Modern Talking-Star Thomas Anders blickt auf seine Zeit als Messdiener

"Für mich ist Gott eine positive Energie"

Thomas Anders verkaufte mit Dieter Bohlen als Popduo "Modern Talking" mehr als 120 Millionen Tonträger weltweit. In der DOMRADIO-Musikshow "Meine Playlist" blickt der Sänger auf seine Herkunft, Karriere und seinen persönlichen Glauben.

Autor/in:
Bernd Knopp
Thomas Anders bei DOMRADIO.DE "Meine Playlist" (DR)
Thomas Anders bei DOMRADIO.DE "Meine Playlist" / ( DR )

Programmhinweis: Die Sendung "Meine Playlist" läuft am Samstag ab 12 Uhr und am Sonntag ab 16 Uhr im DOMRADIO.

Sendung "Meine Playlist"

DOMRADIO.DE: Herr Anders, wenn Sie diese Songs von damals hören, die Sie selbst gesungen und die Sie sich auch gewünscht haben: Wie ist das für Sie heute? Kommt da ein bisschen Wehmut auf?

Thomas Anders (Sänger): Überhaupt nicht, weil: Modern Talking ist meine Karriere und ich liebe diese Songs. Ich habe mir aber ganz bewusst auch "TV makes the superstar" ausgesucht. Das war die allerletzte Modern-Talking-Single, die veröffentlicht wurde. Danach haben sich unsere Wege, die von Dieter Bohlen und mir, getrennt.

DOMRADIO.DE: Sie haben ja viel von Modern Talking, wenn ich mich entsinne, neu aufgelegt oder neu produziert. Warum haben Sie genau diesen Schritt vollzogen?

Anders: Ich habe die ersten sechs Alben, also aus den Achtzigern, noch mal neu aufgenommen – unter dem Branding Thomas Anders. Im letzten Jahr stand 40 Jahre Modern Talking auf dem Programm. Mein Produzent hatte diesbezüglich die Idee, das erste Album, also "The 1st album" von Modern Talking, neu aufzunehmen und neu von mir einsingen zu lassen. Das hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir dann eben wahnsinnigerweise sagten: Dann nehmen wir alle Alben aus den 80ern neu auf. Und so kam diese Reihe zustande. Deshalb hat man das Gefühl, dass man im Hier und Jetzt ist mit der Musik, aber trotzdem irgendwie in den 80ern, weil man sofort wieder diese Erinnerung an die Songs von damals hat.

DOMRADIO.DE: Ihre persönliche Playlist besteht aus weicheren Tönen. Haben Sie einen weichen Kern oder haben Sie eher eine weiche Schale?

Anders: Ich sage es mal so: Mich machen mehr oder weniger die Balladen immer ein bisschen mehr an als purer Discofox.

 

DOMRADIO.DE: Sie wohnen in Koblenz und haben damit ihre Heimat nie verlassen. Sie sind in einem Ort aufgewachsen, der sich unweit von Koblenz befindet. Wie wichtig ist Ihnen das Heimatgefühl? Ich habe immer das Gefühl, Thomas Anders sei sehr heimatverwurzelt, stimmt das?

Anders: Absolut, sonst wäre ich nicht mehr hier. Ich kann es mir ja Gott sei Dank auch beruflich leisten, irgendwo zu wohnen. Ich müsste dann jetzt nicht unbedingt Koblenz als Homebase haben, aber ich fühle mich hier unglaublich wohl, weil die Menschen gut mit mir umgehen.

DOMRADIO.DE: Ist Heimat für Sie eher die Familie oder der Ort?

Anders: Ich glaube, es ist beides. Und es ist das ganze Drumherum.

DOMRADIO.DE: Sie sind in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Hat dies sie auch christlich geprägt?

Anders: Ich war viele Jahre Messdiener. Und in diesem Dorf, aus dem ich herkomme, gibt es nur eine kleine Kapelle. Für so viele Menschen braucht man nicht unbedingt einen Dom, deshalb hat man dort so eine Kapelle gebaut und ich weiß nicht, aus welchem Jahrhundert sie stammt, aber ich war Messdiener dort und alle waren sehr durch Kirche geprägt.

