Ein Jahr nach dem Tod von Papst Franziskus erinnert sein langjähriger Pfleger Massimiliano Strappetti an einen mutigen, humorvollen Menschen. "Ich gehe oft zu seinem Grab, bringe ihm eine weiße Rose und erzähle ihm einen unserer Witze. Vielleicht lacht er ja", sagte Strappetti der Zeitung "Corriere della Sera". "Er war wie ein zweiter Vater für mich, und ich vermisse ihn immer noch sehr."
Franziskus, 1937 in Buenos Aires als Jorge Mario Bergoglio geboren, starb am 21. April 2025 mit 88 Jahren im Vatikan an einem Schlaganfall. Am Dienstagabend findet an seinem Grab in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore ein Gedenkgottesdienst statt.
Freudenträne des Papstes nach Urbi et Orbi
Erstmals spricht Strappetti (56) öffentlich über den Ostersonntag 2025, den Tag vor Franziskus' Tod: Nach dem überraschenden Segen Urbi et Orbi und der umjubelten Fahrt im Papamobil auf dem Petersplatz sei der Schwerkranke zwar erschöpft gewesen, "aber glücklich wie ein Kind, dem man Schokolade schenkt". Im Aufzug zur Papstwohnung im Vatikan-Gästehaus Santa Marta sei Franziskus eine Freudenträne über die Wange gerollt, so sein Pfleger.
Der Papst hatte nach 38 Klinik-Tagen nicht mehr mit einem solchen Auftritt gerechnet. Über das Foto vom 10. April 2025 im Petersdom, wo Franziskus statt des weißen Gewandes einen argentinischen Poncho über weißem Langarm-Shirt und schwarzer Hose trug, sagte Strappetti, der Papst habe plötzlich in die Basilika gewollt, um mit den Restauratoren der Cattedra Petri zu sprechen. "Ich fragte ihn: 'Aber was, wenn sie uns sehen?' Und er sagte: 'Lass uns trotzdem gehen'." Doch nicht nur verblüffte Petersdom-Besucher, auch ein Fotograf wurde auf den Papst im Rollstuhl aufmerksam; das Foto ging um die Welt.
Parfum, Kochbücher und Einfühlsamkeit
Von Franziskus bleiben dem Pfleger dessen Parfum und die vielen Kochbücher, die er ihm schenkte – und vor allem seine Einfühlsamkeit. "Einmal wurde ich ernst und vertraute ihm an, dass ich geschieden bin", so Strappetti. - "Und was ist das Problem?", habe Franziskus gefragt. Und: "Lassen sie dich denn zur Kommunion gehen? Sonst nenn mir die Namen der Priester, die sich weigern, und ich werde mit ihnen reden!", so sein langjähriger Vertrauter, der auch schon Johannes Paul II. und Benedikt XVI. unterstützte und heute zum Stab von Papst Leo XIV. gehört.
Zu einer möglichen Heiligsprechung von Franziskus, für die unter anderem eine unerklärliche Heilung auf Fürsprache des Verstorbenen nötig wäre, hat Strappetti seine eigene Meinung. "Franziskus sagte immer: Nur Jesus wirkt Wunder." Aber es gebe durchaus solche Heilungen schwerer Krankheiten, die von der Kirche und der Wissenschaft geprüft werden müssten. "Wir werden sehen. Aber für mich ist Franziskus schon jetzt ein Heiliger."