Im Vatikan und vor allem bei Begegnungen mit dem Papst gelten bestimmte Regelungen für angemessene Kleidung. Das gilt auch für gekrönte Häupter und Politikerinnen und Politiker.
Bei ihrem Besuch im Mai 2003 bei Papst Johannes Paul II. trug sie ihn noch: Angela Merkel traf den damaligen Papst mit einem Schleier auf den Haaren und in dunkler Kleidung. Doch Angela Merkel lockerte im Laufe der Jahre ihr Outfit auf. Sie traf als Bundeskanzlerin im Vatikan Papst Benedikt und dann Franziskus. Stets war sie dunkel gekleidet, aber auf einen Schleier verzichtete die evangelische Christin.
Der ist bei Frauen schon lange nicht mehr vorgeschrieben, dennoch kommt er immer wieder zum Einsatz. So trug Melania Trump als Ehefrau von US-Präsident Donald Trump einen schwarzen Schleier beim Treffen mit Papst Franziskus.
Doch wie verbindlich oder sogar verpflichtend ist der Dresscode, wenn Regierungschefs und gekrönte Häupter in Privataudienz vom Papst empfangen werden?
Klar ist, dass sich in der Regel die Protokollinstanzen zwischen den Staatsoberhäuptern und des Heiligen Stuhls vorher austauschen, sagt Vatikan-Experte Ulrich Nersinger.
Pflicht oder nur Absprache?
Die Kommunikation zwischen dem Vatikan und der Öffentlichkeit sei diesbezüglich nicht klar, so Nersinger. Ein Problem ist demnach auch, dass die Stelle des Präfekten des Päpstlichen Hauses offiziell immer noch nicht wiederbesetzt ist, seit Erzbischof Georg Gänswein diese Position im Jahr 2023 verlassen hat. Das macht es auch für Experten wie Nersinger schwierig, klar zu sagen, was zum Beispiel beim Thema Kleidervorschriften aktueller Stand ist, was also verpflichtend vorgeschrieben ist und was nicht.
Es fällt auf, dass sich bei der Kleiderordnung einiges verändert hat – vor allem in den Jahren unter Franziskus. Dabei gibt es sowohl eher lockere Outfits als auch traditionsbewusste Kleidung.
Dass Letizia unter Franziskus' Nachfolger ein weißes Kleid getragen hat, folgt der Tradition. Denn es ist das besondere Privileg katholischer Fürsten- und Königshäuser, "dass die jeweilige Gattin des Fürsten oder Königs Weiß tragen darf.“, erklärte Nersinger gegenüber DOMRADIO.DE. Das sei eine besondere Auszeichnung und solle auch die enge Bindung dieser katholischen Fürsten und Königshäuser an den Papst ausdrücken. Das gelte neben Spanien beispielsweise auch für Belgien und Monaco.
Aber dass das Protokoll in den vergangenen Jahren doch nicht mehr so streng gehandhabt wurde oder mögliche Verstöße kein Problem mehr darstellten, zeigt die bisweilen "falsche" Farbwahl der Kleidung.
Als König Charles und seine Gattin kurz vor dessen Tod Papst Franziskus im Vatikan 2025 trafen, trug Camilla als Ehefrau des englischen Königs ein schwarzes Kleid ohne Schleier. Doch einige Jahre früher empfing der argentinische Papst die beiden, als Charles noch der Thronfolger war. Damals trug Camilla ein helles Kleid. Das Privileg einer Königin Letizia hat sie aber nicht, dennoch störte es damals offenkundig weder den Papst noch den Heiligen Stuhl.
Ohnehin war Franziskus auch beim eigenen Kleidungsstil eher einfach und trug zum Beispiel nicht die päpstliche Mozetta, das ist eine Art roter Schulterumhang, den eigentlich die Päpste regelmäßig tragen. Schon bei seinem ersten Auftritt als neugewählter Papst verzichtete Franziskus darauf. Sein Nachfolger Leo XIV. zog sie direkt bei seinem ersten öffentlichen Erscheinen nach seiner Wahl an und trägt sie seitdem regelmäßig.
Camilla als heutige Königsgattin ist aber längst nicht die einzige, die die vermeintlich nicht korrekte Farbe bei einer Privataudienz mit dem Papst getragen hat. Charlene von Monaco trug 2022 ein schwarzes Kleid, obwohl sie anders als Camilla das Privileg besitzt, in Weiß gekleidet den Papst zu treffen.
Den modischen Vogel schoss aber ausgerechnet die sonst für ihre Korrektheit bekannte englische Königin Elisabeth II. ab. Als Königin ist sie auch das weltliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Bei einem Besuch 2014 trug sie violette Kleidung. In dieser Farbe zeigen sich im Vatikan sonst nur Bischöfe und andere hohe katholische Würdenträger, monierten Kritiker anschließend. Allerdings trug die Queen ein sehr helles Violett. Ob die Farbe bewusst gewählt oder sogar eine Art Provokation gewesen sein soll, lässt sich im Nachhinein kaum sagen, aber auch dieser Besuch verlief in bester Stimmung und schien Franziskus nicht gestört zu haben. Dass Rania von Jordanien 2025 ein rosa Kleid wählte, fällt da schon fast nicht mehr ins Gewicht.
Ob Papst Leo bei der Kleiderordnung seiner Gäste bei Privataudienzen wieder strenger wird, lässt sich Stand jetzt nicht sagen. Das liegt zum einen an der Vakanz beim Präfekten des Päpstlichen Hauses und der mangelnden Kommunikation des Vatikans in diesen Fragen.
Doch weder ist denkbar, dass Frauen demnächst nur in dunklem Kleid mit Schleier vor den Papst treten dürfen, noch dass sämtliche Protokolle fallen und gekrönte Häupter in Freizeitkleidung dem Oberhaupt der Katholischen Kirche bei offiziellen Treffen begegnen.