Friedenskooperative zählt über 100 Ostermarsch-Demonstrationen

Große Fülle an Krisen

Mehrere Hundert Menschen in Deutschland sind bei den Ostermärschen auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten gegen Wehrpflicht und Wiederaufrüstung sowie gegen die zahlreichen Kriege und für die Einhaltung des Völkerrechts.

 Eine Frau hält ein Schild mit der Aufschrift "No Wars" bei einem Ostermarsch in Stuttgart am 04.04.2026 / ©  Enrique Kaczor (dpa)
Eine Frau hält ein Schild mit der Aufschrift "No Wars" bei einem Ostermarsch in Stuttgart am 04.04.2026 / © Enrique Kaczor ( dpa )

Im Gegensatz zum Karsamstag mit Aktionen in mehr als 70 Städten fanden am Ostersonntag deutlich weniger Ostermärsche statt. 

Der Ostermarsch Rhein-Ruhr unter dem Motto "Friedensfähig statt kriegstüchtig" ist traditionell der größte Ostermarsch in NRW. Zum Start kamen in Duisburg laut Polizei zunächst rund 300 Menschen zusammen. Darunter nahmen vor allem viele ältere Leute teil. Ein weiterer Ostermarsch fand in Frankfurt/Oder statt.

Protest gegen US-Atombomben

Zum Abschluss am Ostermontag steigt die Zahl der Veranstaltungen noch einmal deutlich mit Aktivitäten in über 20 Städten, so etwa mit großen Abschlusskundgebungen in Dortmund, Frankfurt/Main, Hamburg, Nürnberg und am Fliegerhorst in Büchel, wo die Friedensbewegung traditionell für den Abzug der US-Atombomben demonstriert.

Beteiligte an einem Ostermarsch mit Friedensgottesdienst / © Christian Ditsch (epd)
Beteiligte an einem Ostermarsch mit Friedensgottesdienst / © Christian Ditsch ( epd )

Veranstalter der Märsche sind Gewerkschaften, linke und christliche Gruppen sowie Friedensgruppen. Hauptthemen sind in diesem Jahr die Kriege im Nahen Osten sowie in der Ukraine, die Aufrüstung der Bundeswehr und die Debatte über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht.

Kristian Golla, der seit Anfang der 1990er-Jahre die Informationsarbeit zu den Ostermärschen beim Netzwerk Friedenskooperative leitet, erklärte, noch nie seit dem Start der Ostermärsche habe es eine so große Fülle an Krisen auf der Welt gegeben.

Keine indirekte Beteiligung am Iran-Krieg

Das Netzwerk appellierte an die Bundesregierung, sie müsse sich für die Einhaltung und Wahrung des Völkerrechts viel stärker und ohne jegliche Doppelstandards einsetzen. Deutschland dürfe sich an dem Krieg gegen den Iran weder direkt noch indirekt beteiligen. 

Jegliche logistische Unterstützung militärischer Schläge über US-Stützpunkte in Deutschland, wie Ramstein, müsse ausgeschlossen werden. Außerdem müsse der Luftraum für US-Militärflugzeuge über Deutschland geschlossen werden.

Das traditionelle Thema der Ostermärsche, die nukleare Abrüstung, steht in diesem Jahr angesichts der aktuellen Bedrohungslage ebenfalls im Fokus. Das Netzwerk lehnt die Debatten um einen europäischen Atomschirm ab. "Nur eine atomwaffenfreie Welt ist eine sichere Welt." 

Die Friedensbewegung kritisierte ebenso scharf die ab diesem Jahr geplante Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland. Dadurch werde Deutschland im Ernstfall zur Zielscheibe.

Mehr als 100 Veranstaltungen

Bundesweit sind laut Friedenskooperative in diesem Jahr mehr als 100 Demonstrationen geplant. 2025 hätten sich insgesamt mehr als 40.000 Menschen an den Ostermärschen beteiligt, deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Die Kundgebungen sind damit aber deutlich kleiner als zu den Hochzeiten der Friedensbewegung. 

Großen Zuspruch erlebte sie in Deutschland vor allem im Zuge der Massenproteste gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in Westeuropa Anfang der 1980er-Jahre. Damals beteiligten sich Hunderttausende an den Friedensaktionen. Stärkeren Zulauf erlebte die Friedensbewegung auch bei Krisen wie den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und am Golf. 

Ostermärsche

Die Ostermärsche der Friedensbewegung entstanden Ende der 50er Jahre in Großbritannien. Den ersten Ostermarsch in der Bundesrepublik Deutschland gab es 1960 in der Lüneburger Heide. Damals demonstrierten einige hundert Menschen gegen die deutsche Wiederbewaffnung und eine Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.

Ein Ostermarsch zieht durch Berlin-Kreuzberg  / © Christoph Soeder (dpa)
Ein Ostermarsch zieht durch Berlin-Kreuzberg / © Christoph Soeder ( dpa )
Quelle:
KNA