani (KNA)
Jose Domingo Ulloa Mendieta, Erzbischof von Panama-Stadt / © Gennari/Siciliani ( KNA )

"Ich spreche im Namen einer Kirche, die das Leid nicht aus der Ferne beobachtet, sondern es begleitet, es berührt, es beweint, und deshalb kann sie nicht schweigen", sagte Ulloa. Es gelte, die Schöpfung nicht als eine Ressource zu betrachten, die ausgebeutet werden könne, sondern als ein Geschenk, das es zu bewahren gelte. Wer sich als gläubig bezeichne, müsse verstehen, dass es sich auch um eine moralische und spirituelle Krise handle.

Das sehen zumindest in Lateinamerika die Regierungen teils anders. Gerade erst kippte Mexikos linkspopulistische Präsidentin Claudia Sheinbaum die bisherige kritische Haltung zum Thema Fracking: Es gebe neue, umweltschonende Technologien, mit denen Gas gefördert werden könne. Länder wie Mexiko treibt die Suche nach einer Energieunabhängigkeit an, nachdem die jüngsten geopolitischen Entwicklungen die Verletzbarkeit von Handelsrouten und Lieferketten offenbarten.

Uneins über die Chancen der Fossilen

Argentinien und Brasilien wiederum sehen darin auch eine große Entwicklungschance. Der brasilianische Ölkonzern Petrobras treibt mit Rückendeckung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva die Vorbereitungen für die Ölförderung im ökologisch sensiblen Amazonas-Mündungsbecken voran.

Die ist laut Angaben des brasilianischen Instituts Humanitas Unisinos allerdings umgerechnet fast zehn Milliarden Euro teurer als Investitionen in erneuerbare Energien. Basis dieser Schätzung ist eine Untersuchung der Umweltschutzorganisation WWF Brasilien. Sie sieht das wirtschaftliche Argument zugunsten fossiler Energien widerlegt.

Fracking birgt Risiken für die Natur / © Jim Lo Scalzo/EPA (dpa)
Fracking birgt Risiken für die Natur / © Jim Lo Scalzo/EPA ( dpa )

Petrobras meldete zuletzt große Gasfunde vor Kolumbien, dem Land, dessen Regierung zumindest offiziell und im aktuellen Wahlkampf für einen radikalen Ausstieg aus Öl und Gas plädiert. Ob das auch noch nach der Wahl in diesem Jahr gilt, bleibt abzuwarten. Zudem will Petrobras wie europäische Unternehmen an einem Wiederaufstieg Venezuelas, der ölreichsten Nation der Welt, teilhaben.

Argentinien setzt auf Öl und Gas

Argentinien wiederum will seinen Staatshaushalt mit einem massiven Ausbau von Öl und Gas sanieren. Die Kammer der Erdöl- und Erdgasproduzenten (CEPH) geht von einem Energiebilanzüberschuss bei einer steigenden Nachfrage nach argentinischem Gas von bis zu jährlich zehn Milliarden US-Dollar (8,5 Milliarden Euro) aus.

Jüngst schloss ein deutsches Unternehmen eine Absichtserklärung über die langfristige Lieferung von Gas nach Deutschland. Der Energiesektor könnte damit sogar den lange führenden Agrarsektor als wichtigsten Devisenbringer überholen und die argentinische Staatskasse enorm entlasten. Die CEPH sieht bis Ende 2035 ein Potenzial von Einnahmen in Höhe von bis zu 48 Milliarden US-Dollar (rund 41 Milliarden Euro).

Krise trifft die Ärmsten

Zurück nach Santa Marta, wo derzeit vor allem die Folgen der aktuellen Energiekrise im Mittelpunkt stehen. "Der Krieg im Iran zeigt uns deutlich, wie abhängig die Welt von fossilen Energieträgern ist und wie gefährlich diese Abhängigkeit ist. Die Sperrung der Straße von Hormus gefährdet viele afrikanische Staaten in ihrer Ernährungssicherheit, da sie höhere Dünger-, Energie- und Transportkosten stemmen müssen", sagt Sabine Minninger, Klimaexpertin der Hilfsorganisation Brot für die Welt.

Sabine Minninger (Brot für die Welt)

Aber auch in Lateinamerika sind ärmere Länder betroffen. In Haiti wird die ohnehin schon schwere Ernährungskrise durch die hohen Spritpreise noch einmal verschärft, in Honduras warnen Experten vor einem Anstieg der Ernährungsunsicherheit. Minninger fordert daher internationale Gelder für die betroffenen ärmeren Staaten: "Eine angemessene Klimafinanzierung für die ärmsten Staaten kann dabei helfen, die Erschließung erneuerbarer Energien voranzubringen."

Klima- und Umweltschutz in der Kirche

Die Deutsche Bischofskonferenz beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit ökologischen Fragen. Papst Franziskus’ Enzyklika Laudato si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus hat im Jahr 2015 dem christlichen Auftrag zur Schöpfungsverantwortung auf weltkirchlicher Ebene Aufmerksamkeit verschafft. Daran anschließend hat der Papst im Februar 2020 mit dem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Querida Amazonia die Themen der Enzyklika am Beispiel Amazoniens konkretisiert.

Symbolbild Biodiversität, Biene, Artenvielfalt. Natur / © Kateryna Ovcharenko (shutterstock)
Symbolbild Biodiversität, Biene, Artenvielfalt. Natur / © Kateryna Ovcharenko ( shutterstock )

 

Quelle:
KNA