Papst prangert an seinem ersten Osterfest Gleichgültigkeit an

"Damit das Licht des Lebens erstrahlt"

Leo XIV. hat sein erstes Osterfest als Papst im Angesicht vieler Konflikte weltweit gefeiert. Darum nutzte er die Ostermesse auf dem Petersplatz für eine Botschaft der Hoffnung und erinnerte an Worte seines Vorgängers Franziskus.

Papst Leo XIV. grüßt die Gläubigen am Ende seiner ersten Ostermesse als Papst. / © Alessandra Tarantino/AP/dpa  (dpa)
Papst Leo XIV. grüßt die Gläubigen am Ende seiner ersten Ostermesse als Papst. / © Alessandra Tarantino/AP/dpa ( dpa )

In seiner Osterbotschaft hat Papst Leo XIV. am Sonntag zu einem Ende der Gleichgültigkeit aufgerufen. "Wir dürfen nicht länger gleichgültig bleiben! Und wir dürfen uns nicht mit dem Bösen abfinden!", so Leo XIV. in seiner Ansprache zum Segen "Urbi et Orbi" von der Mittelloggia des Petersdoms.

Das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken beklagte eine zunehmende Abstumpfung gegenüber der überall herrschenden Gewalt. Er prangerte die Gleichgültigkeit an, angesichts des Todes Tausender Menschen, von Hass, Spaltung und den daraus folgenden Konflikten. 

Die Abgründe des Todes lauerten überall, sagte Papst Leo XIV. in seiner Predigt an Ostersonntag auf dem Petersplatz. Man begegne ihnen in der Gewalt, in den Wunden der Welt, in dem Schmerzensschrei, der von überall her aufsteige, führte Leo XIV. aus. Man finde den Tod in der Unterdrückung der Schwächsten, angesichts der Profitgier, die die Ressourcen der Erde plündert, angesichts der Gewalt des Krieges, der tötet und zerstört. 

Einladung zu Friedensgebet auf dem Petersplatz

Leo XIV. appellierte: "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog!" 

Die Menschheit rief er dazu auf, angesichts des Osterfestes alle Streitlust, jeden Wunsch nach Dominanz und Macht hinter sich zu lassen. "Bitten wir den Herrn, er möge der Welt seinen Frieden schenken." Aus diesem Anlass lud er zu einer gemeinsamen Gebetswache für den Frieden am 11. April in den Petersdom ein.

Anschließend grüßte er die Gläubigen in aller Welt auf zehn Sprachen, darunter auch Deutsch: "Frohe Ostern! Bringt allen die Freude des auferstandenen Jesus, der unter uns gegenwärtig ist."

Berühmtes Ritual

Der "Urbi et orbi"-Segen ist eines der bekanntesten Rituale des Papstes. Er wird an Weihnachten und Ostern gespendet sowie beim ersten öffentlichen Auftritt eines neuen Papstes. In der Formel "der Stadt und dem Erdkreis" kommt der weltumfassende Anspruch der katholischen Kirche zum Ausdruck.

Papst Franziskus nutzte die damit verbundene Ansprache stets, um die Aufmerksamkeit auf Kriege, Konflikte und Leid weltweit zu lenken. Im letzten Jahr teilte er, von schwerer Krankheit gezeichnet seine Sorge über die Situation im Nahen Osten und den wachsenden Antisemitismus. Er erinnerte an die leidenden Menschen im Jemen und in der Ukraine, im westlichen Balkan, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, Südsudan und in der Sahelzone. Es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt sein, am Morgen des Ostermontags (21. April) starb er im Alter von 88 Jahren.

Erinnerung an Worte von Franziskus 

Leo XIV. zitierte seinen Vorgänger Franziskus (2013-2025), der von einer ausgeprägten "Globalisierung der Gleichgültigkeit" sprach. Es sei wahr, dass es oft so scheine, als existiere Gott nicht, zitierte Leo aus dem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium": 

Blick auf den Petersplatz, wo Papst Leo XIV. am 05.04.2026 der Ostermesse vorsteht / ©  Alessandra Tarantino/AP (dpa)
Blick auf den Petersplatz, wo Papst Leo XIV. am 05.04.2026 der Ostermesse vorsteht / © Alessandra Tarantino/AP ( dpa )

"Wir sehen Ungerechtigkeit, Bosheit, Gleichgültigkeit und Grausamkeit, die nicht aufhören." Es sei aber auch gewiss, dass "mitten in der Dunkelheit immer etwas Neues aufkeimt, das früher oder später Frucht bringt". 

Lied der Hoffnung

Das Osterfest lade dazu ein, den Blick zu erheben und die Herzen zu öffnen. Es sei die neue Schöpfung, die der auferstandene Herr vollbracht habe, ein Neuanfang. Lied der Hoffnung "Dieses Lied der Hoffnung brauchen wir heute", so der Papst vor Tausenden Gläubigen im Vatikan. 

Sie sollten es in die Welt hineintragen. "Verbreiten wir mit unserem Leben die Freude der Auferstehung, damit überall, wo noch Schatten des Todes sind, das Licht des Lebens erstrahlen kann." Bereits in der Osternacht am Vorabend hatte Leo XIV. die Christen dazu aufgerufen, allen die frohe Botschaft zu bringen, dass Jesus auferstanden ist. 

Mit seiner Kraft könnten sie eine neue Welt des Friedens und der Einheit gestalten. Leo XIV. feierte seine erste Ostermesse als Papst am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein. 

Erstes Osterfest unter Papst Leo XIV.

Mit den Feierlichkeiten am Sonntag endet im Vatikan das erste Osterfest unter Papst Leo XIV. Er verlieh ihm in Teilen seine eigene Handschrift.

Kleriker folgen Papst Leo XIV. während er der Ostermesse am 05.04.2026 auf dem Petersplatz / © Alessandra Tarantino/AP (dpa)
Kleriker folgen Papst Leo XIV. während er der Ostermesse am 05.04.2026 auf dem Petersplatz / © Alessandra Tarantino/AP ( dpa )

An Gründonnerstag wusch er wie die Vorgänger von Franziskus wieder Priestern die Füße. Während des Kreuzweges am Kolosseum am Karfreitag trug der 70-Jährige das schlichte Holzkreuz selbst. Das hatte laut "Vatican News" zuletzt Papst Johannes Paul II. 1994 getan. 

70.000 bunten Blumen aus den Niederlanden 

Der Petersplatz war mit über 70.000 bunten Blumen aus den Niederlanden geschmückt. Diese Tradition jährt sich 2026 zum 40. Mal. Auf die feierliche Messe folgen um 12 Uhr der Papstsegen "Urbi et orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) und Leos XIV. Ostergrüße in verschiedenen Sprachen. 

Ostern

An Ostern feiern Christen ihr wichtigstes Fest: die Auferstehung Jesu am dritten Tag nach dem Tod am Kreuz. Die Botschaft von Kreuz und Auferstehung ist das Fundament ihres Glaubens. Kerngehalt ist, "dass am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht, die Liebe über den Hass und selbst über den Tod siegen wird", so der katholische Katechismus.

Seit dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 wird das älteste Fest der Christenheit am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.

Osterkerzen / © Harald Oppitz (KNA)
Osterkerzen / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
epd , KNA