Papst Leo XIV. hat die aus dem Irak stammenden chaldäischen Christen zu einem kirchlichen Neuanfang ermutigt. Bei einer Begegnung mit den derzeit in Rom zur Synode versammelten Geistlichen würdigte er am Freitag die Chaldäer als eine Kirche, die "Narben der Geschichte trägt". Er erinnerte an Kriege und Verfolgungen, durch die sie gezeichnet sei und die zur Verteilung vieler Gläubiger in der Diaspora im Ausland geführt haben.
Mit Blick auf die anstehende Wahl eines Nachfolgers für den chaldäischen Patriarchen Kardinal Louis Raphaël Sako (77) erklärte Leo XIV., das neue Oberhaupt solle ein Vater im Glauben und ein Zeichen der Gemeinschaft sein. Er mahnte die Bischöfe, sich bei der Wahl nicht von weltlichen Erwägungen, sondern vom Evangelium leiten zu lassen.
Forderung nach Transparenz bei Vermögen
Ausdrücklich forderte er Transparenz in der Vermögensverwaltung sowie Besonnenheit in der öffentlichen Kommunikation. Auf beiden Gebieten hatte es in der Vergangenheit erkennbare Mängel gegeben. Gleichwohl lobte der Papst die Verdienste des zurückgetretenen Patriarchen für seine Gemeinschaft.
Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche. Ihre Wurzeln reichen bis ins erste Jahrhundert. Sie feiert eine eigene Form des Gottesdienstes, erkennt aber den Primat des Papstes an.
Das Patriarchat hat seinen Sitz traditionell in Bagdad, der scheidende Patriarch Sako hielt sich jedoch oft im kurdischen Siedlungsgebiet im Norden des Iraks auf. Die meisten chaldäischen Christen leben heute außerhalb des Iraks, vor allem in Europa, Nordamerika und Australien.
Krieg als Gotteslästerung
Mit Blick auf die Lage in Nahost forderte Leo XIV. volle Religionsfreiheit und Gleichberechtigung für die christliche Minderheit. Krieg verurteilte er als Gotteslästerung. "Kein Interesse kann das Leben der Schwächsten, der Kinder und der Familien wert sein; keine Sache kann vergossenes unschuldiges Blut rechtfertigen", betonte der Papst.
Die Bischöfe sollten klar verkünden, dass Gott keinen Konflikt segne. Militärische Maßnahmen könnten keine Freiheit schaffen; dies gelinge nur durch Dialog und Zusammenleben. Die Synode der Chaldäer findet in diesen Tagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Ergebnis der Patriarchen-Wahl soll erst nach der Bestätigung durch den Vatikan bekannt gegeben werden.