Sarah Mullally tritt Amt als Erzbischöfin von Canterbury an

Erste Frau an der Spitze der englischen Kirche

Sarah Mullally, zuvor erste Bischöfin von London, wird offiziell Erzbischöfin von Canterbury. Als 106. Primas der anglikanischen Staatskirche von England schreibt sie Geschichte. In ihre neue Bischofsstadt war sie zuvor gepilgert.

Sarah Mullally, designierte Erzbischöfin von Canterbury, verteilt die Kommunion an die Gäste des Gottesdienstes im Berliner Dom / © Carsten Koall (dpa)
Sarah Mullally, designierte Erzbischöfin von Canterbury, verteilt die Kommunion an die Gäste des Gottesdienstes im Berliner Dom / © Carsten Koall ( dpa )

England hat nun erstmals offiziell eine anglikanische Erzbischöfin: Sarah Mullally (63), zuvor anglikanische Bischöfin von London, wird an diesem Mittwoch in der Kathedrale von Canterbury als Erzbischöfin installiert. Die 140 Kilometer von London in ihre neue Bischofsstadt hatte sie in den vergangenen Tagen als Pilgerweg zu Fuß zurückgelegt.

 Justin Welby, Erzbischof von Canterbury, steht in der Westminster Abbey an einer Kirchentür. / © Andrew Milligan (dpa)
Justin Welby, Erzbischof von Canterbury, steht in der Westminster Abbey an einer Kirchentür. / © Andrew Milligan ( dpa )

Als Nummer eins der Kirche von England folgt sie Erzbischof Justin Welby (70) nach. Als 106. Erzbischof von Canterbury bleibt die frühere Krankenpflegerin auch die höchstrangige weibliche Geistliche in der Geschichte der anglikanischen Staatskirche.

Mullally ist die erste Frau als Nachfolgerin des heiligen Augustinus von Canterbury, der um 597 von Papst Gregor I. nach England gesandt wurde, um die Angelsachsen zu missionieren. Er war der Gründer der englischen Kirche, die seit der Reformation im 16. Jahrhundert nicht mehr katholisch ist, sondern protestantisch wurde.

Kathedrale von Canterbury / © Alexey Fedorenko (shutterstock)
Kathedrale von Canterbury / © Alexey Fedorenko ( shutterstock )

Die gelernte Krankenpflegerin Mullally wechselte 1999 für fünf Jahre als Leiterin ins britische Gesundheitsministerium. 2001 erhielt sie die Diakonenweihe und 2006 die Priesterweihe. Im Juli 2015 wurde sie vom anglikanischen Primas Welby zur Bischöfin geweiht; in Exeter war sie Englands zweite Diözesanbischöfin. Seit 1987 ist Mullally verheiratet; sie hat zwei Kinder.

"The King's Bishop"

Als Bischöfin von London war sie seit 2017 nicht nur die Nummer drei in der anglikanischen Hierarchie nach den Erzbischöfen von Canterbury und York. Als einer von fünf "Geistlichen Lords" ist der Bischof von London geborenes Mitglied des Oberhauses. Zudem ist er auch Dekan der – rechtlich eigenständigen – königlichen Kapellen, was ihm einen privilegierten Zugang zur Royal Family gibt. Wegen dieser Nähe wird er auch als "the King's Bishop" bezeichnet.

Archiv: Herzogin Kate, heutige Prinzessin von Wales, unterhält sich mit Justin Welby, Erzbischof von Canterbury. / © Dominic Lipinski/PA-Pool/AP (dpa)
Archiv: Herzogin Kate, heutige Prinzessin von Wales, unterhält sich mit Justin Welby, Erzbischof von Canterbury. / © Dominic Lipinski/PA-Pool/AP ( dpa )

Einen Bericht über einen nicht vorschriftsgemäßen Umgang Mullallys mit einem Fall von sexuellem Fehlverhalten in ihrer Zeit als Dienstvorgesetzte in London verfolgte die Kirche von England nicht weiter. Zu Jahresbeginn wurde der Fall zu den Akten gelegt, zum Unmut von Opfervertretern.

Spaltung seit der Reformation

Die anglikanische Kirche entstand zur Zeit der Reformation in England. König Heinrich VIII. brach 1533 mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs zu annullieren. Als Oberhaupt einer neuen Staatskirche setzte sich Heinrich VIII. 1534 selbst ein. Weltweit zählt die anglikanische Kirche nach unterschiedlichen Angaben zwischen 77 und 85 Millionen Mitglieder.

Außerhalb Englands gibt es 42 anglikanische Kirchenprovinzen, darunter in den USA, Australien und in mehreren Ländern Afrikas, sowie fünf weitere Kirchen. Der englischen Mutterkirche steht der König als weltliches Oberhaupt vor. Geistliches Oberhaupt, Primas der Kirche von England sowie Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft ist der Erzbischof von Canterbury.

Königin Camilla und König Charles III., König des Vereinigten Königreichs, am 23. Oktober 2025 auf dem Weg zur Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom / © Daniel Ibanez/Vatican Pool/Romano Siciliani (KNA)
Königin Camilla und König Charles III., König des Vereinigten Königreichs, am 23. Oktober 2025 auf dem Weg zur Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom / © Daniel Ibanez/Vatican Pool/Romano Siciliani ( KNA )
König Charles III. ist das weltliche Oberhaupt der englischen Kirche

Eine Gruppe konservativer Anglikaner hat nach der Ernennung einer Frau zum Ehrenoberhaupt mit der Kirche von England und damit auch mit der anglikanischen Weltgemeinschaft gebrochen. Beim jüngsten Treffen der bereits 2008 gegründeten Global Anglican Future Conference (Gafcon) im nigerianischen Abuja sollte ursprünglich sogar ein Alternativ-Oberhaupt gewählt werden. Auf diesen Schritt verzichteten die 460 versammelten konservativen Kirchenvertreter jedoch letztlich.

Kathedrale von Canterbury

Die anglikanische Kathedrale von Canterbury bildet einen riesigen wie kunsthistorisch einzigartigen Baukomplex. Hier begann die Geschichte des Christentums in England; und hier ist bis heute das geistliche Zentrum.

Die anglikanische Kathedrale von Canterbury in der Grafschaft Kent ist die historisch bedeutendste Kirche der Britischen Inseln und die Mutterkirche des römischen Christentums in Großbritannien. Sie gehört zum Weltkulturerbe der Unesco.

Kathedrale von Canterbury / © Alexey Fedorenko (shutterstock)
Kathedrale von Canterbury / © Alexey Fedorenko ( shutterstock )
Quelle:
KNA