Katholischer Friedensforscher hält Iran-Angriff für nicht legitim

"Völkerrechtlich und ethisch nicht gerechtfertigt"

Kann es einen Frieden per Bombe geben? Der Konfliktforscher Christian Braun sagt, dass der Angriff auf den Iran die Regeln für weltweiten Frieden untergräbt. Warum bewertet er den Krieg anders als den in der Ukraine?

Iran, Teheran: Trümmer bedecken das Gelände der 12.000 Zuschauer fassenden Halle im Azadi-Sportkomplex in der iranischen Hauptstadt, nachdem eine Reihe von Angriffen seitens der USA und Israels die Anlage zerstört haben / © Stringer (dpa)
Iran, Teheran: Trümmer bedecken das Gelände der 12.000 Zuschauer fassenden Halle im Azadi-Sportkomplex in der iranischen Hauptstadt, nachdem eine Reihe von Angriffen seitens der USA und Israels die Anlage zerstört haben / © Stringer ( dpa )

Der militärische Angriff der USA und Israels auf den Iran ist nach Einschätzung eines katholischen Friedensforschers sowohl völkerrechtlich als auch ethisch nicht gerechtfertigt. "Aus beiden Perspektiven ist dieser Krieg nicht legitim", sagte der Leiter des Hamburger Instituts für Theologie und Frieden, Christian Braun, der "Neuen Kirchenzeitung". Die Einrichtung wird von der Katholischen Militärseelsorge getragen.

Braun verwies darauf, dass die Lehre der katholischen Kirche großen Wert auf das Völkerrecht lege. "Dahinter steht der Wunsch, dass man einen weltweiten Frieden durch eine regelbasierte Ordnung herstellen kann." Diese werde untergraben, wenn Staaten eigenmächtig militärische Gewalt anwenden. Auch aus friedensethischer Sicht seien zentrale Voraussetzungen für einen sogenannten gerechten Krieg nicht erfüllt.

Klare Kriterien für einen gerechten Krieg

Demnach müsse Gewaltanwendung unter anderem durch eine legitime Autorität beschlossen werden, einen gerechten Grund haben, verhältnismäßig sein und als letztes Mittel eingesetzt werden. Diese und weitere Kriterien müssten alle erfüllt sein, betonte Braun. Als gerechtfertigt gelte nach katholischer Lehre grundsätzlich nur Selbstverteidigung oder unter strengen Bedingungen eine humanitäre Intervention.

Eine dicke Rauchwolke steigt aus einem Öllager auf, das am späten Samstag in Teheran, Iran, von einem US-israelischen Angriff getroffen wurde / © Vahid Salemi/AP (dpa)
Eine dicke Rauchwolke steigt aus einem Öllager auf, das am späten Samstag in Teheran, Iran, von einem US-israelischen Angriff getroffen wurde / © Vahid Salemi/AP ( dpa )

Im Fall des Irans handele es sich jedoch nicht um Selbstverteidigung, sondern um einen Präventivkrieg. Dieser unterscheide sich von einem präemptiven Schlag dadurch, dass kein unmittelbar bevorstehender Angriff vorliege. "Nach allem, was wir wissen, stand der Iran nicht kurz davor, Atomwaffen zu besitzen", sagte Braun. Zudem fehle eine klare Zielperspektive, was ebenfalls gegen die Rechtmäßigkeit spreche.

Schutz der Bevölkerung ist keine Rechtfertigung

Auch eine mögliche Rechtfertigung durch den Schutz der Bevölkerung im Iran greift aus Sicht des Friedens- und Konfliktforschers nicht. Eine solche humanitäre Intervention wäre nur mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrats völkerrechtlich legitim. Zudem warnte Braun vor einem Missbrauch dieses Arguments: Staaten könnten sonst militärische Eingriffe beliebig als Schutzmaßnahmen deklarieren.

Der Friedensforscher sieht in der aktuellen Situation ein ethisches Dilemma. Einerseits sei aus christlicher Sicht ein politischer Wandel im Iran wünschenswert, andererseits dürften dafür nicht grundlegende Regeln des Völkerrechts aufgegeben werden.

Ukraine-Krieg bewertet Braun anders

Im Unterschied dazu bewertet Braun den Krieg in der Ukraine klar anders. Hier liege ein Fall legitimer Selbstverteidigung vor, der sowohl völkerrechtlich als auch ethisch eindeutig sei.

Quelle:
KNA