Das Hochfest Verkündigung des Herrn wurde bereits im 6. Jahrhundert in Konstantinopel gefeiert und ist seit dem 7. Jahrhundert auch in Rom belegt. Während es in den Kirchen der Orthodoxie zu den zwölf Hauptfesten zählt, erhielt es in der Westkirche erst mit der Erneuerung der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil den Rang eines Hochfestes. Auch wurde mit der Namensänderung von "Mariä Verkündigung" zu "Verkündigung des Herrn" der inhaltliche Schwerpunkt verlegt.
Domdechant Kleine hob in seiner Predigt das Erschrecken Marias über die Botschaft des Engels als entscheidenden Moment des Glaubens hervor. Maria sei keine souveräne Heldin, sondern eine junge Frau, die angesichts ihrer Berufung innehalte, frage und ringe. Ihr "Ja" komme nicht spontan, sondern wachse im Dialog mit Gott. Gerade dieses Erschrecken eröffne den Raum, in dem Neues möglich werde.
Auch Gläubige dürften sich vom Wort Gottes herausfordern lassen, ja sogar erschrecken, ohne die Hoffnung zu verlieren. Wichtig sei, nachzufragen, auf Gott zu hören und schließlich zu vertrauen: "Für Gott ist nichts unmöglich." Maria zeige, dass ein Leben aus diesem Vertrauen nicht frei von Krisen sei, aber getragen werde, wenn das Wort Gottes im Herzen bewahrt werde.
Evangelium zum Hochfest Verkündigung des Herrn: Lukas 1,26-38
In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger wer den und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.
Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.
Danach verließ sie der Engel.
(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)