BDKJ baut Beratungsangebote für Wehrdienst-Betroffene auf

"Die klassische Reflexion des Gewissens"

"Wäre ich bereit, zur Waffe zu greifen, um mich verteidigen zu können?" Dies sei die Grundfrage, die sich Gläubige mit Blick auf den Wehrdienst stellen müssten, meint Stefan Dengel, Referent beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend.

Autor/in:
Hilde Regeniter
Junge Männer beim (freiwilligen) Wehrdienst / © Klaus-Dietmar Gabbert (dpa)
Junge Männer beim (freiwilligen) Wehrdienst / © Klaus-Dietmar Gabbert ( dpa )

DOMRADIO.DE: Noch ist die Wehrpflicht ausgesetzt, aber ab diesem Jahr wird eine Wehr-Erfassung vorgenommen. Was bedeutet das für die betroffene Generation?

Stefan Dengel (Referent für Soldat*innenfragen beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)): Das bedeutet zunächst einmal, dass alle jungen Menschen, die 18 werden, vom Verteidigungsministerium Post bekommen. Die Bundesregierung erhält wieder die Adressen der jungen Menschen. 

Die Männer müssen antworten, ob sie zur Bundeswehr möchten, mit einer Skala von 1 bis 10. Die Frauen dürfen das. Außerdem müssen sie auch Fragen dazu beantworten, wie fit sie sind und wie ihre Einstellung dazu ist. 

DOMRADIO.DE: Wie sehr sind Sie als zuständiger Referent gefragt? 

Dengel: Wir sind momentan eher im politischen Feld gefragt. Die letzten zehn Jahre hatten wir eine Gemengelage von Freiwilligendiensten: Bundesfreiwilligendienste, Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilliges Ökologisches Jahr und den Freiwilligen Wehrdienst. All das wird auf einmal in ein neues Konzept gepackt.

Stefan Dengel

 "Wir möchten, dass so viel Freiwilligkeit wie möglich für die jungen Menschen erhalten bleibt."

Das heißt, wir schauen zunächst einmal, wie viel Zwang wirklich notwendig wäre. Wir möchten, dass so viel Freiwilligkeit wie möglich für die jungen Menschen erhalten bleibt.

DOMRADIO.DE: Welche Zweifel und Sorgen treiben diejenigen um, die jetzt mit Fragen rund um Wehrpflicht, Kriegsdienst und Verweigerung zu ihnen kommen?

Dengel: Die jungen Menschen leben in einer ziemlich gefährlichen Welt und sind als junge Menschen gefragt. Die 18-Jährigen von heute haben eine Corona-Krise erlebt. Sie erleben eine Welt, in der ein russischer Angriffskrieg ist, und erleben einen Krieg im Iran. 

Sie fragen sich zweierlei: Zum einen, was ist mit ihrer Zukunft? Jeder von uns hat gerne eine friedliche Welt. Die andere Frage ist die klassisch christliche: Kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, auch bewaffnet zum Schutz anderer Menschen einen Dienst zu leisten.

Stefan Dengel

"Wäre ich bereit, zur Waffe zu greifen und bewaffnet verteidigen zu können?"

DOMRADIO.DE: Wie können Sie helfen? Worin besteht die Beratung?

Dengel: Ich selbst berate nicht. Wir verweisen an unsere Kolleginnen und Kollegen bei Pax Christi oder der evangelischen Kirche, weil wir die Beratungsangebote erst wieder aufbauen müssen. Die Beratung ist die klassische Reflexion des Gewissens. 

Es ist die Frage: Wäre ich bereit, zur Waffe zu greifen und mich bewaffnet verteidigen zu können? Das ist die Grundfrage, die sich jede Christin, jeder Christ stellen muss.

DOMRADIO.DE: Wo sehen Sie im Moment allgemein die Aufgaben der Kirchen in dieser Frage?

Dengel: Wir müssen überall, auch in Politik und Gesellschaft, wachhalten, dass der unbewaffnete Weg, der Weg der Gerechtigkeit, der Versöhnung, des Friedens, der ehrlichen Kommunikation immer der bessere ist als jegliche Form von Schutz und bewaffnetem Handeln. 

Gleichzeitig muss man aber auch schauen, dass man nicht wehrlos ist. Das ist bei einem verantwortungsbewussten Pazifismus immer die Frage. Wie viel darf ich rüsten, wie defensiv muss ich sein, wie viele Wege der Gewaltreduktion kann ich gehen und wo sind die?

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist der Dachverband von 17 katholischen Kinder- und Jugendverbänden mit rund 660.000 Mitgliedern. Er versteht sich in erster Linie als Interessenvertretung dieser Verbände in Kirche, Staat und Gesellschaft und kümmert sich darüber hinaus um die Absicherung der finanziellen Förderung.

Fahne des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) / © Harald Oppitz (KNA)
Fahne des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR

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