Kardinal Marx klärt über Finanzstatus des Vatikans auf

Keine existenzielle Finanzkrise

Der Vatikan steht keineswegs vor unlösbaren finanziellen Problemen, beteuert Kardinal Reinhard Marx. Er ist Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrats. Und hat Ideen, was bei den Vatikanfinanzen verbessert werden könnte.

Via della conciliazione im Vatikan / © J. Photos (shutterstock)
Via della conciliazione im Vatikan / © J. Photos ( shutterstock )

Der Münchner Kardinal Marx hält die finanziellen Probleme des Heiligen Stuhls für lösbar. Im Interview mit der Zeitschrift "Herder Korrespondenz" sagte er, die Gewinne der Vatikanbank und des Vatikanstaats könnten eingesetzt werden, "um beim Heiligen Stuhl verlässlich in den schwarzen Zahlen zu bleiben".

Kardinal Reinhard Marx / © Julia Steinbrecht (KNA)
Kardinal Reinhard Marx / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Der Heilige Stuhl ist die zentrale Leitung der katholischen Weltkirche und hat als Träger des Kurien-Personals, des teuren diplomatischen Dienstes und der ebenfalls kostspieligen Vatikanmedien jährlich hohe Ausgaben. Ohne Überweisungen aus den Gewinnen der Vatikanbank und des Vatikanstaats, zu dem auch die Vatikanischen
Museen gehören, wäre er nicht überlebensfähig. Die weltweite jährliche Kollekte des Peterspfennigs reicht nicht aus, um diese Kosten zu finanzieren.

"Keine existenzielle Finanzkrise"

Laut Marx bleibt trotz der Querfinanzierung aus den Gewinnen von Vatikanbank und Vatikanstaat die Finanzierung des Pensionsfonds der Angestellten ein Problem. Dies sei "wie bei fast allen Institutionen weltweit".

Von einer existenziellen Finanzkrise könne jedoch keine Rede sein. Marx beklagte in diesem Zusammenhang, dass es beim Heiligen Stuhl und im Vatikan mehrere Wirtschaftseinheiten gibt, die je eigene Bilanzen vorlegen und getrennt kommunizieren. "Das muss besser werden", sagte der Kardinal, der seit 2014 den Wirtschaftsrat für den Vatikan und den Heiligen Stuhl leitet.

Mehr Fundraising?

Der Kardinal verwies zudem auf Pläne, eine eigene vatikanische Fundraising-Abteilung zu gründen. "Das halte ich auch für richtig", sagte Marx. Das Marx-Interview ist im neuen Sonderheft der Herder-Korrespondenz "Papst Leo XIV. und die Zukunft des Papstamts" veröffentlicht. 

Experten beleuchten darin die Persönlichkeit und die ersten Entscheidungen von Leo XIV., fragen nach politischen und theologischen Zielen oder nach seinem Programm im Gespräch mit Judentum und Islam. Beiträge befassen sich auch mit päpstlichem Stil und Inszenierung oder mit der Musik der Päpste.

Vatikanbank

Als "Vatikanbank" wird landläufig das "Institut für die religiösen Werke" (Istituto per le Opere di Religione, IOR) bezeichnet. Das IOR ist jedoch nur im eingeschränkten Sinne eine Bank. Einige bankentypische Dienstleistungen wie die Vergabe von Krediten bietet es nicht an. Hauptzweck des 1942 gegründeten Instituts ist laut Statuten die Verwaltung von Kapital, dessen Erträge "für Werke der Kirche und für christliche Wohltätigkeit in allen Teilen der Welt bestimmt sind".

Hauptsitz der Vatikanbank  / © Romano Siciliani (KNA)
Hauptsitz der Vatikanbank / © Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA