DOMRADIO.DE: Wie gut kennen Sie die Gemeinschaft und das Kloster Kreitz?
Dr. Peter Fabritz (Offizial im Erzbistum Köln und Apostolischer Kommissar für das Kloster Kreitz): Ich habe das Kloster und auch die Gemeinschaft vorher nicht gekannt. Allerdings bin ich häufiger auf der A46 an dem Kloster vorbeigefahren. Das liegt ja direkt an der Autobahn. Ich habe jetzt auch erfahren, dass ein Teil der Apsis abgerissen werden musste, als in den 1970er Jahren die Autobahn gebaut worden ist. Dagegen konnten sich die Schwestern nicht wehren.
Nun habe ich den offiziellen Antrittsbesuch gemacht und habe mich natürlich vorher schon aus Büchern, Akten und Dokumenten informiert und habe mich dann der Priorin als der neue Klosterkommissar vorgestellt. Das ist eine sehr seltene Aufgabe, die es allerdings früher häufiger und regelmäßiger gegeben hat.
DOMRADIO.DE: Welche Befugnisse, welche Aufgaben haben Sie da?
Fabritz: Es klingt etwas hart, besonders für die betreffende Priorin, die ja vorher alle Rechte und Pflichten hatte. Aber diese Rechte und Pflichten sind jetzt an mich übergegangen, also an den Kommissar. Die Leitung des Klosters liegt faktisch beim Kommissar.
DOMRADIO.DE: Die Priorin war damit einverstanden?
Fabritz: Die Priorin war vorab informiert worden. Eine Ernennung zu einer solchen Aufgabe kommt immer von Rom, und zwar vom zuständigen Dikasterium für die Orden. Ich habe auch meine Ernennung für diese Aufgabe direkt aus dem Vatikan bekommen. Darüber war die Priorin vorher schon informiert worden.
In menschlicher Hinsicht ist das nicht einfach anzunehmen. Ich habe auch versucht, in einem guten, menschlichen Gespräch die Lage zu erörtern. Ich glaube, das ist mir auch einigermaßen gelungen.
DOMRADIO.DE: Das Kloster leidet unter erheblichem Nachwuchsmangel. Wie schätzen Sie selbst die aktuelle Situation der Gemeinschaft ein, auch im Blick auf ein mögliches Weiterbestehen dieses Ortes als geistlichen Ort?
Fabritz: Das Kloster ist 1899 fertiggestellt worden und hat einen langsamen Anstieg bei der Anzahl der Schwestern erlebt. Es ist aber seit den 1970er-Jahren ein stetiger Rückgang da. Die höchste Zahl an Nonnen, die in dem Kloster gelebt haben, waren 70 in den 1950er-Jahren. Aber die Zahl geht jetzt schon seit längerem zurück.
Jetzt sind dort noch fünf Schwestern, von denen aber zwei bereits in einem Pflegeheim sind. Von den anderen drei Schwestern ist die Priorin mit 61 Jahren die jüngste. Die anderen beiden Schwestern sind 85 und 90 Jahre alt. Dafür ist es ein riesiges Kloster mit jeder Menge Zimmern, die nicht mehr von den drei Schwestern erhalten und bewirtschaftet werden können.
DOMRADIO.DE: Das heißt, das Kloster wird nicht mehr als Kloster weiterbestehen?
Fabritz: Man müsste eine Gemeinschaft finden, die in dieses Kloster einzieht. Das halte ich im Moment noch für ziemlich unwahrscheinlich. Es muss jetzt über eine neue, andere Verwendung dieses Klosters nachgedacht werden. Aber da sind wir in den Verhandlungen noch ganz am Anfang.
DOMRADIO.DE: Das heißt, die drei Nonnen, die noch dort sind, würden dann an andere Orte umziehen?
Fabritz: Genau, die würden gemeinsam in ein anderes Benediktinerinnenkloster ziehen und dort ihre Gemeinschaft zusammen mit den Schwestern dieses anderen Klosters in gewisser Weise fortsetzen.
DOMRADIO.DE: Sie sind sehr optimistisch, dass Sie das harmonisch gemeinsam mit den Ordensschwestern lösen. Denn wir haben ja ein bekanntes Beispiel im Kloster Goldenstein in Österreich, wo das nicht harmonisch abgelaufen ist.
Fabritz: Da werde ich auch schon mal von Freunden mit dem Beispiel aus dem Kloster Goldenstein aufgezogen, dass ich dafür sorgen muss, dass es nicht einen zweiten Fall wie in Österreich gibt. Aber hier bin ich wirklich optimistisch. Da hat es auch vorher schon Gespräche mit einem anderen Kloster gegeben und es sieht so aus, dass die Schwestern wirklich bereit sind, dorthin zu ziehen.
DOMRADIO.DE: Neben der Zukunft der Gemeinschaft stellt sich die Frage nach der Immobilie dieses großen Klosters. Gibt es da bereits irgendwelche Überlegungen, wie das Kloster langfristig genutzt werden könnte?
Fabritz: Da kann ich nichts Konkretes sagen. Es hat schon im Vorfeld – bevor ich diese Aufgabe übernommen habe – Verhandlungen mit einem karitativen Träger gegeben, der überlegt hat, das für karitative Zwecke zu nutzen. Aber diese Verhandlungen sind bisher noch nicht erfolgreich und es ist fraglich, ob daraus etwas wird, so dass ich jetzt meinen Blick auf andere Möglichkeiten lenken muss: auf andere Träger, auf andere Interessenten.
Das Kloster liegt zwar für sich gesehen idyllisch, aber nur durch eine Wand getrennt direkt an der Autobahn. So groß und wunderschön das Weideland auch ist, das sich rund um das Kloster befindet, aber die schwierige Lage an der Autobahn muss man halt auch immer mit einbeziehen.
DOMRADIO.DE: Das ist eine große Herausforderung, die da auf Sie zukommt, aber auch eine Ehre, die der Papst Ihnen anvertraut hat.
Fabritz: Ja, vor allem ist es für mich eine ganz neue Aufgabe.
Das Interview führte Johannes Schröer.