An die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester und Kirchenpersonal erinnert ab sofort ein großflächiges Plakat im Dom von Münster. Eine Arbeitsgruppe habe sich eineinhalb Jahre mit der Fragestellung befasst, wie man den Missbrauch und dessen Vertuschung durch frühere Verantwortliche in der Leitung durch ein sichtbares Zeichen im Bewusstsein hält, teilte das Bistum am Dienstag mit.
Auf dem großen Plakat sind demnach Gedanken zu lesen, die von Mitgliedern der Arbeitsgruppe geäußert wurden. Bei den Treffen war deutlich geworden, dass sie alle auf die eine oder andere Weise in ihrem Leben mit sexuellem Missbrauch konfrontiert waren, entweder als direkte Betroffene oder im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis.
"Ein erster Schritt"
Die Aussagen auf dem Plakat spiegeln diese Erfahrungen wider: "Ich habe gelernt, dass Sex etwas Böses und Schmutziges ist. Das hat lange mein Leben geprägt. Als ich vom Missbrauch hörte, hat mich diese Doppelmoral umso mehr entsetzt", steht dort zum Beispiel geschrieben. Oder: "Hätte ich sofort was gesagt, dann wären nicht auch weitere Kinder missbraucht worden. Ich mache mir selbst Vorwürfe." Mit der Veröffentlichung wolle die Arbeitsgruppe ein erstes Zeichen setzen.
Das sei allerdings nur eine Etappe auf dem Weg zu einer dauerhaften künstlerischen Installation, wird Dombaumeisterin Anette Brachthäuser in der Mitteilung zitiert: "Es ist ein erster Schritt, um deutlich zu machen, wie die Arbeitsgruppe mit dem Thema umgegangen ist." Man werde etwa ein halbes Dutzend Künstlerinnen und Künstler zu einem Wettbewerb einladen, wie sie im Dom den Zusammenhang von Macht und Missbrauch darstellen wollten, erläuterte Brachthäuser.