Papst Leo XIV. ruft Christen im Irak zu Neuanfang auf

Chaldäische Christen wählen Patriarchen

Einst lebten mehrere Hunderttausend chaldäische Christen im Irak. Nach Krieg und Auswanderung leben heute die meisten von ihnen in westlichen Ländern. Nun treffen sie sich in Rom, um ein neues Oberhaupt zu wählen.

Blick auf eine Straße in Telskuf (Irak). Im Hintergrund ist die chaldäisch-katholische Kirche Sankt Georg zu sehen.  / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Blick auf eine Straße in Telskuf (Irak). Im Hintergrund ist die chaldäisch-katholische Kirche Sankt Georg zu sehen. / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Papst Leo XIV. hat die aus dem Irak stammenden chaldäischen Christen zu einem kirchlichen Neuanfang ermutigt. Bei einer Begegnung mit den derzeit in Rom zur Synode versammelten Geistlichen würdigte er am Freitag die Chaldäer als eine Kirche, die "Narben der Geschichte trägt". Er erinnerte an Kriege und Verfolgungen, durch die sie gezeichnet sei und die zur Verteilung vieler Gläubiger in der Diaspora im Ausland geführt haben.

Papst Leo XIV. empfängt Mitglieder der Bischofssynode der chaldäisch-katholischen Kirche von Bagdad, die zur Wahl eines neuen Patriarchen im Vatikan zusammengekommen sind, am 10. April 2026 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. empfängt Mitglieder der Bischofssynode der chaldäisch-katholischen Kirche von Bagdad, die zur Wahl eines neuen Patriarchen im Vatikan zusammengekommen sind, am 10. April 2026 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Mit Blick auf die anstehende Wahl eines Nachfolgers für den chaldäischen Patriarchen Kardinal Louis Raphaël Sako (77) erklärte Leo XIV., das neue Oberhaupt solle ein Vater im Glauben und ein Zeichen der Gemeinschaft sein. Er mahnte die Bischöfe, sich bei der Wahl nicht von weltlichen Erwägungen, sondern vom Evangelium leiten zu lassen.

Forderung nach Transparenz bei Vermögen

Ausdrücklich forderte er Transparenz in der Vermögensverwaltung sowie Besonnenheit in der öffentlichen Kommunikation. Auf beiden Gebieten hatte es in der Vergangenheit erkennbare Mängel gegeben. Gleichwohl lobte der Papst die Verdienste des zurückgetretenen Patriarchen für seine Gemeinschaft.

Kardinal Louis Raphael I Sako, Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche und Erzbischof von Bagdad (Irak) / © Harald Oppitz (KNA)
Kardinal Louis Raphael I Sako, Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche und Erzbischof von Bagdad (Irak) / © Harald Oppitz ( KNA )

Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche. Ihre Wurzeln reichen bis ins erste Jahrhundert. Sie feiert eine eigene Form des Gottesdienstes, erkennt aber den Primat des Papstes an. 

Das Patriarchat hat seinen Sitz traditionell in Bagdad, der scheidende Patriarch Sako hielt sich jedoch oft im kurdischen Siedlungsgebiet im Norden des Iraks auf. Die meisten chaldäischen Christen leben heute außerhalb des Iraks, vor allem in Europa, Nordamerika und Australien.

Krieg als Gotteslästerung

Mit Blick auf die Lage in Nahost forderte Leo XIV. volle Religionsfreiheit und Gleichberechtigung für die christliche Minderheit. Krieg verurteilte er als Gotteslästerung. "Kein Interesse kann das Leben der Schwächsten, der Kinder und der Familien wert sein; keine Sache kann vergossenes unschuldiges Blut rechtfertigen", betonte der Papst.

Die Bischöfe sollten klar verkünden, dass Gott keinen Konflikt segne. Militärische Maßnahmen könnten keine Freiheit schaffen; dies gelinge nur durch Dialog und Zusammenleben. Die Synode der Chaldäer findet in diesen Tagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Ergebnis der Patriarchen-Wahl soll erst nach der Bestätigung durch den Vatikan bekannt gegeben werden.

Chaldäisch-katholische Kirche

Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine katholische Ostkirche, die ihre Gottesdienste im ostsyrischen Ritus und in altsyrischer Sprache zelebriert. Im 16. Jahrhundert haben Bischöfe und Gläubige sich von ihrer Mutterkirche, der Apostolischen Assyrischen Kirche des Ostens, getrennt und eine Union mit der Römisch-Katholischen Kirche geschlossen. Die chaldäische Kirche steht in voller Kirchengemeinschaft mit dem Papst von Rom.

Chaldäische Christen warten im März 2021 am Straßenrand auf die Durchfahrt von Papst Franziskus nach Erbil / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Chaldäische Christen warten im März 2021 am Straßenrand auf die Durchfahrt von Papst Franziskus nach Erbil / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )


 

Quelle:
KNA