Für den Münchner Pastoraltheologen Andreas Wollbold ist ein Drittes Vatikanisches Konzil nicht der richtige Weg, um die Glaubenskrise zu überwinden.
Heute gebe es weltweit mehr als 5.000 Bischöfe sowie zahlreiche Laien, Experten und Berater. "Was soll das werden? Ein Schauprozess?", sagte der Professor für Pastoraltheologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München in einem Interview der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost". Bereits bei den jüngsten Synoden in Rom habe sich gezeigt, dass ein gemeinsames Hören auf das Wort des Geistes "grenzwertig" sein könne.
Ein solches Unterfangen könne er sich heute bei einem Konzil kaum vorstellen. Häufig machten jene Politik, die gut organisiert seien und die Fäden in der Hand hielten. "Das hat mit dem eigentlichen Geist eines Konzils, der auf Konsens und gemeinsames Zeugnis ausgerichtet ist, oft nicht mehr viel zu tun", so Wollbold.
Zudem seien die Herausforderungen der Gegenwart andere als zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) vor rund 60 Jahren. Viele Konzilsväter seien noch im 19. Jahrhundert geboren worden und hätten sich die heutige Welt kaum vorstellen können. Deshalb brauche es heute vor allem ein Schöpfen aus den Grundprinzipien des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Weniger Dokumente und Beschlüsse
Die Glaubenskrise im Westen könne nicht einfach dem Konzil angelastet werden, betonte der Theologe. Vielmehr hätten globale Trends wie Wertewandel, Autoritätsverlust und sexuelle Revolution die Gesellschaft geprägt und auch die Kirche erfasst. Kritisch äußerte sich Wollbold zugleich zur Umsetzung einzelner Reformen nach dem Konzil, etwa in der Liturgie. Diese sei vielerorts zu abrupt und "top-down" erfolgt. Stattdessen hätte es mehr Zeit und behutsamere Schritte gebraucht.
Mit Blick auf aktuelle Debatten über Synodalität mahnte Wollbold zu begrifflicher Klarheit. Beratung könne in der Kirche gemeinsam erfolgen, Entscheidungen träfen letztlich jedoch die Bischöfe mit dem Papst. Laien hätten vor allem durch ihre "Weltkompetenz" eine wichtige Rolle, indem sie Erfahrungen aus Gesellschaft und Alltag in kirchliche Beratungsprozesse einbrächten. Entscheidend für die Zukunft der Kirche seien weniger neue Dokumente oder Konzilsbeschlüsse als das glaubwürdige Zeugnis der Gläubigen selbst.