DOMRADIO.DE: Sie gehen ab und zu auch mal zu Weihnachtskonzerten in Kirchen. Was reizt Sie an diesen besonderen Orten?

Anders: Die Kirchen an sich haben, auch wenn sie klein sind, eine unglaubliche Ausstrahlung. Natürlich gibt es auch die großen Bauten wie den Kölner Dom oder den Dom zu Speyer. Was meine Familie und ich immer wieder machen, ist, dass wir einfach immer mal in die Kirche reingehen. Das ist so ein Kosmos für sich, den wir wirklich genießen. Es ist in der Tat für mich ein Gotteshaus.

DOMRADIO.DE: Können Sie sich vorstellen, auch in diesem Gotteshaus Gott näher zu sein?

Anders: Ich brauche jetzt nicht unbedingt die Kirche, um Gott näher zu sein. Das ist so, das kann ich auch zu Hause, wenn ich meine Gedanken fliegen lasse.

DOMRADIO.DE: Wie bekommen Sie denn am besten den Draht zu ihm, zu Gott?

Anders: Am besten mit Ruhe und das Zwiegespräch führen. Für mich ist Gott eine positive Energie und daraus kann ich viel ziehen und lernen. Und ich darf auch da, wenn ich eine Zwiesprache halte, auch mal kritisch sein, wenn mir was nicht gefällt. Ich stelle dann eben die Fragen und ich habe nur eines festgestellt: dass die Antworten kommen, aber nicht direkt. Und viele Dinge erklären sich dann im Nachhinein. Ich glaube, das kennt jeder, der schon eine gewisse Zeit durchs Leben gegangen ist. Irgendwann löst sich der Knoten und man sagt: Jetzt weiß ich, warum das damals so war.

DOMRADIO.DE: Sie gehen in wenigen Tagen auf Tournee. Was gibt es da zu hören?

Anders: Es ist eine Zeitreise. Ich nehme die Menschen mit, unter anderem auch in die 80er. Wir haben sehr, sehr viel Energie und Kreativität in die Show investiert. Mit der KI wird gearbeitet, das heißt, ich singe mit meinem jungen Ich und das ist natürlich faszinierend, auch für das Publikum, wenn man mit sich selbst singt, also mit jemandem, der mein Sohn sein könnte. In dem Alter war ich damals mit Modern Talking, im Alter meines Sohnes.

DOMRADIO.DE: Wie schaut der große, ältere, reifere Thomas Anders auf den jüngeren mithilfe der KI?

Anders: Na ja, ich denke dann: "Mein Gott, du junger Mensch, wenn du damals gewusst hättest, was alles auf dich zukommt und wo du dann 40 Jahre später stehst: Was wäre dir alles durch den Kopf gegangen?"

DOMRADIO.DE: Wenn man mit Ihnen spricht, dann kommt man an ihrem Gegenpol, an Dieter Bohlen, mit dem Sie ja dann auch berühmt wurden, nicht vorbei. Wie ist das heute für Sie, wenn Sie an diesen Mann denken?

Anders: Natürlich sind die Songs von ihm. Ich glaube, wir haben uns gegenseitig berühmt gemacht, weil jeder seinen Part dafür gegeben hat, damit Modern Talking sehr erfolgreich wurde. Im Grunde sind wir wie Yin und Yang. Also, wir sind ein Kreis, aber jeder hat seine eigene Farbgebung. Und ich glaube, so muss man das sehen, dass wir beide jeder 50 % von Modern Talking sind. Wir beide haben etwas geschaffen, was wenige Künstler wirklich erleben durften: eine Ausnahmekarriere und auch heute noch mit Songs, die selbst 40 Jahre danach ihre Faszination nicht verloren haben. Deshalb bin ich sehr dankbar. 

Das Interview führte Bernd Knopp. 

Quelle:
DR

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