Jerusalemer Patriarch warnt vor mehr Hass

Demonstrationen gegen Todesstrafe

Patriarch Pierbattista Pizzaballa sieht einen Wandel im Staatsverständnis in Israel. Daher ruft er zu Wachsamkeit und Zusammenarbeit auf, um Schlimmeres zu verhindern. Unterdessen haben Demonstrationen gegen die Todesstrafe begonnen.

Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, während eines Gottesdienstes in der Konkathedrale des Lateinischen Patriarchats in der Altstadt von Jerusalem / © Debbie Hill/OSV News (KNA)
Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, während eines Gottesdienstes in der Konkathedrale des Lateinischen Patriarchats in der Altstadt von Jerusalem / © Debbie Hill/OSV News ( KNA )

Die Kirchen in Jerusalem haben die von Israel am Montagabend beschlossene Ausweitung der Todesstrafe "mit großem Schmerz und Leid" aufgenommen. Das sagte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, am Rande einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Franziskanerkustos Francesco Ielpo am Dienstag in Jerusalem. Die Entscheidung werde die im Land bestehende Kluft aus Misstrauen und Hass noch weiter vertiefen.

Kardinal Pierbattista Pizzaballa (2.v.r.), Lateinischer Patriarch von Jerusalem; und Theophilos III. (r.), griechisch-orthodoxer Patriarch von Jerusalem (Israel); mit Kirchenführern und Diplomaten verschiedener Länder beim Solidaritätsbesuch nach dem letzten Siedlerangriff, am 14. Juli 2025 im Dorf Taibeh im besetzten Westjordanland (Palästinensische Gebiete). / © Andrea Krogmann (KNA)
Kardinal Pierbattista Pizzaballa (2.v.r.), Lateinischer Patriarch von Jerusalem; und Theophilos III. (r.), griechisch-orthodoxer Patriarch von Jerusalem (Israel); mit Kirchenführern und Diplomaten verschiedener Länder beim Solidaritätsbesuch nach dem letzten Siedlerangriff, am 14. Juli 2025 im Dorf Taibeh im besetzten Westjordanland (Palästinensische Gebiete). / © Andrea Krogmann ( KNA )

"Das Staatsverständnis in Israel befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandel", so Pizzaballa. Jetzt müsse man mit allen Teilen der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und eine weitere Verschlechterung der Lage zu vermeiden. Aus katholischer Sicht sei sehr klar, dass es "keine Umstände gibt, unter denen die Todesstrafe notwendig sein könnte".

Demonstrationen und Generalstreik gegen Todesstrafe

In Jerusalem und dem Westjordanland kam es unterdessen laut Medienberichten am Dienstag zu Demonstrationen gegen die Ausweitung der Todesstrafe. Vor der Knesset ging die israelische Polizei laut Bericht der Zeitung "Haaretz" mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor. Für das Westjordanland rief die Fatah-Partei für Mittwoch zu einem Generalstreik auf.

Kirche und Todesstrafe

Bislang schloss der "Katechismus der Katholischen Kirche" Hinrichtungen als äußerstes Mittel nicht kategorisch aus. In früheren Jahrhunderten hatten Päpste als Oberhäupter des Kirchenstaats ein ihrer Zeit entsprechendes unbefangenes Verhältnis zur Todesstrafe. Bis ins 19. Jahrhundert beschäftigten sie Scharfrichter; die letzte Exekution fand 1868 statt.

Todesstrafe fordert US-Katholiken heraus / © Bradley Birkholz (KNA)
Todesstrafe fordert US-Katholiken heraus / © Bradley Birkholz ( KNA )
Quelle:
KNA