Gehört der Mond dem Vatikan oder dem Bistum Orlando?

Zwischen Astronomie und Kirchenrecht

Mit der Mondmission Artemis II, die in der Nacht auf Donnerstag in Florida gestartet ist, begeben sich erstmals seit über 50 Jahren Menschen zum Mond. Wer ist aber kirchenrechtlich für dieses Territorium verantwortlich?

Mond und Erde / © berni0004 (shutterstock)

Der Mond gehört zum Bistum Orlando in Florida. Das war zumindest die (vielleicht nicht ganz so ernst gemeinte) Überzeugung von Bischof Wiliam Donald Borders. Er war der erste Bischof des 1968 neu gegründeten Bistums Orlando. Zum Territorium seiner Diözese gehört auch das Kennedy Space Center in Cape Canaveral, von dem ein Jahr später die Apollo-11-Mission aufbrach, um das erste Mal Menschen auf die Oberfläche des Mondes zu setzen. 

Papst Paul VI. verfolgt die Mondlandung (KNA)
Papst Paul VI. verfolgt die Mondlandung / ( KNA )

Kurz darauf war Bischof Borders zu seinem Antrittsbesuch bei Papst Paul VI. in Rom und erzählte dem Heiligen Vater mehr oder weniger im Scherz, dass nach dem geltenden Kirchenrecht von 1917 der Mond zu seinem Bistum gehöre. Warum? Nach einer Regelung aus Kolonialzeiten fällt die Administration neu entdeckter Gebiete in die Diözese, von der aus die Erkundungsmission aufbrach. Das bezöge sich – so Borders – nicht nur auf Afrika, Asien oder Amerika, sondern auch auf den Weltraum. Diese Geschichte wird selbst auf der Internetseite des Bistums Orlando erzählt. 

Mond doch in der Verwaltung des Vatikans?

Ob die scherzhafte Aussage des Bischofs kirchenrechtlich gedeckt ist, scheint eher zweifelhaft. Andere Experten behaupten, dass Gebiete, die noch nicht von der kirchlichen Struktur erfasst sind, direkt unter die Verwaltung des Vatikans fallen. In diesem Fall würde dies das Dikasterium zur Evangelisierung der Völker betreffen. 2023 hatte Papst Franziskus verfügt, dass diese Behörde direkt unter der Verwaltung des Papstes als Präfekten liegt. Heißt, dass nach dieser Lesart Papst Leo XIV. zwar nicht Bischof, aber Verwaltungschef des Mondes wäre. 

Alles das ist natürlich Spekulation. Man kann allerdings mit Sicherheit sagen, dass christliches Leben auf den Mondmissionen gelebt wurde. So wurde als einer der ersten Funksprüche auf der ersten Mondmission Apollo 8 von den Astronauten abwechselnd die Schöpfungsgeschichte aus dem Buch Genesis verlesen. Auf dem Mond selbst wurde tatsächlich auch bereits Gottesdienst gefeiert, zumindest im weiteren Sinne. Nach der Landung der Mondkapsel "Eagle", mit der Neil Armstrong und Buzz Aldrin 1969 als erste Menschen den Erdtrabanten besuchten, nahm Aldrin, presbyterianischer Christ, eine Hostie zu sich, die er selbst von der Erde mitgebracht hatte. 

Der Astronaut Buzz Aldrin geht auf der Mondoberfläche spazieren / © Neil Armstrong (dpa)
Der Astronaut Buzz Aldrin geht auf der Mondoberfläche spazieren / © Neil Armstrong ( dpa )

Soweit wird es diesmal mit der Mondmission Artemis II. nicht kommen, da für die kommende Woche nur eine Umrundung des Mondes geplant ist. Der nächste mögliche Gottesdiensttermin auf dem Mond würde dann ins Jahr 2028 fallen. Dann ist mit Artemis IV. die erste bemannte Mondlandung seit den 70ern geplant. 

Quelle:
DR

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