Waffenruhe im Nahen Osten gilt nicht für den Libanon

Papst Leo XIV. sendet Trostbotschaft

"Die zweiwöchige Waffenruhe gilt nicht für den Libanon", heißt es in einer Mitteilung des Büros von Premier Benjamin Netanjahu. Der Papst schickte der überwiegend christlichen Bevölkerung im Südlibanon nun eine Trostbotschaft.

Libanon, Beirut: Eine vertriebene libanesische Familie, die aus den südlichen Vororten von Beirut geflohen ist, steht neben einem Campingzelt nahe dem Ort eines israelischen Drohnenangriffs im Zentrum der Stadt / © Marwan Naamani (dpa)
Libanon, Beirut: Eine vertriebene libanesische Familie, die aus den südlichen Vororten von Beirut geflohen ist, steht neben einem Campingzelt nahe dem Ort eines israelischen Drohnenangriffs im Zentrum der Stadt / © Marwan Naamani ( dpa )

Israel unterstützt die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die Angriffe gegen Iran für zwei Wochen auszusetzen, wie das Büro von Premier Benjamin Netanjahu mitteilte. Voraussetzung dafür sei, dass Iran unverzüglich die Straße von Hormus öffnet und alle Angriffe auf die USA, Israel und andere Länder in der Region einstellt. "Die zweiwöchige Waffenruhe gilt nicht für den Libanon", heißt es in der Mitteilung weiter.

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif hatte zuvor mitgeteilt, die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten von Amerika sowie ihre Verbündeten hätten einer sofortigen Waffenruhe einschließlich im Libanon und andernorts zugestimmt. 

Die Menschen im Südlibanon sind besonders von der israelischen Militäroffensive betroffen. Papst Leo XIV. hat nun eine Botschaft des Trostes und des Mitgefühls an die Christen im Südlibanon geschickt. Angesichts des Osterfestes unter diesen dramatischen Umständen wolle er ihnen seine väterliche Nähe und Zuneigung bekunden, heißt es in einem am Dienstag vom Vatikan veröffentlichten Telegramm. Es richtet sich an die Einwohner des christlich geprägten Ortes Debel.

Papst Leo XIV. kurz vor seinem Abflug aus dem Libanon zurück in den Vatikan.  / © Hussein Malla/AP (dpa)
Papst Leo XIV. kurz vor seinem Abflug aus dem Libanon zurück in den Vatikan. / © Hussein Malla/AP ( dpa )

"In eurem Unglück, in der Ungerechtigkeit, die ihr erleidet, in dem Gefühl der Verlassenheit, das ihr empfindet, seid ihr Jesus ganz nah", so das Schreiben weiter. "Ihr seid ihm auch an diesem Ostertag nahe, an dem er die Mächte des Bösen besiegt hat und der für euch wie ein Versprechen für die Zukunft klingt."

Der Papst rief die Südlibanesen dazu auf, nicht den Mut zu verlieren. "Keines eurer Gebete, keine eurer Gesten der Solidarität, kein Seufzer der Erschöpfung, den ihr ausstößt, ist verloren: Unsere Liebe Frau vom Libanon bewahrt alles in ihrem Herzen und trägt es zu ihrem Sohn." Abschließend erteilte der Papst allen seinen Segen. 

missio Aachen fordert Ausweitung der Waffenruhe

Pfarrer Dirk Bingener, missio-Präsident / © Julia Steinbrecht (KNA)
Pfarrer Dirk Bingener, missio-Präsident / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Das katholische Hilfswerk missio Aachen, Partner der Kirche im Nahen Osten, fordert, dass die zwischen USA, Israel und Iran vereinbarte Waffenruhe auch für den Südlibanon gilt. "Wir begrüßen grundsätzlich die angekündigte Waffenruhe von 14 Tagen zwischen den USA, Israel und Iran. Aber sie muss auch für den Südlibanon gelten", fordert Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des katholischen Hilfswerkes missio Aachen. 

"Nur wenn alle beteiligten Akteure zu einer befristeten Feuerpause bereit sind, kann Raum für humanitäre Hilfe, Schutz der gesamten Zivilbevölkerung und neue politische Gespräche entstehen", sagte Pfarrer Bingener. Das Hilfswerk ist auch in großer Sorge um rund 5.000 christliche Familien, die noch im Südlibanon leben. Wegen der bisher zerstörten Infrastruktur kann die Versorgung nur sehr schwer aufrechterhalten werden, berichten missio-Partner aktuell aus der Region. 

Zerstörte Gebäude an dem Ort in Tyrus, Südlibanon, der bei israelischen Luftangriffen getroffen wurde. / © Mohammad Zaatari/AP (dpa)
Zerstörte Gebäude an dem Ort in Tyrus, Südlibanon, der bei israelischen Luftangriffen getroffen wurde. / © Mohammad Zaatari/AP ( dpa )

Deshalb fordert missio Aachen die Bundesregierung und die Europäische Union auf, ihren diplomatischen Einfluss auf die USA, Israel und den Iran gleichermaßen zu nutzen, damit die vereinbarte Waffenruhe auch im Südlibanon durchgesetzt wird. Darüber hinaus sollten sie diplomatische Initiativen starten, die Wege und Partner findet, um den libanesischen Staat bei der Entwaffnung der Hisbollah zu unterstützen. 

"Diese für die Sicherheit Israels und des Libanons notwendige Entwaffnung darf nicht in eine neue innere Zerreißprobe des Landes führen. Nötig sind Diplomatie, international abgestimmte Sicherheitsgarantien und ein klarer Wille, den Libanon vor einem weiteren Absturz zu bewahren", so Pfarrer Bingener. "Wer Frieden im Nahen Osten will, darf den Südlibanon nicht ausklammern", sagt Bingener. "Die internationale Gemeinschaft muss jetzt alles daransetzen, dass aus einer begrenzten Feuerpause ein umfassender Prozess der Deeskalation wird." 

Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde am 8.4. um 10.35h ergänzt.

Quelle:
dpa , KNA