Der emeritierte Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat sich zur veröffentlichten unabhängigen Studie über sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn geäußert und eine persönliche wie institutionelle Mitverantwortung eingeräumt. Die Untersuchung, die am 12. März 2026 vorgestellt wurde, befasst sich mit den Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt und umfasst auch die Jahre, in denen Becker selbst als Personaldezernent tätig war.
Becker erklärte, sexualisierte Gewalt an Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen sei "sehr schweres Unrecht". Die Studie zeige deutlich, dass im Erzbistum über lange Zeit Strukturen bestanden hätten, die den Schutz der Betroffenen nicht ausreichend gewährleisteten. In vielen Fällen habe der Schutz der Institution Vorrang vor dem Leid der Betroffenen gehabt.
Ehemaliger Personaldezernent
Als damaliger Personaldezernent sei er in Entscheidungsprozesse im Umgang mit beschuldigten Priestern eingebunden gewesen. Auch wenn die letztliche Verantwortung nicht bei ihm gelegen habe, wolle er sich "nicht hinter Zuständigkeiten verstecken", betonte Becker. Die wissenschaftliche Aufarbeitung rekonstruiere seine damalige Rolle anhand von Akten und Entscheidungswegen, was er sehr ernst nehme und zum Anlass für eine eingehende Selbstprüfung mache.
Mit zeitlichem Abstand sehe er heute vieles klarer. Insbesondere die Ergebnisse der sogenannten MHG-Studie sowie weitere Untersuchungen und die Stimmen von Betroffenen hätten bei ihm eine intensive persönliche Reflexion ausgelöst. Ihm sei bewusster geworden, wie schmerzhaft es für Betroffene gewesen sei, nach erlittenem Missbrauch auf Zweifel, Distanz und mangelnde Empathie zu stoßen.
Becker begrüßte ausdrücklich, dass die Perspektiven der Betroffenen heute stärker wahrgenommen würden. Zugleich äußerte er tiefes Bedauern darüber, dass viele Betroffene in der Vergangenheit nicht gehört oder ernst genommen worden seien.
Mit Blick auf seine Amtszeit als Erzbischof von 2002 bis 2022, die derzeit gesondert wissenschaftlich untersucht wird, kündigte Becker ebenfalls eine kritische Überprüfung seines Handelns an. Die Ergebnisse dieser Studie werden im kommenden Jahr erwartet. Unabhängig davon bat er bereits jetzt um Entschuldigung für mögliche Versäumnisse: Wo sein Handeln dazu beigetragen habe, dass Betroffene nicht ausreichend geschützt oder ernst genommen wurden, bitte er um Vergebung.
Dankbar die Aufarbeitungsschritte im Erzbistum
Becker verwies darauf, dass sowohl die erste Studie als auch deren Erweiterung auf die Jahre seiner Amtszeit hin in seine Verantwortung als Erzbischof gefallen seien. In dieser Zeit seien zudem Strukturen wie Aufarbeitungskommission, Prävention und Intervention aufgebaut und weiterentwickelt worden. An der aktuellen Studie habe er selbst durch Interviews mitgewirkt.
Abschließend zeigte sich Becker dankbar für die Aufarbeitungsschritte im Erzbistum und würdigte die Arbeit der Unabhängigen Aufarbeitungskommission sowie der in Prävention und Intervention Engagierten. Er äußerte die Hoffnung, dass Betroffene künftig die notwendige Unterstützung und Gehör fänden und die Kirche von Paderborn ihrem Auftrag wieder stärker gerecht werde, allen Menschen mit Wahrhaftigkeit, Schutz und Achtung zu begegnen.