Bei den diesjährigen Ostermärschen sind nach Angaben der Veranstalter Zehntausende Menschen für Frieden und Abrüstung auf die Straße gegangen. Kundgebungen und Aktionen gab es demnach an mehr als 100 Orten. Hauptthemen waren die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine, die Aufrüstung der Bundeswehr sowie die Debatte über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht.
Das Netzwerk Friedenskooperative, das die Ostermärsche koordiniert, konnte am Montagnachmittag zunächst keine genaue Teilnehmerzahl nennen, zeigte sich aber zufrieden mit der Resonanz. "Die Menschen auf den Straßen haben am Osterwochenende unmissverständlich klargemacht: Wir brauchen eine zivile und soziale Zeitenwende, keine militärische!", erklärte Sprecher Kristian Golla. Die Bundesregierung müsse konsequent auf Diplomatie statt auf Aufrüstung setzen.
Der Ostermarsch Rhein-Ruhr unter dem Motto "Friedensfähig statt kriegstüchtig" ist traditionell der größte Ostermarsch in NRW. Zum Start kamen in Duisburg laut Polizei zunächst rund 300 Menschen zusammen. Darunter nahmen vor allem viele ältere Leute teil.
Am Ostermontag erreichten die Friedensaktivisten auf dem Fahrrad den Zielort Dortmund. Laut Veranstalter saßen rund 100 Radelnde die gesamte Ruhrgebietsstrecke im Sattel und wurden etappenweise von weiteren Radfahrern und Besuchern vor Ort verstärkt. Weitere Abschlusskundgebungen waren unter anderem in Nürnberg sowie am Fliegerhorst Büchel in der Eifel geplant.
Forderungen nach Diplomatie
Bei einer Abschlussveranstaltung am Montag in Frankfurt am Main kamen laut der örtlichen Informationsstelle Ostermarsch rund 5.000 Menschen auf dem Römerberg zusammen, die Polizei zählte 1.200 Teilnehmende. Die Rednerinnen und Redner wandten sich unter anderem gegen den Abbau von Sozialleistungen zugunsten von Aufrüstung. "Der Ostermarsch war in diesem Jahr ein gelungener Auftakt für vielfältigen Widerstand, gegen Aufrüstung und Krieg, gegen neue Mittelstreckenwaffen", sagte Aktivist Willi van Ooyen.
In Hamburg schätzte die Polizei die Zahl der Demonstrierenden auf mehrere Tausend. "Wir setzen ein noch deutlicheres Zeichen unseres Widerstands gegen die Politik der Kriege, wie sie auch die Bundesregierung in Berlin betreibt", sagte Andreas Grünwald vom Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung.
In Berlin kamen am Samstag laut Polizei mehr als 1.000 Menschen zusammen. Neben den aus vergangenen Jahren weithin bekannten Forderungen wie "Schwerter zu Pflugscharen", "Völkerrecht statt Faustrecht" und "Alle Atomwaffen weg" gab es Parolen wie "Finger weg vom Iran, Kuba und Venezuela" und die Forderung, alle US-Militärbasen in Deutschland zu schließen.
Kritik an friedensethischer Position der EKD
In Krefeld blickte der Sozialwissenschaftler Achim Schmitz am Ostermontag kritisch auf friedensethische Positionen der christlichen Kirchen, unter anderem auf die Friedensdenkschrift "Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Darin werde christlicher Pazifismus zu einem Ausdruck individueller Gewissensentscheidung und gelebter Frömmigkeit herabgewürdigt, sagte Schmitz, der im Versöhnungsbund in der Kommission Friedensbildung aktiv ist, laut vorab verbreitetem Redetext. Pazifismus werde damit ins Private abgeschoben.
Veranstalter der Märsche sind Gewerkschaften, linke und christliche Gruppen sowie Friedensgruppen. Hauptthemen sind in diesem Jahr die Kriege im Nahen Osten sowie in der Ukraine, die Aufrüstung der Bundeswehr und die Debatte über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht.
Kristian Golla, der seit Anfang der 1990er-Jahre die Informationsarbeit zu den Ostermärschen beim Netzwerk Friedenskooperative leitet, erklärte, noch nie seit dem Start der Ostermärsche habe es eine so große Fülle an Krisen auf der Welt gegeben.
Keine indirekte Beteiligung am Iran-Krieg
Das Netzwerk appellierte an die Bundesregierung, sie müsse sich für die Einhaltung und Wahrung des Völkerrechts viel stärker und ohne jegliche Doppelstandards einsetzen. Deutschland dürfe sich an dem Krieg gegen den Iran weder direkt noch indirekt beteiligen.
Jegliche logistische Unterstützung militärischer Schläge über US-Stützpunkte in Deutschland, wie Ramstein, müsse ausgeschlossen werden. Außerdem müsse der Luftraum für US-Militärflugzeuge über Deutschland geschlossen werden.
Das traditionelle Thema der Ostermärsche, die nukleare Abrüstung, steht in diesem Jahr angesichts der aktuellen Bedrohungslage ebenfalls im Fokus. Das Netzwerk lehnt die Debatten um einen europäischen Atomschirm ab. "Nur eine atomwaffenfreie Welt ist eine sichere Welt."
Die Friedensbewegung kritisierte ebenso scharf die ab diesem Jahr geplante Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland. Dadurch werde Deutschland im Ernstfall zur Zielscheibe.
Mehr als 100 Veranstaltungen
Bundesweit sind laut Friedenskooperative in diesem Jahr mehr als 100 Demonstrationen geplant. 2025 hätten sich insgesamt mehr als 40.000 Menschen an den Ostermärschen beteiligt, deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Die Kundgebungen sind damit aber deutlich kleiner als zu den Hochzeiten der Friedensbewegung.
Großen Zuspruch erlebte sie in Deutschland vor allem im Zuge der Massenproteste gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in Westeuropa Anfang der 1980er-Jahre. Damals beteiligten sich Hunderttausende an den Friedensaktionen. Stärkeren Zulauf erlebte die Friedensbewegung auch bei Krisen wie den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und am Golf.
Hinweis der Redaktion: Der Artikel wurde am 6.4. um 16.30h aktualisiert.