Leiter des Katholischen Büros Mainz hält große Stücke auf Schnieder

"Er ist kein lauter Typ, eher sachlich"

Rheinland-Pfalz hat gewählt. Voraussichtlich wird der CDU-Spitzenkandidat und Katholik Gordon Schnieder neuer Ministerpräsident. Der Leiter des Katholischen Büros in Mainz, Dieter Skala, hat seinen politischen Werdegang verfolgt.

Autor/in:
Carsten Döpp
Gordon Schnieder / © Andreas Arnold (dpa)
Gordon Schnieder / © Andreas Arnold ( dpa )

DOMRADIO.DE: Noch ist Gordon Schnieder selbst für viele Rheinland-Pfälzer ein unbeschriebenes Blatt. Wie gut kennen Sie Gordon Schnieder? 

Dieter Skala (Leiter des Katholischen Büros in Mainz): Ich kenne ihn seit seiner ersten Wahl in den Landtag von Rheinland-Pfalz im Jahr 2016. Damals kam er als junger Abgeordneter zu einem Kennenlernbesuch zu uns ins Katholische Büro. Wie es dann so ist, verfolgt man die wechselseitigen Wege. In diesem Fall habe ich seinen politischen Weg natürlich mit Interesse verfolgt. Und es ging rasch aufwärts mit ihm: Schon 2021 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Dann wurde er Generalsekretär seiner Partei, 2023 Fraktionsvorsitzender und schließlich auch Parteivorsitzender und Spitzenkandidat. Und bald wird er Ministerpräsident sein. 

Er ist kein lauter Typ, eher sachlich. Seine Kolleginnen und Kollegen aus der aktuellen Landtagsfraktion beschreiben ihn als freundlich und zugleich sehr klar, wenn er von etwas überzeugt ist. Also auch durchsetzungsstark. Ich finde, Gordon Schnieder kann zudem gut zuhören. Er hat nicht direkt vorgefasste Meinungen. Er ist fröhlich, verbindlich und vor allem zuverlässig. Er sagt selbst über sich, er sei ein Familienmensch. 

Beeindruckt hat mich am Wahlabend sein Dank an die demokratischen Mitbewerber für den fairen Wahlkampf. Außerdem hat er Alexander Schweitzer für dessen Arbeit als Ministerpräsident gedankt. 

Dieter Skala

"Wer mit ihm zu tun hat, merkt, dass ihn sein Glaube stärkt"

DOMRADIO.DE: Schnieder ist bekennender Christ und Katholik und war früher auch Messdiener. Der Besuch des Sonntagsgottesdienstes gehöre bei ihm zum normalen Ablauf immer dazu. Wenn die Kirche für ihn so prägend ist, macht das Ihre künftige Zusammenarbeit einfacher? 

Skala: Er kommt aus der Eifel, einer typisch katholischen Gegend. Sein Mitwirken in der Kirche hat wohl früh eingesetzt, er war in liturgischen Diensten und in den Gremien seiner Heimatpfarrei tätig. Wenn man mit ihm zu tun hat, merkt man, dass ihn sein Glaube stärkt. Das ist übrigens auch bei Alexander Schweitzer der Fall. 

Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz / © Peter Jülich (epd)
Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz / © Peter Jülich ( epd )
Alexander Schweitzer (SPD)

Ich bin mir sicher, dass auch Menschen, die nicht seinen Glauben teilen, bei ihm Gehör finden werden. Für uns als Kirche ist es natürlich gut, auf diese gemeinsame Grundlage zurückgreifen zu können. Aber das war auch in den bisherigen Gesprächen schon so. Im Übrigen haben sich sowohl CDU als auch SPD in ihren Wahlaussagen klar zur gesellschaftlichen Bedeutung der Kirchen geäußert. Das wird sich auch in der Arbeit niederschlagen. 

Dieter Skala

"Die Zersplitterung und Ich-Bezogenheit weiter Teile unserer Gesellschaft darf sich nicht fortsetzen"

DOMRADIO.DE: Welche Themen sind aus Sicht der katholischen Kirche jetzt wichtig für Rheinland-Pfalz? Wo sehen sie den größten Handlungsbedarf? 

Skala: Ein Thema, das auch weit über Rheinland-Pfalz hinausgreift, ist natürlich der gesellschaftliche Zusammenhalt. Die Zersplitterung und Ich-Bezogenheit weiter Teile unserer Gesellschaft darf sich nicht fortsetzen. Deshalb ist es gut, zwei starke Parteien in der Mitte zu haben, die darauf achten werden. 

Insgesamt stehen wir vor der steten Herausforderung, unseren Sozialstaat zu gestalten. Wichtig ist der Bildungssektor – wenn die Vielfalt erhalten bleiben soll, benötigen beide Kirchen und alle freien Träger mehr Unterstützung. Das betrifft die Kita-Landschaft, das Schulwesen und die Hochschulen, wie die katholische Hochschule in Mainz, in der jährlich Hunderte Sozialpädagogen und Pflegekräfte ausgebildet werden. Es betrifft aber auch das Engagement in sozialen Bereichen wie Krankenhäusern, Beratungswesen, Altenpflege oder Migration. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

Quelle:
DR

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