KNA: Sie sind seit gut einem halben Jahr im Amt: Wie waren Ihre ersten Monate?
Francesco Ielpo (Kustos der Franziskaner im Heiligen Land): Die Herausforderungen und die Schwierigkeiten, gerade in der aktuellen Situation, übertreffen im Prinzip die Kräfte eines Menschen. Aber der Kustos ist kein einsamer Kämpfer. Er braucht die Hilfe Gottes und die Unterstützung seiner Mitbrüder, um diese Arbeit anzugehen.
KNA: Seit zwei Wochen herrscht in der Region wieder Krieg.
Ielpo: Es ist der x-te Krieg und der x-te Konflikt. Dieses Land hat in der jüngsten Geschichte praktisch immer im Krieg gelebt, manchmal auch mit Bomben. Man spürt ständig eine Anspannung.
Es ist ein gesegnetes Land, aber auch ein geprüftes und gemartertes Land. Und das macht einmal mehr unsere Präsenz als Franziskaner notwendig: eine Präsenz des Friedens, die eine Brücke zwischen den Völkern sein will und sein kann.
KNA: Was tut die Kustodie in dieser Situation – für die Menschen, vor allem für die Christen?
Ielpo: Die Kustodie setzt unverändert ihre Hauptaufgabe fort: Wir sind im Auftrag des Papstes Hüter der Heiligen Stätten im Heiligen Land – und im Namen unserer Kirche beten wir an diesen Stätten zu Gott und betreuen dort Pilger. Weiter leiten wir Schulen, Pfarreien, akademische Institute, Gästehäuser sowie Sozial- und Caritas-Stationen.
Derzeit kümmern wir uns besonders um die Menschen, die direkt vom Konflikt betroffen sind. Wir kümmern uns um Arbeit und Arbeitsplätze – etwa im religiösen Tourismus um medizinische Versorgung und Pflege. Wir bieten Lebensmittelpakete an und vergeben weiterhin Stipendien an Schüler und Studenten aus bedürftigen Familien.
KNA: Zu Jahresbeginn bestand die Hoffnung, dass der Heilig-Land-Tourismus und die Pilgerreisen wieder einen Aufschwung erleben – und damit vielen arabischen Christen Arbeit und Auskommen ermöglichen. Der Krieg hat das komplett geändert. Werden die lokalen Christen zu Ostern unter sich sein?
Ielpo: Das lässt sich im Moment nicht vorhersehen. Wir wissen nicht, wie lange der Krieg noch dauert. Aber auch wenn er in diesen Tagen endet, besteht keine Chance, dass die Pilgergruppen bis Ostern zurückkehren. Dennoch wird das Osterfest in Jerusalem mit all seiner Würde begangen und gelebt – mit der lokalen Gemeinde. Und das zeigt erneut, wie wichtig es ist, dass die Christen im Land bleiben und hier leben.
KNA: Kann man in solch einer Situation Ostern "feiern"?
Ielpo: Natürlich kann man es auch in solchen Zeiten liturgisch feiern, auch wenn die Kirchen geschlossen sind. Wir haben in der Grabeskirche unsere Gemeinschaft, die mit Treue und Zuverlässigkeit alle Liturgien begeht – im Namen der ganzen Kirche. Also: Ostern, das Fest der Auferstehung Christi, wird in Jerusalem in würdiger Art und Weise gefeiert, wenn auch mit weniger Personen und wenn auch weniger festlich.
KNA: Wann wird die Grabeskirche wieder geöffnet?
Ielpo: Das hängt von der Entwicklung des Konflikts ab. Wenn die israelischen Behörden die Sicherheitsbedingungen erfüllt sehen, werden sie die Kirchen und Gebetsstätten sicher öffnen – denn noch vor unserem Osterfest feiern die Juden ihr Pessah-Fest...
KNA: In Bethlehem hat die Restaurierung der Geburtsgrotte begonnen. An welchem Punkt sind sie?
Ielpo: In der Geburtskirche werden seit zehn Jahren Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Es begann mit dem Dach, das dringend ausgebessert und gesichert werden musste. Dann wurden – im ständigen Dialog der drei Gemeinschaften, der Griechen, Franziskaner und Armenier – die Arbeiten im Inneren der Basilika fortgesetzt, um ihre ursprüngliche Schönheit und ihren Glanz zurückzubringen.
Es blieb das Herzstück der Basilika, die Geburtsgrotte, über der – und deretwegen – die Kirche erbaut wurde. Hier haben Ende Januar die Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten begonnen. Elektroanlage, Beleuchtung und Brandschutz müssen erneuert und gesichert werden.
Dann müssen der Marmor und die übrigen Steine gereinigt und mit modernen Techniken konsolidiert werden. Zudem ist ein neues Belüftungssystem samt einer Kontrolle der Luftfeuchtigkeit in der Grotte vorgesehen.
KNA: Gibt es neue archäologische Entdeckungen?
Ielpo: Es geht hier um eine Restaurierung und nicht um Archäologie. Aber natürlich müssen bei einer solchen Arbeit auch archäologische Berater dabei sein. Jetzt hat man Fragmente von Mosaiken – einige Zentimeter groß – an den Wänden gefunden, die gründlich untersucht und im Kontext der Gesamtarbeiten dann vorgestellt werden.
KNA: Wie lange dauern die Arbeiten noch?
Ielpo: Die Arbeiten waren auf zehn Monate angelegt, von Weihnachten 2025 bis wenige Wochen vor dem Weihnachtsfest 2026. Durch den Krieg könnte sich das etwas verschieben – wir hoffen nicht bis 2027.
KNA: Und in der Grabeskirche von Jerusalem sind die Restaurierungsarbeiten auch noch nicht abgeschlossen. Wie weit ist man dort?
Ielpo: Seit Kriegsbeginn vor zwei Wochen konnte dort nicht mehr weitergearbeitet werden. Niemand (außer den Mönchen) darf die Grabeskirche betreten. Aber die archäologische Arbeit ist abgeschlossen, die Arbeit der Infrastruktur unter dem Fußboden ist auch praktisch beendet. Die fachgerechte Verlegung des Fußbodens sowohl mit neuen Steinplatten als auch mit alten, noch herzurichtenden Platten ist noch nicht abgeschlossen.
Hinzu kommen jetzt die Arbeiten an der Eingangstür, die einer wichtigen Restaurierung unterzogen werden muss. Die Restaurierung der Kirche sollte noch in diesem Jahr abgeschlossen sein, die am Eingangsportal bereits in ein oder zwei Monaten.
Das Interview führte Johannes Schidelko.