Erfurter Pfarrei bietet Crucis-Kirche im Internet zum Verkauf an

"Wir haben schon viele neue Ideen"

Kinderkleidung, Kaffeemaschinen, Hochdruckreiniger und nun auch eine Kirche. Auf Kleinanzeigen.de bietet die Erfurter Innenstadtpfarrei die Crucis-Kirche zum Verkauf an, damit auch Interessenten außerhalb der Kirche erreicht werden.

Autor/in:
Carsten Döpp
St.-Crucis-Kirche in Erfurt / © Paul-Philipp Braun für St. Laurentius Erfurt
St.-Crucis-Kirche in Erfurt / © Paul-Philipp Braun für St. Laurentius Erfurt

DOMRADIO.DE: Warum gehen Sie diesen ungewöhnlichen Weg?

Claudia Meindl (Kirchenvorstand Pfarrei St. Laurentius Erfurt): In der Pfarrei St. Laurentius sind wir seit zwei Jahren in einem Konzentrationsprozess. Ende diesen Kirchenjahres werden wir vier von unseren sieben Kirchen für die Gemeindenutzung schließen und suchen nach neuen Nutzungen. 

Für drei Kirchen haben wir seit Anfang dieses Jahres bereits Nutzungsmöglichkeiten, mit denen wir gut verhandeln können. Für die St.-Crucis-Kirche leider nicht. So ist die Idee entstanden, dass wir den Interessentenkreis und die Möglichkeiten, mehr Ideen zu bekommen, erweitern. 

Wir wollten vor allem über die lokalen und kirchlichen Netzwerke herausgehen, damit auch Personen außerhalb dieser Communitys einbezogen werden. So ist die Idee entstanden, die Kirche auf Kleinanzeigen zu stellen. Wir wollen Interesse wecken. Wir wollen Ideen sammeln und Möglichkeiten ausloten. Was könnte mit so einer Kirche an guter Nutzung weiter passieren?

Claudia Meindl

"Die Kosten werden davon abhängig sein, was am Ende die Nutzung ist, wer der Träger ist und wie wir das rechtlich ausgestalten."

DOMRADIO.DE: Was soll die Kirche kosten?

Meindl: Wir haben keinen definierten Preis. Wir haben zwar auf Kleinanzeigen "auf Verhandlungsbasis" stehen, aber das ist systembedingt. Es ist eine Formalie und kein echter Betrag. Die Kosten werden davon abhängig sein, was am Ende die Nutzung ist, wer der Träger ist und wie wir das rechtlich ausgestalten. Es geht darum, ob wir verkaufen, es eine Erbpacht oder ein langfristiger Pachtvertrag ist. 

Wir haben das auch bei den anderen drei Kirchen erst mal so gemacht, dass wir ausgelotet haben, was das Konzept ist und wer das Ganze als Träger übernehmen wird. Dann haben wir darüber gesprochen, wie die finanzielle Gestaltung aussehen könnte. Wir müssen einfach gucken, was auf uns zukommt.

DOMRADIO.DE: Was zeichnet die Crucis-Kirche in der Erfurter Innenstadt aus?

Meindl: Das ist eine besondere Kirche. Dort gibt es seit etwa 850 Jahren kirchliches Leben. Die Kirche in der jetzigen Form ist im Barock gebaut worden. Sie ist die einzig vollständig erhaltene Barockkirche Erfurts. Sie ist damals von den Augustinerinnen erbaut worden. 

Die Orgel der Kirche ist besonders. Es ist eine Volckland-Orgel. Sie ist eine original erhaltene Barockorgel, die in Mitteldeutschland ihresgleichen sucht. Wir haben dort auch viele Konzerte und Musikwettbewerbe veranstaltet. Die Ausbildung für Kirchenmusik hat dort auch stattgefunden.

Volckland-Orgel der St.-Crucis-Kirche in Erfurt / © Paul-Philipp Braun für St. Laurentius Erfurt
Volckland-Orgel der St.-Crucis-Kirche in Erfurt / © Paul-Philipp Braun für St. Laurentius Erfurt

Am Ende ist sie am Rande der Altstadt noch gut gelegen, mit ÖPNV-Anschluss und in direkter Nähe zu einigen anderen Kulturveranstaltungsorten.

DOMRADIO.DE: Haben Sie schon Rückmeldungen erhalten?

Meindl: Wir haben schon eine ganze Menge Rückmeldungen bekommen und das geht auch noch weiter. Bis Ende April wird wahrscheinlich noch einiges eintrudeln, denke ich. Es sind eine ganze Bandbreite von Interessenten und Angeboten dabei. Wir haben auch schon viele neue Ideen bekommen, bei denen wir sagen: Mit so etwas können wir gut arbeiten.

Das Interview führte Carsten Döpp.

Bistum Erfurt

Das katholische Bistum Erfurt erstreckt sich über den größten Teil Thüringens. Ihm gehören rund 127.000 Katholiken in 33 Pfarreien an, das sind gut sechs Prozent der Bevölkerung. Stark katholisch geprägt ist nur das Eichsfeld im Nordwesten des Freistaats.

Ein erstes Bistum Erfurt gründete der Heilige Bonifatius im Jahre 742. Es bestand nur wenige Jahre, danach kam das Gebiet für rund 1.000 Jahre zum Erzbistum Mainz. 

Der Erfurter Domplatz am Mariendom und der Severikirche / © Martin Schutt (dpa)
Der Erfurter Domplatz am Mariendom und der Severikirche / © Martin Schutt ( dpa )
Quelle:
DR

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