Münsters neuer Bischof wirbt für Kirche an der Seite der Verwundeten

"Für eine Kirche die nicht herrscht, sondern dient"

Mit Emmaus-Worten, einem Dank an seinen Vorgänger und klaren Sätzen gegen Missbrauch hat der neue Bischof von Münster seine erste Ansprache begonnen. Ein wichtiges Vorbild für ihn sei eine ganz besondere Frau.

Autor/in:
Gerald Mayer
Heiner Wilmer, designierter Bischof von Münster / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Heiner Wilmer, designierter Bischof von Münster / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Der neue Bischof von Münster, Heiner Wilmer SCJ, hat seine erste Ansprache im Paulus-Dom zu Münster mit einem biblischen Bild eröffnet. "Brannte nicht unser Herz", sagte er zu Beginn und verwies auf die biblische Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus. "Aufsuchen, Zuhören, Verstehen und dann gemeinsam Vorangehen. Nicht alles Wissen, nicht alles erklären können, aber unterwegs sein", so fasste Bischof Wilmer sein Verständnis von Kirche zusammen.

 

Beim Blick in den St.-Paulus-Dom bekannte er: "Wenn ich Sie alle hier im St.-Paulus-Dom zu Münster anschaue, brennt auch mir das Herz." Er danke Gott, dem Domkapitel, den Verantwortlichen der Bischofssuche und Papst Leo "für sein Zutrauen".

Papst Leo XIV. und Felix Genn, emeritierter Bischof von Münster / © Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. und Felix Genn, emeritierter Bischof von Münster / © Romano Siciliani ( KNA )

Respekt vor dem Gewachsenen

Zugleich schlug der neue Bischof einen Bogen zur Geschichte und zur Gegenwart des Bistums. "Verehrter Bischof Genn, lieber Felix", richtete er sich an seinen Vorgänger, "mit großer Sympathie und Dankbarkeit sowie mit Respekt und Ehrfurcht, schaue ich auf die Spuren, die du im Bistum hinterlassen hast." 

Dass die Ernennung auf den Gedenktag des heiligen Liudger fiel, dem ersten Bischof von Münster, nannte er passend. Über den Bistumspatron sagte er: "Ich sehe keinen lauten Mann. Ich sehe einen ruhigen, bedächtigen Brückenbauer."

Maria Euthymia als Gegenbild

Besonders persönlich wurde die Ansprache, als der neue Bischof über seine Vorbilder sprach. Neben Clemens August Kardinal von Galen nannte er Schwester Maria Euthymia, die für ihn seit langem eine prägende Gestalt ist. "Seit Jahrzehnten bin ich jedes Jahr wenigsten einmal an ihrem Grab auf dem Zentralfriedhof hier in Münster", sagte er. 

Noch am Vorabend sei er wieder dort gewesen und habe eine Kerze entzündet. In der Schwester sehe er eine "radikale Menschenfreundlichkeit"; in einer Zeit der Ausgrenzung setze sie das Zeichen: "Die Liebe darf keine Grenzen kennen. Heiligkeit beginnt dort, wo ein Mensch für den anderen gut ist." Maria Euthymia stehe für ihn "für eine Kirche die nicht herrscht, sondern dient, für Vertrauen statt Kontrolle für Wertschätzung statt Bewertung". 

Daraus leitete er auch eine klare Konsequenz für den Umgang mit Missbrauch innerhalb der Katholischen Kirche ab: "Das alles darf es nie wieder geben und ich werde mich mit aller mir zu Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist."

Bischof Wilmer über die selige Schwester Maria Euthymia

"Für eine Kirche die nicht herrscht, sondern dient, für Vertrauen statt Kontrolle für Wertschätzung statt Bewertung."


Abschied von Hildesheim und ein Blick nach vorn

Sichtlich berührt sprach Wilmer zum Schluss auch über seinen Abschied aus Hildesheim. "Die Menschen im östlichen Teil Niedersachsens sind mir nahe und vertraut geworden", sagte er. Zugleich blickte er nach vorn: "Jetzt gehe ich im Vertrauen auf Gott und die Menschen." Auch sein neues Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in das er vor vier Wochen gewählt wurde, nehme er gern an. 

St. Michaelis in Hildesheim / © Sina Ettmer Photography (shutterstock)
St. Michaelis in Hildesheim / © Sina Ettmer Photography ( shutterstock )

Mit Blick auf seinen Weg in Münster sagte er: "Alles in allem: Ich bin mir sicher und ich bin davon überzeugt, dass ich auch hier im Bistum Münster Menschen finden werde, die mit mir gehen, die mich tragen, mit denen ich gemeinsam unterwegs sein darf - wie die Emmausjünger, Schulter an Schulter. Besonders an der Seite derer, deren Herzen verwundet sind." 

Die größte Attraktivität der Botschaft des Evangeliums sei für ihn: "Gott hat ein Herz für die Welt." Den Gläubigen im Paulusdom rief er schließlich zu: "Ich freue mich auf Sie, und zwar auf Sie alle", verbunden mit der Hoffnung: "Und vielleicht: Eines Tages werden wir zurückblicken auf unseren gemeinsamen Weg und wir werden uns fragen: Mein Gott, brannte nicht unser Herz?"

Quelle:
DR

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