Es ist ein zentrales Glaubensgeheimnis in der Katholischen Kirche: Maria empfängt Jesus vom Heiligen Geist. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es wörtlich: "Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“. Damit ist allerdings keine Götter-Zeugung wie bei Göttersöhnen in diversen hellenistisch-römischen Legenden von Alexander oder Augustus gemeint.
Das Neue Testament meint eine Geistschöpfung, bei der nicht das "Wie" der Entstehung, sondern das "Wozu" im Vordergrund steht, wie es der Theologe Joachim Kügler ausdrückt. Jesus ist der Sohn Gottes – diese Überzeugung drückt sich biblisch darin aus, dass er nicht nur von Gott erwählt wurde, sondern dem schöpferischen Wirken des göttlichen Geistes seine menschliche Existenz verdankt.
Maria und der Heilige Geist
Seine Geburtsankündigung ist Grundlage des Hochfestes am 25. März. Zentral ist das Lukasevangelium, das im ersten Kapitel berichtet, wie ein Engel die Jungfrau Maria besucht: "Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“ Auf den Einwand, dass sie ja bislang nur verlobt sei, sagt der Engel laut Lukasevangelium: "Heiliger Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“
Das Fest heißt erst seit rund 55 Jahren "Verkündigung des Herrn“ und konzentriert sich so mehr auf Jesus Christus und die Umstände seiner Zeugung und seiner Geburt neun Monate später. Vorher wurde der 25. März als "Verkündigung der seligen Jungfrau Maria", lateinisch "Annuntiatio beatae Mariae virginis" bezeichnet.
Dadurch lag der Fokus mehr auf Maria. Das bringt eine noch größere gedankliche Nähe mit erheblichem Missverständnis-Potential zum Fest "Mariä Empfängnis" am 8. Dezember.
Das liegt immer in der Adventszeit und bringt so eine gewisse Nähe zur Geburt von Jesus Christus, der ja seine Existenz Maria und dem Wirken des Heiligen Geistes verdankt. "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“, so heißt es offiziell. Und doch trennen beide beim Thema Empfängnis in gewisser Weise Welten. Das Hochfest am 8. Dezember hat nicht die biologische Zeugung der Maria durch ihre leiblichen Eltern zum Gegenstand. Sie ist ein "normaler" Mensch mit leiblichen Eltern, die gemäß der Tradition, aber außerhalb des biblischen Zeugnisses, Anna und Joachim genannt werden.
Dogma zur unbefleckten Empfängnis
Aber weil sie "Ja" sagt zur Botschaft des Engels, dass sie den Sohn Gottes gebären soll, nimmt sie in der Überzeugung der Katholischen Kirche eine Sonderstellung in Bezug auf die Erbsünde ein. Nach der katholischen Lehre hat Gott Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins vor der Erbsünde bewahrt. Das heißt, dass die sonst alle Menschen treffende Erbsünde bei Maria als göttliches Gnadengeschenk ausgenommen ist. Ihre Existenz ist also von der Erbsünde "unbefleckt", ohne dass dies biologisch gemeint ist.
Letztlich geht es beim 8. Dezember also gar nicht um die Entstehung der Maria im biologischen Sinne, während der 25. März durchaus die Umstände der Zeugung ("Heiliger Geist wird über dich kommen") von Jesus Christus thematisiert.
Für die Glaubensüberzeugung, dass Maria ohne Erbsünde ist, wurde im Jahr 1854 sogar ein eigenes Dogma durch Pius IX. verkündet. Maria wurde demnach im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers, vor jedem Makel der Erbsünde bewahrt. Erbsünde meint im heutigen Verständnis weniger eine - wie in der Tradition - von Eva und Adam an alle Menschen vererbte Schuld, sondern die Verstrickungen des Menschen in der konkreten Welt. Oder wie es Joseph Ratzinger bereits 1971 formuliert: "Niemand hat die Möglichkeit, an einem perfekten 'Punkt Null' anzufangen und sein Gutes in völliger Freiheit zu entwickeln."
Parallelen und entscheidende Unterschiede
Beim genaueren Hinsehen unterscheiden sich beide Feste also in der Tat deutlich und doch gibt es einige Parallelen: Am 8. Dezember wird in der Messe der gleiche Ausschnitt aus dem Lukasevangelium wie beim 25. März verlesen, nämlich das erste Kapitel, die Verse 26 bis 38.
Beide Feste durchbrechen zudem in der Regel die Fasten- oder Adventszeit, weichen also in der Feier des Gottesdienstes von den sonstigen Eucharistiefeiern der Zeiten ab und beinhalten zum Beispiel den "Gloria"-Gesang nach dem Kyrie.
Allerdings kann es beim Hochfest Verkündigung des Herrn passieren, dass es in die Karwoche und damit kurz vor Ostern fällt. Da auch die Osteroktav in der liturgischen Ordnung höher steht, wird das Fest in diesem Fall um etwa zwei Wochen verschoben.
In diesem Jahr wird das Hochfest aber am 25. März gefeiert, dann kommt mitten im anbrechenden Frühling und in der Fastenzeit schon etwas Weihnachtsgefühl auf. Denn in neun Monaten ist schon Weihnachten!
Info: DOMRADIO.DE überträgt am Hochfest Verkündigung des Herrn um 18:30 Uhr das Hochamt aus dem Kölner Dom mit Domdechant Robert Kleine in Ton und Bild. Hoonbyeong Chae gestaltet den Gottesdienst musikalisch an der Orgel.