Schweizer Künstler gestaltet Kreuzweg im Petersdom

Mit 14 Bildern auf den Spuren Jesu

Nach einem internationalen Wettbewerb gestaltet der Schweizer Künstler Manuel Dürr den diesjährigen Kreuzweg im Petersdom. Zwischen Freude und Ehrfurcht entstand das Projekt. 14 Gemälde, die die Tradition des Ortes aufnehmen sollen.

Autor/in:
Carsten Döpp
Kreuzweg-Bilder, gemalt vom Schweizer Künstler Manuel Andreas Dürr, eine Ausstellung zur Fastenzeit am 20. Februar 2026 im Petersdom im Vatikan / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Kreuzweg-Bilder, gemalt vom Schweizer Künstler Manuel Andreas Dürr, eine Ausstellung zur Fastenzeit am 20. Februar 2026 im Petersdom im Vatikan / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie reagiert, als Sie hörten, dass Sie den Kreuzweg gestalten dürfen?

Manuel Dürr (Künstler): Das war eine unglaubliche Freude und Riesenehre. Gleichzeitig war es ein kleiner Schock, weil ich damit ja am Ende die Bilder malen muss. Die ursprüngliche Freude ist dann schnell in Ehrfurcht umgeschwenkt. Aber es blieben die Freude und die Aufregung. Das war ein Familienprojekt. Bei den Kindern war die Freude riesig, obwohl keiner damit gerechnet hat, dass das wirklich klappen könnte. 

Manuel Dürr / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Manuel Dürr / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Sie haben einen Kunstwettbewerb gewonnen und damit den Zuschlag erhalten, den Kreuzweg im Petersdom zu gestalten. Über 1.000 Künstler aus 80 Ländern hatten sich beworben und Sie sind derjenige, der diesen Auftrag bekommen hat. Ist das der bedeutendste in Ihrem bisherigen Künstlerleben? 

Dürr: Ja und das wird wahrscheinlich so bleiben. Ich glaube nicht, dass es noch einen zweiten Ort wie den Petersdom gibt. Das war schon unglaublich. Ich hatte mich immer noch in der Produktentwicklungsphase verstanden. Ich war in Italien, habe Malen gelernt und war die letzten zehn Jahre in meinem Atelier ziemlich für mich und ein wenig eingeschlossen. In diesem Sinne kam das ein bisschen aus dem Nichts. 

DOMRADIO.DE: 14 Ölgemälde haben Sie für 14 Stationen gemalt. Bis August letzten Jahres musste alles fertig sein, damit die Bilder noch angemessen Zeit zum Trocknen hatten. Wie sind Sie da vorgegangen?

Dürr: Die Schwierigkeit war, dass alle Bilder gleichzeitig fertig sein mussten. Zudem war die Gesamtzeit zum Malen begrenzt. Die Herausforderung war, die Zeit möglichst gut zu nutzen und auf die 14 Gemälde zu verteilen. Ich habe immer vier Gruppen gemacht und die bis zu einem gewissen Punkt vorangebracht. Am Ende habe ich dann alle 14 gemeinsam fertiggestellt, was schon eine erhebliche Herausforderung war. 

Michael Dürr

"Ich wollte kommunizieren, dass der Via Crucis und die Spiritualität auch ins Heute gehören."

Ich wollte nicht, dass man liest, dass der Petersdom als Ausstellungsraum genutzt würde. Mir war es ein wichtiges Anliegen, dass die Bilder als Teil dieses Gesamtkunstwerkes des Petersdoms gesehen werden. Deswegen bin ich so gut wie möglich auf das eingegangen, was bereits existiert. Ich habe versucht, die Bilder nicht so zu gestalten, dass man liest, dass ich die ausgestellt habe, sondern so, als hätten die Bilder schon immer hier ihren Platz und gehörten zum Gebäude. 

Das heißt natürlich nicht, dass man nur Formeln wiederholt, sondern es ging schon um etwas Neues. Ich wollte kommunizieren, dass der Via Crucis (Anm. d. Red.: Kreuzweg) und die Spiritualität auch ins Heute gehören. Ich versuche, das in einer kreativen Treue zu dem zu machen und mit dem zu machen, was bereits da ist. 

Kreuzweg-Bilder, gemalt vom Schweizer Künstler Manuel Andreas Dürr, eine Ausstellung zur Fastenzeit am 20. Februar 2026 im Petersdom im Vatikan / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Kreuzweg-Bilder, gemalt vom Schweizer Künstler Manuel Andreas Dürr, eine Ausstellung zur Fastenzeit am 20. Februar 2026 im Petersdom im Vatikan / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Hatten Sie volle Gestaltungsfreiheit oder gab es Vorgaben aus Rom? 

Dürr: Wir haben die verschiedenen Skizzen lange diskutiert. Auch wenn es auf Italienisch besprochen wurde, habe ich versucht, das Meiste zu verstehen. Am Ende haben sie mir immer wieder gesagt, dass ich völlig frei bin. Da gab es schnell großen Konsens. 

Michael Dürr

"Ich bin sehr glücklich und überwältigt vom vielen Feedback."

Verschiedene Ideen waren beispielsweise, ob Heiligenscheine noch dabei sein sollten. Da hat die Dombauhütte selbst gemeint, dass wir die weglassen sollen. Ansonsten war ich sehr frei. Die Kommission war auch unglaublich freundlich und zuvorkommend. Ich habe das sehr positiv erlebt. Keine Ahnung, was passiert wäre, wenn ich in eine völlig andere Richtung gegangen wäre, vielleicht hätte ich das dann mehr gespürt. Aber das war nicht nötig. 

Ich bin sehr glücklich und überwältigt vom vielen Feedback. Viele verschiedene Menschen aus ganz verschiedenen Kontinenten und Kontexten haben mir Rückmeldungen gegeben und das freut mich schon sehr. Ich bin aber auch froh, ein bisschen wieder zurück in die Obskurität – ins Anonyme – in Biel, in der Schweiz, zurückkönnen. Ich war viel in der Öffentlichkeit, was mir als Mensch nicht allzu sehr entspricht. Aber ich bin natürlich sehr dankbar und freue mich, dass die Bilder vielen zu gefallen scheinen. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

Kreuzweg Jesu

In Passionspielen wird der Kreuzweg Jesu nachgespielt. Der Kreuzweg erinnert an das Leiden und Sterben Jesu. Dabei handelt es sich um einen Wallfahrtsweg, bei dem der Beter den einzelnen Stationen des Weges Jesu von der Verurteilung bis zum Kreuzestod folgt. Der Begriff meint auch eine Andachtsform, bei der der Beter den Leidensweg innerlich nachvollzieht.

Kreuzweg: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen (KNA)
Kreuzweg: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen / ( KNA )
Quelle:
DR

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