Nach Paderborner Missbrauchsstudie melden sich weitere Betroffene

40 Meldungen

Vor etwa zwei Wochen haben Forscherinnen der Universität Paderborn eine Aufarbeitungsstudie zu sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn vorgelegt. Nun haben sich weitere Betroffene gemeldet, was Anfragen an Gemeinden auslöst.

Paderborner Dom / © Erika Rebmann (KNA)
Paderborner Dom / © Erika Rebmann ( KNA )

Seit der Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie für das Erzbistum Paderborn haben sich weitere Betroffene gemeldet. Nach dem 12. März sind bei der Interventionsstelle des Erzbistums 40 Meldungen eingegangen, wie die Erzdiözese der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch mitteilte.

Diese umfassten allgemeine Nachfragen zu Sachthemen und Meldewegen sowie Nachfragen zu möglichen Betroffenen aus dem familiären Umfeld. "Ebenso gingen Beschuldigungen ein, darunter sowohl Neumeldungen als auch Vorwürfe im Zusammenhang mit bereits bekannten Fällen." Darüber hinaus gebe es Anfragen zur Situation in einzelnen Gemeinden.

Neben der Interventionsstelle des Erzbistums können sich Betroffene an zwei unabhängige Ansprechpersonen sowie an die Betroffenenvertretung wenden. Seit der Veröffentlichung gab es der Erzdiözese zufolge vier Meldungen bei den Ansprechpersonen. Zudem berichtete das "Westfalen-Blatt", dass sich 22 Betroffene oder deren Angehörige neu bei der Betroffenenvertretung gemeldet hätten. Das Erzbistum wies darauf hin, dass sich Betroffene zum Teil an unterschiedliche Stellen wenden.

Studie beleuchtet Hellfeld

Eine Studie der Universität Paderborn hatte sexualisierte Gewalt im Erzbistum Paderborn beleuchtet. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Amtszeiten der beiden inzwischen gestorbenen Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt zwischen 1941 und 2002. Die Autorinnen fanden Hinweise auf 210 beschuldigte Kleriker und 489 Betroffene. Dies sei jedoch nur das Hellfeld.

Die Forscherinnen sprechen von systematischer Vertuschung und mangelnder Aufarbeitung durch die beiden Kardinäle. Betroffene hätten in einem Klima aus Schweigen, Leugnung und Feindseligkeit gelebt.

Erzbistum Paderborn

Rund 4,8 Millionen Menschen leben im Erzbistum Paderborn, davon sind mehr als 1,25 Millionen katholisch. Das Erzbistum gliedert sich in 19 Dekanate mit 597 Pfarrgemeinden in 107 Seelsorgeeinheiten (Pastorale Räume / Pastoralverbünde / Gesamtpfarreien). 

Erzbistum Paderborn / © Bernd Thissen (dpa)
Erzbistum Paderborn / © Bernd Thissen ( dpa )
Quelle:
KNA