Diakonie befürchtet Konkurs der Pflegeversicherung

"Pflege darf nicht arm machen"

Die Finanzlage der Pflegeversicherung ist schlecht. Für die Diakonie besteht dringender Handlungsbedarf, damit Pflegebedürftige nicht die Leidtragenden der Krise werden. Sozialvorstand Elke Ronneberger warnt vor der drohenden Pleite.

Symbolbild Häusliche Pflege / © Ground Picture (shutterstock)
Symbolbild Häusliche Pflege / © Ground Picture ( shutterstock )

Der evangelische Wohlfahrtsverband Diakonie warnt vor einer drohenden Pleite der Pflegeversicherung. "Das aktuelle System der Pflegefinanzierung ist schon heute an seiner Belastungsgrenze", sagte Sozialvorstand Elke Ronneberger am Montag in Berlin. 

Immer mehr Menschen würden als pflegebedürftig eingestuft, zugleich stiegen die Kosten für Pflege immer weiter. "Pflege darf nicht arm machen", so Ronnebergers Appell. Die Pflegeversicherung habe zwar mit einem Plus das vergangene Jahr abgeschlossen, jedoch nur durch ein Darlehen des Bundes. Es brauche daher ein Finanzierungsmodell, das die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen entlaste und trotzdem gute Pflege ermögliche, forderte Ronneberger. 

Elke Ronneberger, Vorständin der Diakonie für Sozialpolitik / © Rolf Zöllner (epd)
Elke Ronneberger, Vorständin der Diakonie für Sozialpolitik / © Rolf Zöllner ( epd )

Der im Dezember veröffentlichte Bericht der Bund-Länder-Kommission "Zukunftspakt Pflege" gebe jedoch weder Antworten auf die drängenden Fragen der Finanzierung noch zur Versorgungssicherheit. "Es fehlt ein abgestimmtes Konzept, das sofort umgesetzt werden könnte", so Ronneberger. 

Bund muss mehr Kosten übernehmen 

Gemeinsam mit dem Deutschen Evangelischen Verband für Altenarbeit und Pflege hat die Diakonie Vorschläge zur Zukunft der Pflegeversicherung erarbeitet. Dazu zählen die vollständige Rückerstattung der Mittel zur Bewältigung der Corona-Pandemie an die Versicherung durch Steuermittel und ein Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung. 

Auch sollte der Bund aus Sicht der Diakonie die Ausbildungskosten in der Pflege finanzieren sowie die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige. Beides zusammen brächte der Pflegeversicherung rund 5,5 Milliarden Euro. Darüber hinaus sollte es eine stärkere Belastung für wohlhabendere Menschen durch ein Anheben der Versicherungspflichtgrenze sowie durch Beiträge auf Einkünfte aus Kapitalanlagen oder Vermietung geben.

Perspektivisch befürworten Diakonie und Altenpflegeverband eine Pflegebürgerversicherung. Zudem brauche es einen sogenannten Sockel-Spitze-Tausch, bei dem der Betrag, den Pflegebedürftige zahlen müssten, festgeschrieben werde und die Pflegeversicherung die restlichen Kosten übernehme. 

Diakonie Deutschland

Die Diakonie ist der soziale Dienst der evangelischen Kirchen. Sie versteht ihren Auftrag als gelebte Nächstenliebe und setzt sich für Menschen ein, die am Rande der Gesellschaft stehen, die auf Hilfe angewiesen oder benachteiligt sind. Neben dieser Hilfe versteht sie sich als Anwältin der Schwachen und benennt öffentlich die Ursachen von sozialer Not gegenüber Politik und Gesellschaft. Diese Aufgabe nimmt sie gemeinsam mit anderen Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege wahr.

Diakonie (Symbolbild) / © Tobias Arhelger (shutterstock)
Diakonie (Symbolbild) / © Tobias Arhelger ( shutterstock )
Quelle:
KNA