Eine Warnung vor der AfD, Kritik am Papst, eine Missbilligung von Bischofsseite – bei der Mitgliederversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern sind am Wochenende deutliche Worte gefallen. Das höchste katholische Laiengremium im Freistaat tagte am Freitag und Samstag in Augsburg zum Thema 75 Jahre Landeskomitee – "Wie geht Kirche im säkularen Staat?".
Als Festredner monierte der ehemalige ZDF-Chefredakteur und Katholik Peter Frey die jüngste Kritik von Papst Leo XIV. an der Erlaubnis von förmlichen Segnungen für nicht kirchlich verheiratete Paare in deutschen Bistümern. Er sei irritiert, so Frey, der fast 20 Jahre lang Mitglied im Laien-Dachverband Zentralkomitee der deutschen Katholiken war. Der Papst habe Homosexuelle in einem Atemzug mit anderen Personen in "irregulären Situationen" genannt, offenbar Geschiedene und Wiederverheiratete. "Ich finde, er tut damit vielen Unrecht."
Frey fügte hinzu: "Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in homosexuellen Partnerschaften leben, den Segen zu verweigern, sie mit anderen verbal zu diskriminieren, steht für mich nicht im Einklang mit der Botschaft von einem Gott, der alle so liebt, wie er sie geschaffen hat."
Tipp, um Vertrauen wiederzugewinnen
Der Publizist erklärte zudem unter Verweis auf Abtreibung und Sterbehilfe: "Der Einsatz der Kirche für den Wert des Lebens zeigt sich nicht nur am Anfang und am Ende." Dieser Einsatz müsse auch andere Lebensphasen bedenken. Dabei gehe es etwa um Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, Klimagerechtigkeit sowie genossenschaftliches Bauen und Wohnen.
Frey betonte: "Politische Ideen im Dienst der Menschen in die Debatte einzubringen, gemeinsam mit Bündnispartnern aus allen Teilen der Gesellschaft, das wäre auch ein Weg, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen."
Der Vorsitzende des Landeskomitees, Christian Gärtner, äußerte scharfe Kritik an der AfD: Die Partei sei "brutal kirchen- und christentumsfeindlich". Sie brauche das Christentum nur als einen "aufgeblasenen Ballon", nach dem Motto: "Wir verteidigen das christliche Abendland".
Angriff auf Kirchensteuer
Wenn es aber konkret werde, werde die Kirche als "Regenbogen-Kirche" diffamiert, ergänzte Gärtner. Auch gebe es aus der Partei Bestrebungen, die Kirchensteuer und Staatsleistungen für die Kirche abzuschaffen. "Und da müssen wir aufpassen."
Nach den bayerischen Kommunalwahlen vom März säßen in den Gremien deutlich mehr AfD-Abgeordnete als zuvor, fügte Gärtner hinzu. Ihn treibe die Sorge um, wie dort künftig Debatten liefen. "Wir wollen die Leute fitmachen, wie sie damit umgehen können." Das Landeskomitee werde dazu verstärkt mit dem Kompetenzzentrum Demokratie und Menschenwürde der Katholischen Kirche Bayern zusammenarbeiten.
Klerikalismus "ein Armutszeugnis"
Der Augsburger Bischof Bertram Meier geißelte Klerikalismus in der Kirche. Dieses Phänomen, also eine autoritär-überlegene Position von Geistlichen gegenüber Laien, nannte Meier "ein Armutszeugnis". Klerikalismus biete keine zukunftsfähige Vision für die Kirche. "Ich bin dankbar, dass wir die Synodalität in der Kirche neu entdecken und immer konsequenter praktizieren", so Meier. "In diese Richtung müssen wir weitermachen!" Das Landeskomitee sei unverzichtbar.
Ähnlich äußerte sich der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Er sandte der Versammlung ein Grußwort per Video. Er sei dankbar für das Landeskomitee, das die Präsenz der Kirche stärke, sagte der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, des Zusammenschlusses der bayerischen Bischöfe.