Patriarch Rai fordert diplomatische Lösung für Israel-Konflikt

"Wir haben genug von Zerstörung und Kriegen"

Wenn der Libanon mit Israel verhandelt, geschieht das zu seinem Schutz. Diese Ansicht des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun erhält Unterstützung vom führenden Christen im Land, Patriarch und Kardinal Bechara Rai.

Libanon, Beirut: Rauchschwaden ragen aus dem zerstörten Gebäude der Vereinigung Al-Kard Al-Hassan, Finanzinstitut und eine Art Bank der pro-iranischen Hisbollah, nachdem es Ziel eines israelischen Luftangriffs war / © Marwan Naamani (dpa)
Libanon, Beirut: Rauchschwaden ragen aus dem zerstörten Gebäude der Vereinigung Al-Kard Al-Hassan, Finanzinstitut und eine Art Bank der pro-iranischen Hisbollah, nachdem es Ziel eines israelischen Luftangriffs war / © Marwan Naamani ( dpa )

Die Verhandlungen des Libanon mit Israel über eine Verlängerung der Waffenruhe sind nach Worten des maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Rai kein Zugeständnis, sondern eine Notwendigkeit. Er stärkte bei einem Besuch im Präsidentenpalast dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun den Rücken.

Dieser hatte laut Berichten am Donnerstag betont, dass Verhandlungen mit Israel "kein Zeichen von Schwäche" seien, sondern ein Schritt zum Schutz der Rechte, der Souveränität und territorialen Integrität des Libanon. Rai erklärte die Diplomatie zum einzigen gangbaren Weg in dem Konflikt. "Wir haben genug von Zerstörung und Kriegen"; Verhandlungen basierten darauf, "die Würde und die Rechte aller Libanesen zu wahren", so Rai.

Keine konfessionelle Frage

Das Oberhaupt der größten christlichen Konfession im Libanon betonte, der Präsident spreche nicht als maronitischer Christ, sondern im Namen aller Libanesen. Der Staat sei die einzige Autorität für das libanesische Volk und die Waffen der libanesischen Armee die einzigen legitimen Waffen im Land, so Rai.

Im Blick auf die weiterhin unter israelischer Kontrolle stehenden Gebiete im Südlibanon forderte das Kirchenoberhaupt eine Öffnung humanitärer Korridore, um alle Bedürftigen zu erreichen. - Der Libanon hatte vor einer zweiten Gesprächsrunde zwischen den Kriegsparteien in Washington angekündigt, eine mehrmonatige Waffenruhe mit Israel anzustreben.

Libanon

Der Libanon ist geprägt durch das Nebeneinander zahlreicher Religionen. Mit etwa 30 Prozent hat die parlamentarische Demokratie den größten Anteil Christen in der Arabischen Welt. Die Muslime - Sunniten und Schiiten - machen inzwischen wohl mehr als 60 Prozent aus. Offiziell anerkannt sind 18 Religionsgemeinschaften, darunter die Minderheiten der Drusen und Alaviten.

Symbolbild: Flagge des Libanon / © Yulia Grigoryeva (shutterstock)
Symbolbild: Flagge des Libanon / © Yulia Grigoryeva ( shutterstock )
Quelle:
KNA