Stadt Paderborn will Kardinäle Jaeger und Degenhardt nicht mehr ehren

Folgen der Missbrauchsstudie

Eine kürzlich veröffentlichte Studie wirft den früheren Paderborner Kardinälen Lorenz Jaeger und Johannes Degenhardt systematische Vertuschung von sexuellem Missbrauch vor. Nun will die Stadt Paderborn Konsequenzen ziehen.

Blick auf den Paderborner Dom  / © Borisb17 (shutterstock)
Blick auf den Paderborner Dom / © Borisb17 ( shutterstock )

Nach Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie sollen in Paderborn der Kardinal-Degenhardt-Platz und die Kardinal-Jaeger-Straße umbenannt werden. Wie das "Westfalen-Blatt" am Donnerstag berichtete, kündigte Bürgermeister Stefan-Oliver Strate (CDU) an, entsprechende Vorschläge nächste Woche in die politischen Gremien einzubringen. 

Die Zustimmung der Lokalpolitik gilt der Zeitung zufolge als sicher. "Das Ausmaß und der Umfang des Missbrauchs sowie die hohe Betroffenheit gebieten es, Entscheidungen nicht zu verzögern", sagte Strate. Die Verwaltung werde auch vorschlagen, sich von der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an die beiden Kardinäle zu distanzieren. Eine Aberkennung der Ehrenbürgerwürde sei rechtlich nicht möglich, da diese mit dem Tod der Geehrten erlösche. 

Studie berichtet von Klima des Schweigens

Die in der vergangenen Woche vorgestellte Studie der Universität Paderborn hatte den Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn in der Amtszeit der beiden inzwischen gestorbenen Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt zwischen 1941 und 2002 untersucht. 

Kardinal Johannes Joachim Degenhardt / © Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Johannes Joachim Degenhardt / © Romano Siciliani ( KNA )

Die Autorinnen fanden Hinweise auf 210 beschuldigte Kleriker und 489 Betroffene und sprechen von systematischer Vertuschung und mangelnder Aufarbeitung. Betroffene hätten in einem Klima aus Schweigen, Leugnung und Feindseligkeit gelebt. Bürgermeister Strate lobte die Untersuchung als wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung. Die Stadt unterstütze die Zusammenarbeit des Erzbistums mit den Betroffenen.

Erzbistum Paderborn

Rund 4,8 Millionen Menschen leben im Erzbistum Paderborn, davon sind mehr als 1,25 Millionen katholisch. Das Erzbistum gliedert sich in 19 Dekanate mit 597 Pfarrgemeinden in 107 Seelsorgeeinheiten (Pastorale Räume / Pastoralverbünde / Gesamtpfarreien). 

Erzbistum Paderborn / © Bernd Thissen (dpa)
Erzbistum Paderborn / © Bernd Thissen ( dpa )
Quelle:
KNA