Am Samstag wird Monaco im Ausnahmezustand sein, denn an diesem Tag besucht Papst Leo XIV. das Fürstentum. Das Medieninteresse ist groß, weiß der Priester Christian Venard. Er ist Ansprechpartner für die Presse im Erzbistum Monaco und erwartet neben dem Papst 400 bis 500 Medienvertreter.
Warum gerade Monaco?
Noch nicht mal ein Jahr ist Leo XIV. im Amt und bisher hat er noch kaum Reisen unternommen. Da ist es für viele verwunderlich, dass er sich gerade diesen Zwergstaat als Reiseziel ausgesucht hat. Noch dazu ist es das erste Mal überhaupt, dass ein Papst nach Monaco reist – bis auf einen Zufallsbesuch im 16. Jahrhundert.
Warum also gerade Monaco? "Das ist eine sehr gute Frage. Die müssten Sie eigentlich dem Papst selbst stellen", lacht Venard.
Der Priester ordnet den Besuch von Leo XIV. in einen größeren historischen Zusammenhang ein. Denn das Staatsoberhaupt, Fürst Albert II., bemüht sich bereits seit 20 Jahren um eine solche Papstreise. Er hatte bereits Benedikt XVI. und Franziskus eingeladen – vergebens. "Zwischen dem amerikanischen Papst und Fürst Albert II. gibt es nun eine besondere Verbindung", vermutet der monegassische Priester, denn Alberts Mutter habe amerikanische Wurzeln. Im Januar sprach der Fürst von Monaco daher auch Papst Leo XIV. seine offizielle Einladung aus – und zu aller Überraschung nahm dieser sie sehr schnell an.
Mit Freude, Stolz und Demut
Nur fünf Wochen blieben den Monegassen also, um den Besuch des Papstes vorzubereiten. Ein Kraftakt, gibt Venard zu. Aber dennoch blicken die Einwohner des Fürstentums "mit viel Freude, Stolz, aber auch mit Demut" auf den 28. März.
"Wir sind sehr stolz auf unser Land. Aber wir sind trotzdem eines der kleinsten Länder der Erde und so sind wir uns der Ehre sehr bewusst, dass der Papst gerade uns besucht." Monaco ist nach dem Vatikanstaat der zweitkleinste Staat der Erde, mit rund 38.500 Einwohnern. Etwa 75 Prozent davon sind katholisch, Staatsreligion ist der Katholizismus.
Eng getaktetes Programm
Die Ankunft des Papstes ist für 9 Uhr geplant. Zunächst wird er im Palast von Fürst Albert II. willkommen geheißen. Im Anschluss wird Leo XIV. um 11 Uhr das Stundengebet in der Kathedrale von Monaco feiern. Auf diesen Moment freut sich Venard besonders, denn daran darf auch er teilnehmen. "Als Priester und gläubiger Christ erhoffe ich mir vom Papstbesuch, dass er uns aufrüttelt, dass er mich in meinem Glauben bekräftigt und mich innerlich bekehrt, damit ich in Zukunft ein noch besserer Katholik und Priester sein kann."
Nach dem Gebet in der Kathedrale ist eine Begegnung mit den Jugendlichen und Katechumenen der Diözese geplant. "Dieser Programmpunkt war der ausdrückliche Wunsch des Papstes", betont Venard. Ein Viertel der monegassischen Bevölkerung ist unter 24 Jahre alt. Zu ihnen will Leo XIV. persönlich sprechen.
Schließlich feiert der Papst um 15.30 Uhr eine große Messe im Stadion Louis II., woran etwa 15.000 Menschen teilnehmen können. Die begehrten Sitzplätze wurden zuerst an die Einwohner von Monaco vergeben. Übrige Plätze können über www.papemonaco2026.mc gebucht werden – für alle, die den Papstbesuch als Anlass nehmen wollen, auch einmal in das Land der Reichen und Schönen zu reisen. Dazu lädt Venard ausdrücklich ein.
An vielen Orten werden außerdem große Bildschirme zur Übertragung aufgestellt, es gibt sogar "Fan-Zonen" und man kann dem Papst zujubeln, wenn er mit dem Papamobil durch die Stadt fährt.
Kritik und Monaco-Bashing
Doch es gibt auch kritische Stimmen, die sich fragen, warum der Papst gerade in ein Land reist, das für seine Milliardäre bekannt ist. "Wissen Sie, wir sind das Monaco-Bashing schon gewohnt", antwortet Venard und betont: "Wenn der Papst an einen Ort kommt, dann spendet er seinen Segen nicht politischen Systemen. Er begegnet zuallererst einem Volk, und in diesem Volk begegnet er den Gläubigen."
Wenn man in Monaco in die Kirchen gehe, begegne man ganz normalen Menschen, betont der Diözesanvertreter. Es gebe nicht nur Reiche im Fürstentum – und selbst diese dürften evangelisiert werden. "Denn auch sie haben eine Seele. Auch sie müssen die gute Nachricht Christi und seine Aufforderung zum Teilen und zu sozialer Gerechtigkeit hören", bekräftigt Venard.
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"
Das Motto für den Papstbesuch ist der Vers aus dem Johannesevangelium: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben". Für Venard zeigt sich darin die Ausrichtung des Tages: "Wir sollten uns nicht täuschen: Natürlich werden wir dem Papst zujubeln, aber der, den wir durch ihn wirklich feiern, ist Christus selbst", so der Priester.
Leo XIV. reist in ein Land, dessen Staatsreligion der Katholizismus ist. Die Kirche vor Ort sei deswegen stark institutionalisiert, gibt Venard zu. "Unsere Kirche hat es nötig, ein wenig aufgerüttelt zu werden. Ich denke, dass Seine Heiligkeit uns dazu einladen wird, unseren missionarischen Elan zu erneuern."
Wenn der Papst dann um 17.35 Uhr mit dem Helikopter wieder abreist, wird er sicher tiefe Spuren in den Herzen der Monegassen hinterlassen haben. Das zumindest erhofft sich der Priester Christian Venard.