Die Klagemauer in Jerusalem, Stützmauer des alten jüdischen Tempels, soll laut einem Gesetzentwurf der uneingeschränkten Kontrolle des orthodoxen israelischen Oberrabbinats unterstellt werden.
Das würde auch den sogenannten egalitären Gebetsbereich namens "Ezrat Israel" umfassen, der für nicht-orthodoxe Gebete genutzt wird. Dort können etwa Frauen und Männer gemeinsam beten, was am Hauptteil der Mauer nicht möglich ist.
Der vom religiösen Rechtsaußen-Abgeordneten Avi Maoz eingebrachte Entwurf würde nicht-orthodoxe Praktiken als "Entweihung" definieren und mit Strafen ahnden. Laut israelischen Medienberichten soll das Papier nun an die zuständigen Parlamentsausschüsse zur Vorbereitung der ersten Lesung im Plenum weitergeleitet werden.
Widerspruch zu Gerichtsurteil
Die Initiative steht in Widerspruch zu einem kürzlich gefällten Urteil des Obersten Gerichts, wonach der Staat geplante Modernisierungsarbeiten im Abschnitt "Ezrat Israel" fortsetzen soll. Das Oberrabbinat wiederum verurteilte das Urteil und forderte das Gericht auf, "sich nicht in die heiligen Angelegenheiten der Klagemauer einzumischen".
Streng religiöse und reformorientierte jüdische Strömungen streiten seit Jahren um eine offizielle Zulassung nicht-orthodoxer Gebetsformen an der Klagemauer. Liberale Juden treten unter anderem für gemeinsame Gebete von Männern und Frauen ein. Zudem wollen sie Frauen das Lesen aus der Thora, sowie das Tragen von Gebetsschals und -riemen gestatten. Konservative Vertreter sehen darin einen unzulässigen Verstoß gegen bestehende Traditionen.