Uhu-Küken in Marburger Kirchturm vor dem Hungertod gerettet

"Zustand ist nach derzeitigem Stand stabil"

Nachdem ein Uhu-Vater in Hessen sich nicht mehr um seine Familie gekümmert hat, sind Naturschützer eingeschritten. Offenbar gerade noch rechtzeitig. Damit gibt es doch noch ein Happy End für die beliebten Internetstars.

Die drei geretteten Küken / © Maik Dobbermann (NABU Marburg)
Die drei geretteten Küken / © Maik Dobbermann ( NABU Marburg )

Naturschützer haben in einem Kirchturm in Marburg drei Uhu-Küken vor dem Hungertod gerettet. Der für das Heranschaffen von Futter zuständige Vater war seit dem Wochenende nicht mehr aufgetaucht, wie der NABU mitteilte. Die drei Küken wurden behutsam aus dem Nistkasten entnommen, von einer Biologin gefüttert, in eine Wärmebox gesetzt und in eine Wildtierstation transportiert.

Übergabe der Uhu-Küken an Marina Hansen zum Transport zur Wildvogelstation (v.l.n.r: Hartmut Möller, Marina Hansen, Sebastian Anhäuser – NABU Marburg)
 / © Maik Dobbermann (NABU Marburg)
Übergabe der Uhu-Küken an Marina Hansen zum Transport zur Wildvogelstation (v.l.n.r: Hartmut Möller, Marina Hansen, Sebastian Anhäuser – NABU Marburg) / © Maik Dobbermann ( NABU Marburg )

"Zum Zeitpunkt der Bergung waren die Küken bereits deutlich geschwächt, ein Tier zeigte Anzeichen von Unterkühlung und Apathie", berichteten die Naturschützer. Die Jungtiere wurden in eine spezialisierte Wildvogel-Aufzuchtstation gebracht. "Dort werden die Küken zunächst in Brutkästen stabilisiert, tiermedizinisch untersucht und weiter versorgt. Ihr Zustand ist nach derzeitigem Stand stabil."

Eine Ammen-Eule springt jetzt ein

Die Uhu-Brut in der Elisabethkirche wurde dieses Jahr erstmals im Internet übertragen und löste Hunderttausende Klicks in aller Welt aus. Der Nistkasten hatte ursprünglich Wanderfalken anlocken sollen.

Nach der Rettung ist nun in den kommenden Tagen die Integration in eine bestehende Uhu-Aufzucht vorgesehen. Die Küken sollen einem erfahrenen Ammen-Weibchen namens Momo anvertraut werden, das sich bereits vielfach als zuverlässige und erfolgreiche Uhu-Mutter erwiesen habe und regelmäßig mehrere Jungtiere großziehe. "Die Aufzucht der drei Küken erfordert dabei einen erheblichen Aufwand." Allein die Futterkosten belaufen sich nach Angaben der Pflegestation auf rund 1.000 Euro pro Jahr, wie der Verband erläuterte.

Behörde hat rettenden Eingriff genehmigt

Warum das Männchen Hugo nicht mehr zur Versorgung des Nests über der Elisabethkirche gekommen sei, lasse sich nicht sicher sagen, so der NABU. Der rettende Eingriff sei eine bewusste Ausnahme mit Genehmigung der zuständigen Behörde gewesen. "Das Uhu-Weibchen Lisbeth wird mit Sicherheit irritiert gewesen sein, als sie den leeren Nistkasten vorgefunden hatte. Sie muss jetzt wieder selbst auf die Jagd gehen, um ihre eigene Versorgung wieder zu sichern."

Quelle:
KNA