Das Onlineportal kleinanzeigen.de hat die Anzeige zum Verkauf der barocken Crucis-Kirche in der Erfurter Altstadt ohne Rücksprache mit der Pfarrei gelöscht. "Als Begründung teilte uns die Plattform danach mit, die Anzeige sei 'von anderen Nutzern mit dem Hinweis auf einen gewerblichen Hintergrund' gemeldet worden. Wir halten diese Einschätzung für unzutreffend und haben Beschwerde eingelegt", sagte Sebastian Ulbrich vom Kirchenvorstand der Sankt-Laurentius-Pfarrei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch.
Demnach entfernte kleinanzeigen.de die Anzeige am Dienstagnachmittag. Die Anzeige, die seit dem 19. Februar online war, hatte größeres mediales Interesse ausgelöst. Laut Ulbrich hatte sie rund 10.000 Menschen aufgerufen, 490 davon hätten zudem die Merk-Funktion genutzt. Inzwischen seien mehrere Dutzend Angebote mit Nutzungsvorschlägen aus ganz Deutschland eingegangen.
"Es ist unglaublich schön, die ganzen Ideen und die unternehmerische Weite zu sehen", so der Kirchenvorstand. Kein kurzfristiger Verkauf Als Verhandlungsbasis waren in der Anzeige knapp 100.000 Euro genannt. Zugleich war die Annonce ausdrücklich als Einladung zur Kontaktaufnahme und Ideensuche formuliert, nicht als kurzfristige Verkaufsentscheidung.
Neben einem Verkauf seien auch Erbpachtmodelle oder andere langfristige Lösungen vorstellbar. Ulbrich betonte, als Körperschaft öffentlichen Rechts verfolge die Pfarrei mit der Anzeige keine gewerblichen Zwecke.
Die Crucis-Kirche gehört zu den bedeutendsten Barockkirchen in Erfurt. Sie wurde 1735 geweiht, ihre baulichen Ursprünge reichen ins 12. Jahrhundert zurück. Sie verfügt über eine vollständig erhaltene, aufwendige barocke Innenausstattung sowie eine historische Volckland-Orgel aus dem frühen 18. Jahrhundert. Grund der Anzeige ist ein Umstrukturierungsprozess in der Pfarrei; im Zuge dessen sollen den Angaben zufolge vier der sieben zugehörigen Kirchen entweder geschlossen oder umgenutzt werden.