Eine theologische Betrachtung zu Ostern

Einzigartige Botschaft

Beim Sport sind Tempo und Technik entscheidend. Am Grab zählt das Staunen. Während Fans Siege feiern, rennen die Jünger der Gewissheit der Auferstehung nach. Ostern erzählt vom größten Sieg: Das Leben behält das letzte Wort.

Autor/in:
Fabian Brand

Sportlich geht es zu in diesem Jahr 2026. Vor Kurzem sind die Olympischen Winterspiele in Italien zu Ende gegangen. Zahlreiche Olympioniken waren dort sportlich miteinander unterwegs, freilich immer mit dem Ziel, einmal die Goldmedaille in Händen zu halten. Und schon bald steht das nächste Großereignis bevor: Am 11. Juni 2026 wird die Fußball-WM der Männer in Kanada, Mexiko und den USA eröffnet. Natürlich darf man hoffen, dass die deutsche Elf möglichst weit kommt. Aber letztlich gilt überall das olympische Motto: "Dabei sein ist alles!"

Sportlich geht es auch an Ostern zu: Zumindest sprechen die Evangelien, die wir an den Ostertagen sehr häufig hören, davon, dass sich jemand beeilt hat. Schnell sollen die Frauen, die ans leere Grab kommen, wieder zu den Jüngern zurückkehren, um ihnen die Botschaft von der Auferstehung Jesu zu verkünden. Schnell laufen Simon Petrus und der Lieblingsjünger zum Grab. Und dann passiert auch noch ein Missgeschick: "Sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab." (Joh 20,4)

Figur des heiligen Petrus mit der pästlichen Tiara in der Kirche Sankt Peter in München. / © Robert Kiderle  (KNA)
Figur des heiligen Petrus mit der pästlichen Tiara in der Kirche Sankt Peter in München. / © Robert Kiderle ( KNA )

Jünger in Bewegung

Auf den letzten Metern wird Petrus noch überholt, der Rang des Ersten wird ihm im Johannesevangelium vom Lieblingsjünger streitig gemacht. Und dann sind da auch noch die Emmaus-Jünger, die uns am Ostermontag begegnen: 60 Stadien Fußmarsch haben sie vor sich, was etwas mehr als 11 Kilometer sind. Und nachdem sie dem Auferstandenen begegnet sind, laufen sie diese Strecke auch wieder zurück.

Wer die Osterevangelien hört, könnte meinen, die Jünger hätten überhaupt keine Zeit gehabt. Alles ist in Eile, alle sind in Aufruhr. Und das hat ja auch seinen Grund: Der, von dem sie glaubten, sie hätten ihn ein für alle Mal verloren, er lebt. Das ist die Frohe Botschaft der Osternacht: Christus ist auferstanden, er ist nicht im Tod geblieben. Verständlich, dass es den Jüngern keine Ruhe lässt, dass sie nicht gemütlich abwarten können, sondern selber sehen wollen, selber dabei sein wollen. "Dabei sein ist alles": Das gilt auch für Ostern. Und dann ist es auch ganz egal, ob Petrus nun Erster war oder Zweiter; Hauptsache, er ist dabei, er ist Zeuge dessen, was sich da ereignet hat.

Ostervigil in der Grabeskirche / ©  Andrea Krogmann (KNA)
Ostervigil in der Grabeskirche / © Andrea Krogmann ( KNA )

Menschen in Aufruhr

Ostern versetzt Menschen in Aufruhr: Es geschieht etwas, was sich nie zuvor in der Menschheitsgeschichte zugetragen hat. An Ostern erhält unser Leben eine neue Dimension: Plötzlich ist mit dem Tod nicht mehr alles aus und vorbei, sondern wir haben eine neue Hoffnung. Ein neues Leben steht nach dem Tod bevor. Das zeigt uns die Auferstehung Jesu von den Toten, die wir jedes Jahr neu an Ostern feiern. Sie versetzt unser Leben in Aufruhr, denn wir wissen, dass unser Leben einen Sinn hat.

Diese Gewissheit des österlichen Lebens lässt uns keine Ruhe: Wir erfahren, dass es mehr gibt in diesem Leben, dass wir in der Freundschaft mit Christus den Zugang zu Gott gefunden haben, der uns einst aufnimmt in sein himmlisches Reich. Diese österliche Botschaft erfasst uns und stellt unser Leben auf den Kopf.

Neuer Lebenssinn

Deshalb haben es an Ostern alle irgendwie eilig. Die Menschen möchten selbst Zeuge dieses neuen Lebens sein. Sie wollen sich selbst überzeugen, dass es dieses österliche Leben wirklich gibt, dass das Leben wirklich eine neue Dimension erhalten hat.

So sind auch wir Jahr für Jahr eingeladen, schnell hinzugehen, um uns die Osterbotschaft verkünden zu lassen. Damit wir selber zu Zeuginnen und Zeugen dessen werden, was sich an Ostern Wunderbares ereignet hat. Wir dürfen dabei sein, so wie es die Jünger damals waren. Wir dürfen einstimmen in den Jubelruf "Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden". Und wir dürfen unser Leben verändern lassen: hoffnungsvoller leben, lebendiger leben. Denn wir wissen nun: Das Leben hat das letzte Wort.

Osternacht

Die Auferstehungsfeier ist für viele Christen der eindrucksvollste Gottesdienst im Kirchenjahr. Wer sie mitfeiert, braucht etwas Kondition.

Feier der Osternacht im Kölner Dom  / © Nicolas Ottersbach  (DR)
Feier der Osternacht im Kölner Dom / © Nicolas Ottersbach ( DR )
Quelle:
KNA