Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat ein Jahr nach dem Tod von Papstes Franziskus (2013-2025) dessen Wirken gewürdigt. In einem Beitrag für die Zeitschrift "Communio" schreibt Kasper, Franziskus habe "ein vom Geist des Evangeliums geleitetes Reformprogramm" angestoßen.
Franziskus habe keine auf sich selbst bezogene Kirche gewollt, sondern "eine Kirche im missionarischen Aufbruch an die Peripherien, eine Kirche, welche den Schrei der Armen hört und in der Option für die Armen die Botschaft Jesu von der Barmherzigkeit Gottes verkündet und lebt". Auch habe sich Franziskus für eine heilsame Dezentralisierung der Kirche sowie für eine Neuausrichtung des Papsttums eingesetzt.
Befürchtungen und Kritik
Zur Frauenfrage bemerkte Kasper im Rückblick auf Papst Franziskus: "Er war sich der Bedeutung der Frauen in der Kirche bewusst, stellte aber deren Teilnahme am sakramentalen Priesteramt nicht zur Diskussion. Das alles hat verständlicherweise große und hohe Erwartungen geweckt, bei anderen auch Befürchtungen und Kritik ausgelöst."
Es sei Papst Franziskus stets darum gegangen, Prozesse in Gang zu bringen, statt Räume und Positionen zu besetzen. Kasper weiter: "Er wollte Fenster und Türen öffnen und wusste besser als manche ihn kritisierenden Hitzköpfe um den langen Atem, der bei der Evangelisierung notwendig ist."
Die Tür der Barmherzigkeit
Die Öffnung der Seelsorge für die wiederverheiratet Geschiedenen kommentierte Kasper mit den Worten: "Er hat die Tür für ein grundsätzliches Verständnis der Moral und der Pastoral im Horizont der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes geöffnet. Dafür können wir ihm nur dankbar sein."
Auch den von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten synodalen Prozess würdigte der Kardinal, insbesondere die gleichberechtigte Teilnahme von Laien, Frauen und Männern bei den Generalversammlungen der Bischofssynode im Oktober 2023 und 2024. Indem er die Ergebnisse unmittelbar in Kraft setzte, habe Papst Franziskus noch vor seinem Tod eine erste wichtige Phase abschließen können. Sein Nachfolger habe im Konsistorium der Kardinäle am 7. und 8. Januar 2026 diese Aufgabe aufgegriffen und wolle sie weiterführen.
Abschließend schreibt Kasper: "Bei Papst Leo XIV. ist das Erbe von Papst Franziskus in guten Händen. Er führt es weiter, und er tut das in seiner Weise und völlig selbstverständlich mit seinen eigenen Akzenten. Doch auch wenn manche am Ende bei Franziskus manches kritisch sahen: beim Tod (…) wurde deutlich, dass Papst Franziskus in den Herzen unzähliger Menschen in der Kirche wie außerhalb der katholischen Kirche angekommen ist."