Tierschützer zeigt sich von Uhu-Rettung aus Marburger Kirchturm bewegt

"Das Weibchen trauert noch"

Das Schicksal der Uhus der Marburger Elisabethkirche nimmt die Menschen mit. Da der Uhu-Papa nicht zur Fütterung zurückgekehrt war, drohten die Jungtiere zu verhungern. Doch dann griffen Tierschützer ein. Obwohl das ungewöhnlich ist.

Autor/in:
Carsten Döpp
Symbolbild Eulenküken / © Pavlo Burdyak (shutterstock)
Symbolbild Eulenküken / © Pavlo Burdyak ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Sie haben die Situation der Brut über eine Webcam verfolgen können. Grundsätzlich gilt im Naturschutz aber das Prinzip, sich nicht einzumischen. Wildtiere sollen sich ohne menschliche Eingriffe entwickeln. Warum haben Sie jetzt doch eingegriffen? 

Hartmut Möller (Naturschutzbund Deutschland Marburg / NABU): Das ist erst einmal richtig. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist ein Eingriff untersagt. Nur in ganz besonderen und dringenden Hilfe-Fällen ist es überhaupt erlaubt. Darüber mussten wir nun entscheiden. Die Situation war sehr schwierig. Das Uhu-Männchen ist seit zwei Tagen nicht mehr mit Futter gekommen. Bei Uhus gibt es eine klare Aufteilung: das Weibchen brütet, das Männchen muss das Futter bringen. Wir waren erstaunt, als das Uhu-Männchen nicht mehr mit Futter kam. 

DOMRADIO.DE: Und warum sucht das Weibchen dann nicht nach Nahrung?

Möller: Das Problem ist, dass wir hier in Marburg nachts noch Temperaturen um die Null Grad haben. Wenn das Weibchen selber auf Jagd ginge und eine halbe Stunde oder länger unterwegs wäre, bekämen die Küken dort oben im Kirchturm in 60 Metern Höhe eine Unterkühlung und könnten nicht überleben. 

Hartmut Möller

"Wir haben die Küken in eine Station gebracht, die auf die Aufzucht von Wildvögeln spezialisiert ist. Dort sind sie jetzt in guten Händen"

DOMRADIO.DE: Sie konnten die Tiere also auf 60 Metern Höhe aus dem Südturm der Kirche retten und bergen. Wie geht es den kleinen Uhus jetzt? Wo und wie werden sie versorgt? 

Übergabe der Uhu-Küken an Marina Hansen zum Transport zur Wildvogelstation (v.l.n.r: Hartmut Möller, Marina Hansen, Sebastian Anhäuser – NABU Marburg)
 / © Maik Dobbermann (NABU Marburg)
Übergabe der Uhu-Küken an Marina Hansen zum Transport zur Wildvogelstation (v.l.n.r: Hartmut Möller, Marina Hansen, Sebastian Anhäuser – NABU Marburg) / © Maik Dobbermann ( NABU Marburg )

Möller: Wir mussten sehr spontan eine Rettungskette einsetzen, als wir diesen Entschluss gefasst und auch die Genehmigung dazu bekommen hatten. Biologen des NABUs haben die Uhu-Küken unter fachkundiger Anleitung aus dem Nistkasten in warme Säckchen und in eine Wärmekiste gepackt und dann zum Boden gebracht. Vor Ort am Kirchplatz war auch eine Biologin, die dann sofort zugefüttert hat. Danach konnte der Transport beginnen und wir haben die Küken in eine Station gebracht, die auf die Aufzucht von Wildvögeln spezialisiert ist. Dort sind sie jetzt in guten Händen.

Hartmut Möller

"Im Moment trauert das Weibchen. Es sitzt noch in dem Kasten und ruft nachts nach dem Männchen"

DOMRADIO.DE: Was meinen Sie, wird der Nistkasten im Turm der Elisabethkirche wieder von einem Uhu-Pärchen angenommen? 

Möller: Wir beobachten nun erst einmal. Auch wenn die Webcam für die Öffentlichkeit ausgeschaltet ist, haben wir weiterhin Zugriff auf die Bilder. Im Moment trauert das Weibchen. Es sitzt noch in dem Kasten und ruft nachts nach dem Männchen. Es ist natürlich auch für den Vogel eine dramatische Situation. 

Wenn das Uhu-Weibchen diesen Ort irgendwann verlässt, wird es sehr wahrscheinlich im nächsten Jahr wieder zu einer Brut dorthin kommen, falls das Weibchen einen neuen Partner findet – aber hier in der Magdeburger Region gibt es aber eigentlich genug Uhus. Die Uhus sind standorttreu und suchen sich immer wieder den gleichen Brutplatz aus. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

Quelle:
DR

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